Felix Weingartner (1863-1942) war als Kapellmeister ziemlich prominent, als er Anfang des 20. Jahrhunderts zum wiederholten Male seinem Librettisten- und Komponisten-Ehrgeiz frönte. Auf der Grundlage der antiken Tragödie „Oresteia“ des griechischen Dichters Aischylos baute er sich seinen „Orestes“ zusammen. Ein Dreiteiler, der 1902 in Leipzig uraufgeführt wurde. Es beginnt mit „Agamemnon“ und dessen Ermordung nach seiner Rückkehr aus Troja. Im „Todtenopfer“ vollzieht Orestes den Rachemord an seiner Mutter Klytaimnestra und deren Liebhaber Aigisthos. Schließlich werden in den „Erinyen“ die Folgen, die das für Orestes hat, verhandelt. Der kommt nicht nur straffrei mit dem Leben davon, sondern etabliert (mit Hilfe von Pallas Athene) gleich noch die patriarchalische Werteordnung und die Keimzellen von Demokratie und Recht. Unter dem war es bei den alten Griechen (und den neuen Deutschen im Kaiserreich) nicht zu haben.
Oper Erfurt Mord und Totschlag – ganz in Familie
Joachim Lange 03.06.2023 - 16:15 Uhr