Ostdeutsches Kult-Auto Trabi hängt fast alle anderen Marken ab

Ein Auto, das seit mehr als 30 Jahren nicht mehr produziert wird, kann in der Zulassungsstatistik Wachstumsraten vorweisen, von denen viele deutsche Marken aktuell träumen. Tesla schaffte es inzwischen, die Rennpappe zu überflügeln.

Anfang des Jahres hat es der US-Autobauer Tesla endlich geschafft: Seit 2022 fahren auf deutschen Straßen mehr Teslas als Trabant. Trotz Milliarden-Budgets und markiger Sprüche von Tesla-Chef Elon Musk hat der Hersteller von Elektroautos Jahre gebraucht, um ein Auto zu überflügeln, das seit mehr als 30 Jahren nicht mehr gebaut wird.

Am 30. April 1991 lief bei Sachsenring in Zwickau der letzte Trabi vom Band. Trotzdem waren jahrelang in Deutschland mehr Rennpappen als Teslas zugelassen. Und das, obwohl der US-Autobauer seit Jahren astronomische Wachstumsraten ausweist. Laut Statistik des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg waren zum 1. Januar dieses Jahres 39 342 Sachsenring, also Trabant, in Deutschland angemeldet. Das waren 3,1 Pro- zent mehr als ein Jahr zuvor. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Trabis sogar fast um 20 Prozent gestiegen. In vielen Garagen und Scheunen finden sich eben noch alte Schätze, die wieder aufgearbeitet werden.

Mit 66 422 zugelassenen Fahrzeugen konnte Tesla zu Beginn des Jahres den Trabi erstmals überflügeln. Der US-Autobauer hat damit die Zahl seiner Autos in Deutschland innerhalb eines Jahres fast verdoppelt. Allein im Juli stieg die Zahl der Neuzulassungen von Tesla um 142 Prozent, wie das Kraftfahrtbundesamt mitteilte. Bei diesen Zahlen kann der Trabi natürlich nicht mehr mithalten, doch im Jahresvergleich sticht er nach wie vor viele große deutsche Automarken aus. Zumindest bei den Wachstumsraten, nicht bei den absoluten Zahlen.

So konnte etwa VW die Zahl seiner Fahrzeuge innerhalb eines Jahres nur um 0,3 Prozent steigern. Bei Mercedes lag der Zuwachs nur bei 0,7 Prozent und bei BMW bei 1,2 Prozent. Marken wie Opel, Ford oder Audi mussten von Anfang des Jahres 2021 bis zu Beginn dieses Jahres sogar ein Minus der in Deutschland zugelassenen Autos verkraften. Lediglich Porsche konnte mit einem Wachstum von 4,1 Prozent unter den deutschen Herstellern dem Trabi das Wasser reichen.

Nicht nur bei den Autos erfreuen sich die historischen Ost-Fahrzeuge großer Beliebtheit. Auch die Zahl der Motorräder von MZ aus Zschopau wächst kontinuierlich, wie aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes hervorgeht. Innerhalb eines Jahres nahm ihre Zahl bis Anfang 2022 um rund 3000 auf mehr als 97 000 zu. Das entspricht einem Marktanteil von zwei Prozent, berichtet die Flensburger Behörde – und das, obwohl seit 2008 keine MZ mehr gebaut werden.

Simson-Mokicks tauchen in der Statistik des Kraftfahrtbundesamtes nicht auf. Da es sich bei den beliebten Produkten aus Suhl um Kleinkrafträder handelt, sind diese nicht zulassungspflichtig. Sie benötigen lediglich ein Versicherungskennzeichen, doch diese werden in Flensburg nicht erfasst.

Von der Beliebtheit der ostdeutschen Fahrzeuge lebt eine ganze Branche, um die Bastler mit Ersatzteilen für den Wiederaufbau ihrer Fahrzeuge zu versorgen. So sicherte sich die in Kassel gegründete Firma MZA vor Jahren die Rechte an den Simson-Ersatzteilen. Inzwischen hat MZA auf dem Rohrer Berg bei Meiningen ein großes Produktions- und Logistik-Zentrum errichtet und beliefert von dort aus Händler in ganz Europa mit Teilen, die nach den original Konstruktionsplänen von Simson gefertigt werden. Das Geschäft ist so erfolgreich, dass das Unternehmen seinen Standort derzeit sogar erweitert. Bis 2023 sollen eine weitere Fertigungs- und Logistikhalle entstehen. Und endlich soll dann auch der Rahmen der legendären Schwalbe wieder gefertigt werden. Damit ließen sich die Roller aus der DDR fast vollständig wieder nachbauen. Lediglich einige Teile der Karosserie baut MZA bisher nicht nach, weil die original Formen verloren gegangen sind. Meinung

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