Ostern in der Pandemie Keine Gottesdienste mit Präsenz

Auch in der Kirche Kaltensundheim können derzeit keine Präsenzgottesdienste stattfinden. Foto: Iris Friedrich

Abermals befinden sich Deutschland und die Region über die Kar- und Ostertage im Lockdown. Das zentrale Fest im Christentum, das die Auferstehung Jesu feiert, wird trotz der Corona-Pandemie nicht etwa ganz ausfallen.

Bad Salzungen - Ostern ist das zentrale Fest der Christen. Doch aufgrund der anhaltend hohen Infektionszahlen sind die Kirchengemeinden in der Hohen Rhön und im Feldatal zur gemeinsamen Entscheidung gekommen, auf Präsenzgottesdienste in den evangelischen Kirchen vom Gründonnerstag bis zum Ostermontag zu verzichten. Die evangelischen Pfarrämter Kaltennordheim, Empfertshausen, Kaltensundheim und Frankenheim informieren in einer Pressemitteilung: „Diese Entscheidung fällt uns schwer, weil wir gern und mit Begeisterung die Osterbotschaft verkündigen.“

Doch: „Ich gebe die Zuversicht nicht auf, dass unsere Kirche und die Gemeinden ihren Auftrag ernst nehmen. Der kann nur lauten: Wir verkündigen den auferstandenen Herrn, in welcher Form auch immer“, sagt Alfred Spekker, Pfarrer in Frankenheim und amtierender Superintendent des Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach.

An den Kar-Tagen gedenken die Christen des Leidens und Sterbens Jesu Christi, Ostern feiert seine Auferstehung.

Der Hintergrund des Osterfestes kann Symbol sein für die aktuelle Zeit, einerseits für die Sorgen und Nöte der Menschen, der Alten und Kranken zum Beispiel, aber auch der überlasteten Ärzte und Pflegekräfte oder denjenigen, deren wirtschaftliche Existenz im Zuge der Pandemie bedroht oder vernichtet wurde; andererseits für die Zuversicht, aus all diesen schweren Erfahrungen auch Kraft zu schöpfen.

„Die Auferstehung Jesu Christi hat den damals trauernden Jüngern Kraft gegeben. Ostern und das folgende Pfingstfest gaben ihnen Kraft und Mut weiterzusagen, was sie selbst mutig gemacht hat. Die Auferstehung des Herrn und die daraus folgende Lebensermutigung können uns bis heute mit dieser Kraft ausrüsten, Zeugen für den lebendigen Gott zu sein. Das ist die Kraft, aus der ich lebe und arbeite. Das muss ich nicht verkündigen, sondern das will ich verkündigen“, erklärt Alfred Spekker. Es sei „schmerzlich, auf den zentralen Punkt der Verkündigung in der gewohnten Weise zu verzichten. Ich lebe von Präsenz, definiere mich und meine Arbeit als Pfarrer als Mensch in der Gemeinschaft mit anderen Menschen.“

Wie seit Beginn der Corona-Pandemie setzt der Kirchenkreis auf Online-Gottesdienste. „Die Stärke dieser Gottesdienste ist die Präsenz der Pfarrer und Pfarrerinnen und Mitarbeitenden, die den Menschen in der Region bekannt und vertraut sind. Diese Angebote können das Zusammensein nicht ersetzen, aber es haben mich viele Menschen angerufen und gesagt, wie wichtig ein kleines Lebenszeichen ihrer Kirchgemeinde für sie war“, sagt Alfred Spekker.

Für die Feiertage werden die Geocaching-Erlebnistour „Wunder der Schöpfung“ in Bad Salzungen, Möhra und Helmers für Familien oder die Erlebnistour „Jugendkreuzweg“ für Konfirmanden und Jugendliche per Smartphone empfohlen und Online-Audio-Andachten oder der Kreuzweg-to-go unter anderem rund um die Kirchen in Stadtlengsfeld, Oechsen und Gehaus organisiert.

An Ostersonntag können Gläubige ab 10.30 Uhr per Zoom an einer interaktiven Hausandacht zum Osterfrühstück mit Pfarrer Rudolf Mader teilnehmen. Zudem hat der Kirchenkreis über 1000 Exemplare des Oster-Panoramas zur Verfügung gestellt, das in vielen Häusern gebastelt und bemalt werde. „Die Präsenz sieht gerade anders aus, aber untätig sind die Menschen und Mitarbeitenden in den Gemeinden des Kirchenkreises gewiss nicht“, betont Alfred Spekker.

Die Onlinegottesdienste des Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach sind am Karfreitag und Ostersonntag jeweils ab 10 Uhr unter www.kkbasa.de zu empfangen und können zuhause mitgefeiert werden.

Ein zusätzliches regionales Angebot gibt es in der Osternacht aus Dermbach: In der katholischen Kirche Dermbach werden die Osterkerzen angezündet und die Osternacht wird gefeiert: Empfangbar am Samstag, 3. April, ab 21 Uhr über den YouTube Kanal von Pfarrer Piesche (www.youtube.com/c/UlrichPiesche ).

Pfarrer Alfred Spekker erklärt weiter: „Ich erlebe derzeit viele ängstliche Menschen. Das Verständnis für die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ist immer noch groß, scheint aber zu schwinden, weil manche politischen Entscheidungen nicht nachvollziehbar logisch sind“, sagt er. Der Vorschlag der Osterruhe – ohne Gespräche im Vorfeld – und dessen Rücknahme hätten verunsichert.

Spekker sehnt sich nach Gemeindegesang und feierlichen Gottesdiensten, sieht aber auch die dringende Notwendigkeit, trauernden Menschen wieder näher zu sein und sie auf dem Weg des Abschieds zu begleiten „Ich habe Angst, dass gerade in traditionell geprägten Dörfern tragende Dinge in Vergessenheit geraten, wie die Anteilnahme bei Trauerfeiern“, skizziert er mögliche Langzeit-Folgen der Pandemie.

Auch ein möglicher Neustart werfe viele Fragen auf. „Wie wird es mit den Chören oder Seniorenkreisen nach einer langen Pause weitergehen? Wie wird die Arbeit mit Kindern, Konfirmanden und Jugendlichen weitergehen? Wir werden uns nicht der Illusion hingeben können, es würde alles so sein wie vorher. Die Pandemie und auch der Schrecken über unsere Verletzbarkeit wird Wirkung zeigen“, betont er.

Am morgigen Karfreitag, 2. April, lädt der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach ab 10 Uhr zum Online-Gottesdienst ein. Die Predigt haben der amtierende Superintendent Alfred Spekker (Frankenheim) und Pfarrer Harald Graul (Kaltensundheim) vorbereitet. Musikalisch umrahmt wird der Gottesdienst mit Liedern aus Taizé, gesungen von Gemeindepädagogin Astrid Spekker (Frankenheim), Gemeindepädagogin Heike Straube (Kaltennordheim) und von Pfarrer Alfred Spekker.

 

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