Online-Lesung Landolf Scherzer liest – und jeder kann dabei sein

Landolf Scherzer liest Daniel Eberts Suhler Fernsehzimmer. Foto: FW/frankphoto.de

Diese Buchlesung ist nicht nur eine Premiere für Landolf Scherzer, sondern auch für unsere Zeitung: Erstmals schicken wir eine vorproduzierte Lesung als Video-Stream über unseren digitalen Kanäle zu unseren Leserinnen und Lesern nach Hause.

Suhl - Durch die aktuellen Corona-Regeln ist der Kulturbetrieb bekanntlich eingestellt. Begegnungen mit dem Publikum sind für viele Künstler, für Schriftsteller, Musiker, Schauspieler oder Sänger ausgeschlossen. Nicht nur wir in den Redaktionen unserer Zeitung spüren diese Lücke, wir wissen auch von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wie sehr Sie gerade in der Adventszeit Ausstellungen, Kunstmärkte, das Weihnachtsmärchen im Theater, Konzerte in Kirchen oder Buchlesungen vermissen. So merkwürdig das klingt: Es ist gut, solche Verluste zu empfinden, denn sie verdeutlichen, wie wichtig Kultur für uns ist.

Man kann trotz allem etwas tun. Findig sind wir hierzulande ja schon immer gewesen. Und so wagt unsere Zeitung ein Experiment, bei dem wir hoffen, möglichst vielen Menschen einen unterhaltsamen Nachmittag am dritten Advent zu bescheren. Gemeinsam mit dem Verein Provinzkultur – der in diesem Jahr eigentlich zwei „richtige“ Lesungen vor Publikum mit Landolf Scherzer geplant hatte, diese aber absagen musste – sowie dem Suhler Entertainer Daniel Ebert und Rennsteig-TV möchten wir Sie mit unserer ersten Online-Lesung überraschen.

Überraschung am 3. Advent

Das geht allerdings nicht live, aber mit vorproduziertem Video-Stream. Und so trafen sich dieser Tage Landolf Scherzer und Hendrik Neukirchner, der Moderator der Sendung, in Daniel Eberts Suhler Fernsehzimmer und zeichneten die Lesung in einem mehrstündigen Produktions-Marathon auf. Scherzer plaudert dabei natürlich auch ein wenig mit dem Chef des Provinzkultur-Vereins, zur Lesung hat er Texte aus gleich sechs seiner Bücher ausgesucht – zwei davon sind übrigens noch gar nicht gedruckt erschienen. Und so ist diese erste Online-Lesung zugleich eine kleine Premiere – oder besser, eine Überraschung für alle Zuschauer und Zuhörer.

Im Gespräch erzählt Scherzer unter anderem, was er auf seinen Wunschzettel an den Weihnachtsmann schreiben würde. Er spricht über das Wirtschaftsembargo gegen Kuba und darüber, dass kubanische Ärzte trotz der seit Jahrzehnten andauernden Sanktionen weltweit helfen, wenn es darum geht, medizinische Krisen zu bekämpfen. Auch Griechenland und die Ukraine sind Themen der Lesung. Eine anrührende Geschichte aus Tschernobyl und eine traurige, erschütternde Beschreibung aus Mosambik erinnern gerade in der Vorweihnachtszeit daran, dass nicht nur wir mit dem Corona-Virus kämpfen, sondern die Menschen an anderen Ecken der Welt noch mit ganz anderen Problemen.

Einen ersten Eindruck können wir schon einmal quasi zur Vorfreude mitteilen: Landolf Scherzer versteht es auch im Fernsehzimmer, ohne Publikum vor der Nase, mit seinen Reportagen zu fesseln. Es geht um Frieden und Krieg, Glück, Freiheit, Verzicht, Liebe, Armut und immer wieder auch um Hoffnung. Es geht um einfache Menschen – jene also, die nicht im Licht der Zeit stehen. Der Autor versucht wie immer mit seinen Texten, den Vergessenen, den Unsichtbaren, den Stillen eine Stimme zu geben. Und er tut dies auch vor der Kamera mitunter so, wie man es von ihm gewohnt ist: Mit seinem blauen Pullover, dem Markenzeichen seiner Lesungen, und im Stehen.

Neuerscheinung 2021 „Weltraum der Provinzen“

Ganz am Ende liest Landolf Scherzer aus seinem neuen Manuskript über die Krim, ein heikles Unterfangen für den Suhler Schriftsteller, den es in den Jahren seines Schaffens immer wieder in den Osten, in die Republiken des einstigen sowjetischen Riesenreichs, zog. Die Menschen dort haben ihn nie losgelassen. Und er liest aus einer Biografie über ihn selbst, die der Aufbau-Verlag im März 2021 herausgeben wird. Vorgestellt wird sie auf der Leipziger Buchmesse im Mai. „Weltraum der Provinzen“ heißt dieses Buch – und es könnte wohl keinen besseren Titel dafür geben.

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