Oldtimertreffen in Föritztal Das schnellste Auto der DDR

Die Ingenieure der DDR hatten es drauf: Wenn man sie ließ, konnten sie auch schnittige Straßenrennwagen bauen. Ein Wartburg-Melkus war nun in Neuhaus-Schierschnitz (Landkreis Sonneberg) bei einem Oldtimertreffen zu sehen – mit Flügeltüren und einer Spitzengeschwindigkeit von 160 bis 200 Stundenkilometern. 101 Exemplare wurden in den 1970er- Jahren gebaut.

Neuhaus-Schierschnitz - Die zweite Auflage des Föritztaler Herbstfestes der Oldtimerfreunde fand am Wochenende auf dem Festplatz neben dem Schwimmbad statt. Die Veranstaltung wurde von einem Organisationsteam um Cheforganisator Norbert Saalfeld, Rene Gundermann, Markus Standke und Andreas Weinert, unter der Schirmherrschaft des ORC Thüringens mit Sitz in Saalfeld, und des örtlichen Oldtimerstammtisches schon seit Wochen vorbereitet.

Hilfreich zur Seite standen Feuerwehr und Feuerwehrverein Neuhaus-Schierschnitz sowie zahlreiche Helfer, darunter einige Jugendliche. Von Freitag bis Samstag war jede Menge, unter Einhaltung der geltenden Coronaregeln, geboten.

Die ersten Oldies rückten im Laufe des Freitags an, vom DDR-Moped, über Autos, Nutz- und Feuerwehrfahrzeuge mit Zubehör bis hin zu Traktoren mit Anhängern oder schön hergerichtete Bauwagen, wie der vom Rotheuler Markus Kott.

Die Vielfalt war enorm. So brachte einer der Organisatoren, Markus Standke, eine Kollektion DDR-Fahrräder der Marke Mifa ein und desselben Jahrgangs in der Farbe blau mit. Vom Mädchen- und Knabenrad über Damen- und Herrenrad bis hin zum Klappfahrrad war alles dabei.

Markus Standke aus Oerlsdorf hatte aber noch mehr dabei. Ein Robur LD, ein Robur LO und ein Barkas-Pritschenwagen gehörten ebenso dazu. Besonderer Hingucker war Markus’ neustes „Baby“, ein Rennwagen Wartburg-Melkus RS 1000.

Von diesem Fahrzeug baute man von 1969 bis 1979 101 Exemplare unter Leitung des legendären Dresdner Rennfahrers Heinz Melkus. Das RS im Namen steht für Rennsportwagen. Markus Standke fuhr damit erfolgreich auf dem Hockenheimring in der GLP pro Rennserie mit und belegte den ersten Platz.

Unweit des Eingangs traf man Ralf Grünewald, Rene Gundermann und Henry Wittmann, die mit Steffen Eichhorn neben seinem Trabant Kübel, Baujahr 1981, standen und fachsimpelten. Steffen Eichhorn kaufte den Trabi letztes Jahr und musste nichts restaurieren. „Tanken, einsteigen, fahren und los geht’s“, so hat er keine Langeweile. Schlenderte man über den Platz gab es weitere Hingucker, wie Heiko Wirths Robur LO 2002, Baujahr 1978, der als Holztransporter diente und komplett erneuert wurde.

Zu seinen ausgestellten Fahrzeugen gehörte auch ein Garant K 30, Baujahr 1958 und ein Trabant 601, Baujahr 1968. Seine Sammelleidenschaft besteht seit mehr als zehn Jahren und er steckt viel Geld in dieses Hobby, wie er selbst sagte. Aber es ist ein sehr schönes Hobby, das er nicht missen möchte.

Nick Eichhorn, ein junger Mann aus Neuhaus-Schierschnitz, baute einen Star als Showmoped für Simson-Treffen komplett neu auf. Das 25- PS-Fahrzeug kann sich durch sein ausgefallenes Design sehen lassen und aus dem einstigen Schrottmoped ist eine außergewöhnliche Maschine geworden. Heiko Jakob aus Neuhaus-Schierschnitz und Schwiegersohn Phillip Müller punkteten mit einem hellblauen Multicar M 22, Baujahr 1972. Auf ihm befanden sich ein Hercules-Mofa, Baujahr 1979 und eine Simson SR 2, Baujahr 1959.

