Operation in Arnstadt Mit Darmschrittmacher zurück ins Leben

Jahrelang litt Kathleen Braun unter Stuhlinkontinenz – eine Darm-Schrittmacher-OP änderte alles. Nun lief sie 25 Kilometer für den guten Zweck.

Toralf Wolkersdörfer kontrolliert den Schrittmacher von Kathleen Braun. Foto: Isabel Schlote

Kathleen Braun hatte es versprochen. Nicht nur sich selbst, sondern auch Jan Hähnlein, dem Mitgründer des Heros-Spendenmarsch. Sie wollte die 25 Kilometer laufen, um Spenden für die NCL-Stiftung zu sammeln, wie die Ilm-Kreis-Kliniken berichten. Die Stiftung engagiere sich im Kampf gegen Kinderdemenz. Bisher hätte ihre Erkrankung genau das verhindert. Seit vielen Jahren habe sie unter Stuhlinkontinenz gelitten. Ein normales Leben sei für sie nicht denkbar gewesen.

Nach der Werbung weiterlesen

Kleines Gerät mit großer Wirkung

Hoffnung gab es für Kathleen Braun, als sie mit ihren Beschwerden zu Toralf Wolkersdörfer kam, teilen Ilm-Kreis-Kliniken mit. Der Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie der Ilm-Kreis-Kliniken habe sie über die sakrale Nervenstimulation mit Hilfe eines Schrittmachers aufgeklärt. „Einen Schrittmacher fürs Herz kennt jeder, aber einen Darmschrittmacher kennen die meisten nicht. Mir ging es da nicht anders“, erzähle Kathleen Braun rückblickend.

Im Februar habe sie den Schrittmacher eingesetzt bekommen. „Bei einem kleinen Eingriff platzieren wir den Schrittmacher im oberen Gesäßbereich. Eine feine Elektrode stimuliert dann wichtige Nerven des Beckenbodens und stellt quasi die Funktion des Schließmuskels wieder her. Bedienen lässt sich der Schrittmacher mit einem Handy. Per Knopfdruck kann die Patientin die Einstellungen kontrollieren und verändern“, erklärt Wolkersdörfer.

Kathleen Braun sei mit dem Ergebnis zufrieden: „Ich bin Doktor Wolkersdörfer für dieses neue Leben unendlich dankbar. Ohne die tolle Behandlung in den Ilm-Kreis-Kliniken wäre das alles nicht möglich gewesen. Ich komme aus Erfurt und bin dafür extra in die Klinik nach Arnstadt gekommen und würde es immer wieder so machen“.

25 Kilometer für ein neues Leben

Wenige Monate nach dem Eingriff war es im Juni endlich soweit. Kathleen Braun trat beim Heros-Spendenmarsch an, wie die Ilm-Kreis-Kliniken berichten. Der Lauf sei nicht ohne gewesen. Ab und an sei ihr nach Aufgeben gewesen. Doch sie habe durchgezogen und sei erschöpft, aber überglücklich nach 25 Kilometern ans Ziel angekommen.

Kathleen Braun (Mitte) mit dem Organisator des Spendemarsches Jahn Hähnlein (rechts). Foto: Isabel Schlote

„Ohne Darmschrittmacher wäre an den Heros nicht mal zu denken gewesen und mir ist es einfach wichtig, dass mehr darüber gesprochen wird. Vielleicht erfahren mit so einem Beitrag auch andere Betroffene davon und von der Chance auf ein relativ normales Leben“, sage Braun.

Inkontinenz bleibt laut den Ilm-Kreis-Kliniken bis heute ein Tabuthema. Laut Zahlen der Deutschen Kontinenz Gesellschaft würden etwa fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland darunter leiden.