Ortsverband gegründet Die Partei: Satire im Stadtrat professionalisieren

Thomas Höchenberger, Thomas Morgenweck und Stefan Usbeck (von links) hab in Steinbach-Hallenberg einen Die Partei-Ortsverband gegründet und suchen nun nach weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern. Foto: Sascha Willms

Das Haseltal ist um eine politische Vereinigung reicher. Drei Mitglieder der Satirepartei Die Partei haben einen Ortsverband gegründet. Ermöglicht hat das nicht zuletzt die Gebietsreform.

Steinbach-Hallenberg - Drei Mitglieder braucht es in einem Ort wenigstens, um den Ortsverband einer Partei ins Leben rufen zu können. „Die Gebietsreform im Haselgrund hat es möglich gemacht“, lacht der neue Vorsitzende Thomas Höchenberger verschmitzt, denn während er selbst aus Unterschönau kommt, stammen seine beiden Mitstreiter Thomas Morgenweck und Stefan Usbeck aus Rotterode. Nun sind sie Steinbach-Hallenberger und das Trio darf sich gleich Stadtverband nennen.

Dass ihnen der Schalk im Nacken sitzt, hat durchaus Programm, denn ihre politische Vereinigung ist eine Satirepartei – von weniger wohlmeinenden Zeitgenossen auch Spaßpartei genannt. 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic gegründet, macht Die Partei immer wieder mit aufsehenerregenden Aktionen von sich reden – allen voran Vorsitzender Martin Sonneborn, der einstige Chefredakteur der Titanic.

2018 taucht er zum Beispiel in Verkleidung des Hitler-Attentäters Stauffenberg auf der Frankfurter Buchmesse auf, um zu einer Lesung mit dem AFD-Rechtsaußen Höcke eine lederne Aktentasche abzustellen. Sicherheitskräfte verwiesen ihn vorher des Saals.

2014 zieht Sonneborn als Spitzenkandidat seiner Partei in das EU-Parlament ein und stichelt dort immer wieder mit scharfzüngigen Reden, ob gegen Ungarns Staatschef Orbán, den er konsequent Diktator nennt, dessen türkischen Kollegen, „den Irren vom Bosporus“, aber auch gegen Kanzlerin Merkel oder den französischen Staatschef Macron. Meist jedoch – so bescheinigen es ihm zumindest Kritiker – kommt dabei der ernste Hintergrund seiner Schmähreden nicht zu kurz und sein Wille zur politischen Bildungsarbeit sei erkennbar.

So auch in seinem Buch „Herr Sonneborn geht nach Brüssel“ von 2019, in dem er den ganz normalen Irrsinn des europäischen Politikbetriebs beschreibe, wie der Rezensent Badische Zeitung meint.

Ernste Themen satirisch rüberbringen, ohne sie dabei so ins Lächerliche zu ziehen, dass sie nicht mehr ernst genommen werden – so sehen auch die drei Steinbach-Hallenberger den Ansatz ihrer Arbeit. „Als ich die Stauffenberg-Aktion gesehen habe, wusste ich, dass ich Mitglied dieser Partei werden will“, erinnert sich Thomas Höchenberger.

Und mögen auch die Ziele der Partei zuweilen im satirisch Diffusen bleiben, gebe es doch einige gemeinsame Nenner. Das Eintreten gegen rechte Strukturen sowie für Diversität und Gleichberechtigung zum Beispiel. „Zudem stehen wir für die Frauenquote. Da wir ja im Moment nur drei alte weiße Männer sind würden wir uns freuen, wenn in unseren Ortsverband auch weibliche Teilnehmer mitmachen würden“, sagt der Vorsitzende. Überhaupt seien weitere Mitstreiter und Unterstützer gesucht, die sich bei ihm oder den zwei Mitgliedern melden können.

Viele in der Partei seien auch Vegetarier oder Veganer, aber das tauge in der Region eher noch nicht zur Mitgliedergewinnung. „Wenn wir hier ein bisschen Werbung machen wollen, müssen wir wohl oder übel einen Bratwurststand aufbauen“, lacht Höchenberger wieder, während er sich seinen Salat zur Gründungsversammlung im Altersbacher Gasthaus Huhn schmecken lässt. Kommunalpolitisch sind die drei hier zwar Neulinge, zwei der Nachnamen genießen aber durchaus einen guten Ruf im Tal. So ist der 37-jährige Vorsitzende der Sohn des Bürgermeisters mit einer der längsten Amtszeiten weit und breit: Rigobert Höchenberger, seit der Fusion nunmehr Ortsteilchef in Unterschönau.

Der 35-jährige Schatzmeister Thomas Morgenweck wiederum ist der Sohn des einstigen Rotteroder Bürgermeisters, Uwe Morgenweck. „Das könnte unsere Chance zur Wahl sein, wenn die Älteren auf dem Wahlzettel nur die Nachnamen lesen“, feixen sie wieder ganz in Partei-Tradition. Den Willen mitzugestalten verspüren die drei jedenfalls durchaus.

Der Dritte im Bunde ist der aus Rotterode stammende Stefan Usbeck, der zweite Vorsitzende des Ortsvereins. Der 37-Jährige war elf Jahre beruflich im sächsischen Vogtland tätig. Corona trieb ihn ins Homeoffice und das befinde sich nun in seiner alten Heimat Rotterode. Mitgestalten heißt für das Trio, zur nächsten Stadtratswahl in Steinbach-Hallenberg zu kandidieren, zumal Satire in dem Gremium ja nichts Neues sei. Mit ihnen soll sie nur professioneller werden.

Eine nicht zu unterschätzende Hürde in Pandemiezeiten seien allerdings die dafür nötigen Unterstützerunterschriften, die persönlich im Rathaus geleistet werden müssen. Doch bis dahin habe sich die Corona-Situation hoffentlich entspannt. „Wir wollen auf jeden Fall junge Menschen und Verdrossene wieder für Politik interessieren – und dies nicht so verbissen, sondern mit einem Augenzwinkern“, sagt Höchenberger. Politik müsse halt auch Spaß machen. Auch jene, die Protest wählen, sollten dann doch lieber Die Partei wählen, statt rechts außen. Es gebe keine Rassen oder Menschen zweiter Klasse. „Es gibt einfach nur Menschen. Und diese sollten auch wie Menschen behandelt werden.“

Die Partei
Die Partei wurde 2004 als Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (PARTEI) gegründet. Weitere Ortsverbände gibt es derzeit unter anderem in Schmalkalden, Suhl/Zella-Mehlis und Eisenach - Auch zur anstehenden Bundeswahl tritt Die Partei an, mit Slogans wie: „Schwarzfahren muss bezahlbar bleiben“ und wird von der Straftat zur Ordnungswidrigkeit degradiert. Die 200 000 Verfahren im Jahr halten die Gerichte von Wichtigerem ab, wie Bestechlichkeit und Maskenaffären von CDU-Politikern. Das ganze Programm gibt es im Internet. - Kontakt zum Ortsverband über thomashoechenberger@gmail.com

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