Originale Erinnerungen wachhalten

Oskar Menz, 1966 fotografiert von Karl-Heinz Liebaug. Foto: Stadt- und Kreisarchiv Schmalkalden

Wie lautet der Spitzname des Schmalkalder Originals Oskar Menz eigentlich richtig? Hartmut Kirchner hat dazu eine Veröffentlichung seines Vaters Helmut Kirchner gefunden.

Schmalkalden - Im Rahmen unserer Leseraktion „Schätze aus dem Fotoalbum“ tauchen auch immer wieder die Namen alter Schmalkalder Originale auf. Zudem hat es sich Martina Bogen-Wendt zur Aufgabe gemacht, so viele Namen wie möglich zusammenzutragen. Um unsere Vorfahren nicht zu vergessen. Und die Anekdoten, die sich um sie ranken, für kommende Generationen aufzuschreiben, sagt die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, verantwortlich für das Sachgebiet Kultur. Da aktuell noch alle kulturellen Veranstaltungen ausfallen, widmet sich Bogen-Wendt dieser lohnenswerten Aufgabe. Mit Hilfe der Facebookgruppe der Pfloasterschisser hat sie bereits mehr als drei DIN-A-4 Seiten zusammengetragen.

Die Fachwerk- und Hochschulstadt hat in ihrer mehr als 1000-jährigen Geschichte ein Vielzahl von Persönlichkeiten und Originalen hervorgebracht. Allein zwei Bände umfasst die 1894 von Johann Conrad Geisthirt erstellte „Schmalkaldia Literata“, 1997 neu aufgelegt vom Verein für Schmalkaldische Geschichte und Landeskunde e. V.. In der Literata beschreibt der Chronist „hundert ein und neunzig gelehrte Leute, welche die Stadt Schmalkalden und den dahin gehörigen Ortschaften geboren, sowohl daselbst als an anderen Orten das gemeine Beste im weltlichen und geistlichen Regime, wie auch auf Academien und geringeren Schulen befördert und noch befördern...“. In seinem Vorwort schreibt Geisthirt 1897, dass „der Ort Smalcalden als ein hiebevor nicht gar wohlbekannter und verachtet darnierender liegender Ort dennoch solche Leute geliefert, deren sich die gelehrte Welt nicht schämen dürfen...“. In der Heimatzeitung werden wir in diesem Jahr einige Persönlichkeiten vorstellen wie den 1527 geborenen M. Laurentius Amschlag „aus dem ansehnolichen Geschlechte derer Amschlag“, den 1646 geborenen Medicus Ehrhard Merkel oder den 1565 geborenen Dr. Vincentius Schmuck, dessen Vater Michael Schmuck Buchdrucker und Ratsherr in Schmalkalden war.

Das wohl bekannteste Schmalkalder Original der Neuzeit ist Oskar Menz. Spitzname „Oskaorle“ sagt Hartmut Kirchner. Damit reagiert er auf eine Anfrage unseres Lesers Uli Jäger (vgl. Ausgabe vom 21. Januar). Kirchner verweist auf Recherchen seines verstorbenen Vaters Helmut Kirchner, der sich im Heft 6 von „Mi Heimet“ auch dem 1912 in Steinbach-Hallenberg geborenen Oskar Menz widmete. Sein Vater sei Hufschmied gewesen, schreibt Helmut Kirchner. Mit seiner Frau Magdalena, geborene Diller, hatte er insgesamt sieben Söhne und zwei Töchter.

Oskar, in dieser Großfamilie aufgewachsen, wohnte unter anderem in der Moosbachstraße, am Kirchberg und in der Lindenstraße. Er verdiente zunächst als Zigarrenmacher und Zurichter in der damaligen Hammermühle seine Groschen. Ab 1949 war er als Zusteller für die Post in Oberschönau, Unterschönau, Altersbach, Steinbach-Hallenberg und zuletzt in Schmalkalden unterwegs. Der kleinwüchsige Mann sei freundlich, sehr witzig, spaßig und lebensfroh gewesen, erzählte eine Leserin aus der Haselgrundstadt unserer Zeitung. In einer Veröffentlichung über die Steinbacher Wirtshäuser wird der Oskar Menz als „Der Zietingsoskele“ aufgeführt.

Noch gut in der Erinnerung ist der Tag, an dem der kleine Mann dem in Schmalkalden weilenden Bundespräsidenten Roman Herzog Blumen überreichte. Diese Episode hat auch Helmut Kirchner in seinem Heft festgehalten.

Oskar Menz war zweimal verheiratet, hatte dem Vernehmen nach zwei Kinder. In den letzten Jahren seines Lebens wohnte er unter anderem am Altmarkt, Kirchhof und später im Heim für Obdachlose. Er bedurfte zuletzt einer Betreuung durch das städtische Sozialamt, soll aber ständig auf Achse gewesen sein. Gestorben ist Oskar Menz in einem Altenheim in Hildburghausen.

 Quelle: Helmut Kirchner, „Mi Heimet“, Heft 6.

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