Online-Karneval in Oberweid Samt Prinzenkuss mit Angie I.

Die Oberweider Narren verlegten ihren Karneval am Samstag ins Netz. Mit viel Aufwand – und viel Erfolg. Das neue Prinzenpaar ist ein nie dagewesenes: Puppen von Angie I. (Merkel) und Christian I. (Drosten).

Das Prinzenpaar Foto: Bildschirmfoto privat

Oberweid - „Ein Narr schläft nicht zur 5. Jahreszeit“, verkündete Toni Schulz am Samstagabend. Aber nicht, wie sonst zum Beginn einer Veranstaltung im Saal des Dorfgemeinschaftshauses. Der Präsident des Oberweider Carnevalsclub (OCC) meldete sich diesmal per Video-Botschaft übers den Youtube-Kanal des OCC zu Wort – im Vorfeld hatten die Karnevalisten aus Oberweid schon deutlich gemacht, dass sie sich strikt an alle bestehenden Einschränkungen halten und alle dazu aufgerufen, Gleiches zu tun.

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Ein Hauch von närrischer Stimmung lag dennoch über dem Ort – denn einfach vergessen wollten die OCC-Aktiven die 5. Jahreszeit nicht – normalerweise hätten an diesem Wochenende zur 67. Saison Fremden- und Prunksitzung, Kinderkarneval und Festumzug in Oberweid stattgefunden.

Schon im November zum Saisonstart hatten sich die Oberweider über ein „Corona-Hilfspaket“, freuen dürfen, bestehend unter anderem aus OCC-Tasse und Taschenrutscher.

„Abstand vom Karneval nehmen wir nicht“, betonte der Präsident nun in Anspielung auf die bestehenden Abstands- und Hygieneregeln. „Was macht der Narr – er geht ganz einfach andere Wege.“ Für 19.11 Uhr waren am Samstag alle Einwohner aufgerufen, aus Fenstern und Türen heraus die OCC-Hymne „In Oberweid ist Trolltag“ zu singen. Und tatsächlich schallte zur angegebenen Zeit an mehreren Stellen Gesang durch die Straßen, verbunden mit dem Schlachtruf „Alles hinein!“.

Weiter ging es am Samstagabend für viele Oberweider vor den Fernseh-Bildschirmen und PC-Monitoren um 20.11 Uhr – dort feierte der 1. Online-Karneval Premiere. Verbunden gleich mit der Hoffnung, dass dies eine einmalige Sache bleiben möge. Viel Mühe hatten sich die Macher der Aufzeichnung „OCC-Online“ gemacht – fast alles, was sonst auf dem realen Programmzettel stand, wurde auch diesmal, zumindest in Anklängen, gezeigt.

„Nun ihr Narren, lasst euch sagen, tut auch diese Zeit mit viel Humor ertragen“, appellierte der Präsident, der im Video allein im leeren Saal in der Bütt stand, an alle Oberweider. „So wollen wir den Karneval zu euch bringen, vergesst niemals Frohsinn, Tanzen und Singen.“

Das Prinzenpaar der vorangegangenen Saison, Prinzessin Johanna I. und Prinz David I., verabschiedete sich auf der Bühne – mit Maske – vom närrischen Volk und legte Krone und Zepter nach einem Schluss- und Dankeswort nieder.

Anschließend stand die Krönung des neuen Prinzenpaars an: Hier hatte es im Vorfeld viel Rätselraten gegeben. Die Narren nahmen die derzeitige Situation aufs Korn und stellten Prinzessin Angie I. vom Kanzleramt und Prinz Christian I. vom Institut vor – in Form zweier Puppen und in Anspielung auf die Bundeskanzlerin und den Chefvirologen, welche das Pandemie-Geschehen in der Öffentlichkeit so prägten. Selbst der Prinzenkuss fehlte übrigens nicht.

Immer wieder wurden auch musikalische Beiträge eingespielt, sodass die Zuschauer zu Hause auf dem Sofa oder vor dem Computer oder Laptop fröhlich mitsingen und -schunkeln konnten.

Das beliebte Prinzenpaar-Tippspiel fand im Vorfeld auch diesmal statt – kein Teilnehmer lag allerdings richtig. Dennoch wurden zur Sendung Preise ausgelost und die Gewinner durch den frischgebackenen Ex-Prinzen bekanntgegeben.

Es folgte eine Ansprache des Präsidenten, der neben Frohsinn diesmal auch Zuversicht und Hoffnung weitergab. „Bis bald in der Narrhalla und bleibt schön gesund. Danke für eure Treue.“

Ein bunter Zusammenschnitt mit den Höhepunkten der vergangenen Saison folgte – vom Nachtumzug mit leuchtenden Bildern über Fremden- und Prunksitzung mit Jens May von Antenne Thüringen als Gast bis hin zum Festumzug am Sonntag durch die Straßen der Rhöngemeinde. Bis zu 200 Zuschauer waren zeitweise online und honorierten damit die Anstrengungen der Karnevalisten: „Ob online oder bei uns im Saal, der OCC ist multikanal, denn machen wir nichts, das wäre fatal.“