Orgelsanierung in Schmalkalden Hohe Feinstaubbelastung

Annett Recknagel

Die Orgel in der Schmalkalder Stadtkirche St. Georg wird derzeit abgebaut und umfassend saniert. Orgelbaumeister Lukas Ehlert und seine beiden Gesellen freuten sich über die Mithilfe von vielen Freiwilligen.

Es klingt auf dem Kirchhof. Mal hell, mal dunkel. Das liegt an den Orgelpfeifen. Bernd Leyh reinigt sie mit Druckluft. Und das erzeugt auch mal den ein oder anderen seltsam lauten Ton. Und zaubert den ehrenamtlich Tätigen sofort ein Lächeln ins Gesicht. Selbst das zwischenzeitliche Schneegestöber kommt dagegen nicht an.

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Andreas Krautwald steigt die Treppen zur Empore hinauf und holt Nachschub. Dort werden die Orgelpfeifen Register um Register ausgebaut. Nötig ist das, weil die Orgel dringend saniert werden muss. Alle 2872 Pfeifen werden aus dem Gehäuse herausgenommen und zunächst komplett gereinigt. Das geschieht zum Teil vor Ort in und vor der Kirche. Begonnen wurde damit am Montag. Die Arbeiten dauern noch die gesamte Woche. Der grobe Staub wird mit Luftdruck verblasen. Vom Feinstaub befreien die ehrenamtlich Tätigen die Pfeifen per Hand mit Pinsel, Wasser und Lappen.

Drei Tische stehen in der Kirche. Auch auf den Bänken türmen sich Orgelpfeifen. Selbst die kleinsten Pfeifen werden ausgebaut. So detailliert kennt nicht einmal Kantor Andreas Conrad dieses Instrument. Er freut sich, dass so eine große Helferschar gekommen ist. Friedhelm Werner spricht in diesem Zusammenhang von Heimatliebe. Auf der Empore nimmt er einen Pfeifensatz in Empfang.

Orgelbaumeister Lukas Ehlert von der beauftragten Firma Voigt in Bad Liebenwerda hat alle Register beschriftet. Schließlich müssen die Pfeifen nach Reinigung und Reparatur wieder genau an den vorgeschriebenen Ort kommen. Ist das ein Problem? „Nein, das ist ganz normale Arbeit – problematisch ist hier gar nichts“, sagt Ehlert. Sein Geselle Damian Schulze hockt im Gehäuse und baut die dortigen Pfeifen aus. Ab und an greift er zum Staubsauger. Das letzte Mal gereinigt wurde die Orgel in der Stadtkirche vor 20 Jahren. Der Dreck halte sich in Grenzen. Orgelbaumeister Ehlert bezeichnet ihn als „medium“.

Klang nach Zeitgeschmack

Der zweite Auszubildende, Lorenz Geisler, schaut im unteren Bereich nach den Reinigungsarbeiten und gibt den Freiwilligen Tipps. Etwa ein Viertel der Pfeifen muss auf Vordermann gebracht werden, ist vom Chef zu erfahren. Neun Register gehen mit nach Bad Liebenwerda. „Wir passen die Orgel klanglich dem Zeitgeschmack an“, erklärt Ehlert. Momentan ist er das dritte Mal in Schmalkalden. Die Orgelsanierung hat einen Vorlauf von anderthalb Jahren. Nach der Reinigung kommen einige Pfeifen sofort wieder in das Gehäuse. Die restlichen werden auf der Empore gelagert.

„Die Emporen sind ab sofort zu den Gottesdiensten gesperrt“, sagt Kantor Andreas Conrad und verweist auf eine Box an der Wand neben der Kanzel. „Ich habe eine gescheite Anlage besorgt“, sagt er weiter. Das dazu gehörende Keyboard steht schon im Altarbereich. Bei großen Gottesdiensten wird der Posaunenchor ab sofort auch von unten zu hören sein. Mit Platzproblemen rechne man nicht. Nur zu Anlässen wie der Konfirmation oder der Jubelkonfirmation müsse man etwas aufpassen.

Ein halbes Jahr lang werden die Gottesdienstbesucher die Orgel jetzt sicherlich vermissen. Der Einbau ist für September/Oktober vorgesehen. Spielbereit muss das Instrument Anfang Dezember zum Paulus-Oratorium unbedingt sein. „Wir proben schon“, erklärt Conrad. Natürlich soll die Inbesitznahme des sanierten Instrumentes in diesem Jahr auch gebührend gefeiert werden. Conrad spricht von einer Festwoche. „Ich habe schon drei Organisten angesprochen“, verrät er. Bis dahin aber ist noch etwas Zeit. Jetzt ist erst einmal die Orgelbaufirma an der Reihe.

Die Kosten für die Instandsetzung des Instrumentes belaufen sich auf etwa 240 000 Euro. Bei verschiedenen Benefizveranstaltungen in der Vergangenheit kam bereits ein guter Betrag an Spendengeldern zusammen, der durch die Stiftung Kirchenerhaltungsfonds verdoppelt wird. Nichtsdestotrotz fehlt noch Geld. Wer die Sanierung weiter unterstützen möchte, kann gerne die Patenschaft über einzelnen Pfeifen oder Register übernehmen.