An der Simson baut Heiko Jakob immer mal nach Lust und Laune herum, es ist ein Langzeitprojekt, wie er sagt und die Fahrbereitschaft soll demnächst hergestellt werden. Gekauft hat er sie schon 1993. „Gut Ding will Weile haben“, so seine Devise.

Auch Familie Hynek aus Schalkau war wieder nach Neuhaus-Schierschnitz gekommen. Blickfang ist der seltene Trabant Kombi 1.1, Baujahr 1989. Diesen bekamen Hyneks nach der Wende aus Suhl. Bezogen wurde er aus Ungarn, da es in Deutschland keinen solchen Kombi gab. Die Ursprungsfarbe war orange-beige, jetzt erstrahlt er in einem hübschen Grün. Passend dazu der Anhänger, der aus einer rumstehenden Karosse nach langer Überlegung und Gesprächen mit dem TÜV gebaut und entsprechend eingekürzt wurde.

Aber ebenso Modellautos hatten die Hyneks, wie im Vorjahr auch, im Gepäck. Neben vielen interessierten Oldtimerfans, kam Landtagsabgeordnete Beate Meissner (CDU) mit der hellgrünen aufgehübschten Schwalbe zum Treff. Zu Fuß war Bundestagskandidat Frank Ullrich (SPD) unterwegs. Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen (CDU) machte Halt bei Karl-Friedrich Schindhelm, der mit einer Jawa, vor Ort war. Diese bekam er aus Österreich, denn eine solche Jawa durfte, bedingt durch einen Export-Stopp im Zusammenhang mit dem Prager Frühling im Jahr 1968, nicht in die DDR ausgeliefert werden.

Zu Karl-Friedrichs privaten Fuhrpark gehört ein Mofa S1 und eine SR2. Bürgermeister Andreas Meusel (CDU) kam zu einer Stippvisite mit seinem Enkelkind vorbei. Zu sehen war auch ein VW Golf L1, einer von 10 000, die in die DDR exportiert wurden.

Neben vielen Ständen stach einer besonders hervor. Bei „Pinstriping by Country Earl“, kam der Pinsel unter anderem auf einem Simson Star zum Einsatz. Die Oldieausstellung bot viele schöne Fahrzeuge, die Begeisterung unter den Gästen war groß.

Einen zünftigen Frühschoppen mit Blasmusikern, die Musikfreund Dieter Jakob organisierte, sorgten für prächtige Stimmung. Aber auch die Band „Vol. Bier“ und Entertainer DJ Carsten Kirsch unterhielten die Gäste vom Feinsten.

Die von Carsten Kirsch selbst geschriebene Oldtimerhymne ist mittlerweile ein Kultlied und darf auf Treffen nicht fehlen. Hauptorganisator Norbert Saalfeld bedankt sich bei allen fleißigen Helfern, die zum Erfolg dieses Events beitrugen. Eine herausragende Veranstaltung im Unterländer Kulturkalender, die im kommenden Jahr hoffentlich coronafrei in der dritten Auflage stattfindet.

Der Wartburg-Melkus

Der Firmengründer Heinz Melkus führte von 1955 bis 1990 die Heinz Melkus KG, einen Fahrschulbetrieb mit angeschlossenem Sportwagenbau. Im Werkstattbetrieb konstruierte und fertigte Heinz Melkus eigene Renn- und Sportwagen und setzte sie bei internationalen Motorsportveranstaltungen ein.1969 wurde mit dem Melkus RS 1000 ein straßenzugelassenes Modell präsentiert, der einzige Sportwagen der DDR. Der RS 1000 war ein straßentauglicher Mittelmotorsportwagen auf Basis des Wartburg 353. Von diesem Modell entstanden 101 Exemplare bis zur Produktionseinstellung im Jahr 1980. Es gab eine Straßen- und eine Rennversion. Die Straßenversion schaffte 160 Stundenkilometer, die Rennversion bis zu 200 Stundenkilometern – angetrieben von einem Zweitaktmotor mit 70 bis 90 PS.

 

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