Oldtimertreffen Tiefster Osten

Annett Recknagel

Um die 200 historische Fahrzeuge fanden am Tag der Deutschen Einheit den Weg nach Struth-Helmershof, wo ein markenoffenes Treffen stattfand.

„Ich habe die Nacht nicht geschlafen, bis 1 Uhr Pokale gebaut und früh hat’s dann geregnet.“ Danny Gratz war vor dem markenoffenen Treffen in Struth-Helmershof schon etwas aufgekratzt. Als sich das Wetter beruhigte und eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn dann die ersten Fahrzeuge eintrafen, legte sich seine Anspannung. Um die Mittagszeit war der Cheforganisator des Treffens mit der Überschrift „Tiefster Osten“ dann tiefenentspannt. Noch eine Stunde später konnte er lachen und machte sich mit Vincent Falk daran, die Fahrzeuge zu bewerten. Das war gar nicht so einfach. Denn: Etliche seltene Stücke gab es zu sehen. Und da fiel die Wahl schon sehr schwer. Am Ende aber sollte jedes Fahrzeug einen Pokal bekommen. „Damit jeder was hat“, meinte Gratz. Auf seinem schwarzen Sweat-Shirt stand „tiefster Osten“. Seine 30 Helfer trugen blaue Shirts mit der gleichen Aufschrift – darunter stand Brigade und die wurde bei dem Andrang auch gebraucht. Gratz führt die markenoffenen Treffen in Struth-Helmershof seit 2019 durch. Schon zum dritten Mal nutzte man den Platz unterhalb des Schwimmbades, inklusive der Wiese. Am Tag der Deutschen Einheit herrschte dort Trubel.

Liebhaberstücke

Zuerst fielen freilich die vielen großen Karossen ins Auge. Franz Fleischmann war mit einem Kirovets K-700 aus Bermbach gekommen. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Koloss von sieben Metern Länge und drei Metern Breite. Die Räder messen 1,60 Meter. Das Fahrzeug ist zwölf Tonnen schwer und hat das Lenkrad auf der rechten Seite. Ursprünglich wurden diese Vehikel gebaut, um Raketen zu transportieren. Zu DDR-Zeiten setzte man sie in der Landwirtschaft ein. Auch die Familie von Franz Fleischmann hat einen landwirtschaftlichen Betrieb. Der Kirovets ist ein Liebhaberstück und steht die meiste Zeit in einer Halle. „2018 sind wir zum Schleppertreffen nach Gotha gefahren“, erinnerte sich Fleischmann. Das sei nicht so leicht gewesen, habe aber Spaß gemacht. „Im Ostblock sind diese Fahrzeuge schon Kult“, meinte er.

Nicht ganz so groß, aber auch beachtlich, ist der Mercedes 1017 von Steffi und Christian Hess. In der Länge toppte es den Kirovets um drei Meter. Allerdings bringt der Mercedes nur zehn Tonnen auf die Waage. „Es ist ein alter Einsatzwagen der Bundespolizei“, weiß Steffi Hess. Ihr Bruder und ihr Mann bauten das Fahrzeug um. Jüngst gingen Steffi und Christian Hess damit auf Reisen. Ein Hingucker zum Treffen war er allemal. Ebenso wie der Lincoln Z4, Baujahr 1940 aus den USA. „Seine zwölf Zylinder sind das Highlight“, erklärte André Rückert aus Kühndorf, der damit auch Hochzeitsfahrten anbietet. Das Auto selbst wird von Frühjahr bis zum Herbst bewegt und fährt locker 110 Kilometer pro Stunde. Sein Vater Horst Rückert war zum Treffen übrigens mit einem Ford Thunderbird gekommen, der flach und extrem lang ist und mit dem sich das Einparken nicht ganz so einfach gestaltet.

Die Reihe der „Exoten“ setzte sich mit dem Erfurter Jens Friedrich fort. Er ist ein bekennender Simson-Fan und zeigte seinen Simson Star, den er auf Habicht Optik umgebaut hat. Drei Jahre werkelte er daran. Insgesamt stecken 1800 Arbeitsstunden in dem Zweirad. Gebaut hat er es nur für Treffen, quasi zur Show. Und das kam in Struth-Helmershof natürlich sehr gut an. „Ich habe gerne was, was andere nicht besitzen“, meinte der Erfurter Karosseriebauer.

An dem besagten Simson hat er so ziemlich alles umgebaut. „Und wenn nicht, dann ist es lackiert oder vergoldet“, erklärte er. Für den Scheinwerfer beispielsweise verwendete er den Boden einer Weinflasche, das Standlicht ist der Boden eines Gläschens für Babynahrung. Und beim genaueren Hinschauen entdeckt man überall am Moped umfunktionierte Schraubenschlüssel. Friedrich war bereits das zweite Mal in Struth-Helmershof. Ebenso wie etliche andere Freaks. Aus Bad Frankenhausen kamen acht Fahrzeuge, aus Gotha gleich 22. Die Schar der Trabis war beachtlich. „Das Treffen ist offen, egal, was kommt, das darf“, meinte Danny Gratz. Seinen Helfern und ihm kam es darauf an, dass „die Leute was zu gucken haben und sich austauschen können.“

Er selbst fährt einen Trabant Kübel und ist damit mindestens zu zehn Treffen im Jahr unterwegs. Ab und an fährt er damit auch schon mal 800 Kilometer am Stück. Rausgeholt wird der Trabant Kübel an den Wochenenden. „Er muss gefahren werden“, so Gratz.

Unterm Strich waren seine Crew und er mit der Veranstaltung höchst zufrieden. „Wir hatten Spaß dran und wollten den Leuten halt was anderes als Fußball bieten“, meinte er.

 

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