Olympiaempfang Masken und Medaillen

Ein Saal voller Weltklasse-Athleten: Beim Olympiaempfang am Mittwochnachmittag in Oberhof haben sich die Sport-Stars die Klinke in die Hand gegeben.

Oberhof - Das gibt es auch nicht alle Tage am Rennsteig: Strahlender Sonnenschein bei 4 Grad plus, kein einziges Wölkchen am Himmel – ein Wetter wie bestellt zum Empfang der Olympiastarter aus dem Freistaat am Mittwochnachmittag im Lotto-Thüringen-Haus am Oberhofer Eiskanal. „Wir verneigen uns vor Ihnen“, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow als Gastgeber in Richtung der Sportlerinnen und Sportler, die bis auf den im Urlaub weilenden Skeleton-Olympiasieger Christopher Grotheer sowie Juliane Seyfarth (Skispringen), David Zobel (Biathlon) und Toni Eggert (Rennrodeln) in Mannschaftsstärke angetreten waren. „Es waren so viele Fragen offen: Wird das wegen Corona überhaupt was mit den Olympischen Spielen? Wie kann ich verhindern, dass ich mich auf den letzten Metern vor der Abreise noch anstecke? Da mussten auch die Familien viele Einschränkungen mittragen. Deshalb: Hut ab – vor allem, wenn man trotz dieser Mehrfachbelastung dann auch noch Bestleistungen abrufen kann.“

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Einen nachdenklichen Moment gab es, als Ramelow von seinen Erfahrungen in den Sozialen Medien berichtete: „Ich habe über Twitter und Facebook unseren Thüringer Medaillengewinnern gratuliert. Was da an Kommentaren zurückkam, hat mich teilweise traurig gemacht. Da wurde gefragt, wie ich jemanden ehren könne, der ausgerechnet in China Medaillen holt? Da sage ich ganz klar: Man kann den Austragungsort doch nicht den Sportlerinnen und Sportlern anhängen, sondern einzig und allein denjenigen, die entschieden haben, dass die Spiele in China stattfinden.“

Danach wurde die Stimmung wieder lockerer. Im Minutentakt rauschte Applaus durch den Saal, denn es folgte die Ehrung der Sportlerinnen und Sportler, die Thüringen bei den Spielen vertreten haben. 14 waren es insgesamt – und sie brachten viermal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze mit nach Hause. Blumen, ein gerahmtes Foto mit olympischen Momenten sowie die Playmobil-Sonderedition für die Biathlon- und Rennrodel-WM 2023 in Oberhof wurden überreicht, dazu führte MDR-Moderatorin Stefanie Behnke launige Interviews. So berichtete Eisschnelllauf-Ass Patrick Beckert, dass er sich in China zwei Wochen lang quasi nur von Reis und Nudeln ernährt habe. „Aber ganz ehrlich: Das mache ich zu Hause manchmal auch“, berichtete der Erfurter Langstreckenspezialist, der zum vierten Mal bei Olympischen Spielen am Start war. Mariama Jamanka, Zweierbob-Olympiasiegerin von 2018 und Silbermedaillengewinnerin von Peking, gab einen Einblick in die Arbeit mit ihrer neuen Anschieberin Alexandra Burghardt aus Burghausen in Bayern, die eigentlich Leichtathletin ist und vier Monate vor Olympia-Beginn zum ersten Mal überhaupt in einem Bob saß: „Alex hat in kurzer Zeit unglaublich viel lernen müssen. Aber sie hat ihren Job sehr gut gemacht und wir sind mit Zweier-Ergebnis unfassbar zufrieden.“ Ob das Rennen in China das letzte in ihrer Karriere war, ließ die aus Berlin stammende Wahl-Oberhoferin offen: „Ich gehe jetzt erstmal in den Urlaub und dann gucke ich, was ich mache.“

Nach dem offiziellen Teil war die Zeit für geräuchertes Forellenfilet, Omelett mit Früchten, Thüringer Spezialitäten vom Grill und viele Gespräche gekommen – Letzteres geschah zwar coronakonform mit Maske, aber dennoch intensiv. Auch Biathlon-Legende Frank Ullrich, inzwischen Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, mischte sich unter die Gäste – ebenso wie Rennrodlerin Dajana Eitberger. Die Ilmenauerin hatte die Peking-Qualifikation verpasst. Doch den Besuch beim Olympiaempfang, den wollte sie sich trotzdem nicht nehmen lassen.