Es war eine kleine Information zu Beginn des Gesprächs mit Thüringens Innenminister. Vor zehn Jahren ist er den Rennsteig von West nach Ost gewandert. Jetzt entgegengesetzt. Für ihn ohne politische Bedeutung – es ist ein Wanderweg, keine Weltanschauung. Und doch lässt mich dieser Gedanke nicht los. Eventuell genau deshalb, weil es für mich sinnbildlich wirkt für das, was gerade in unserer Gesellschaft passiert. Wer im Landkreis Hildburghausen unterwegs ist, begegnet immer wieder der Sehnsucht nach früher. Nach der DDR. Nach vermeintlicher Sicherheit, nach Überschaubarkeit, nach einem Staat, der vieles regelte. Gleichzeitig wird der Westen oft zum Feindbild erklärt. Zu etwas, das schuld an vermeintlichen Schieflagen ist. Als hätte mit der Wiedervereinigung nicht nur Freiheit begonnen, sondern auch der Verlust von Heimat.
Ost und West Richtungen oder Gedankengrenzen?
Daniela Rust 08.07.2026 - 14:00 Uhr