Die Streckenführung der 28. ADAC-Oldtimerfahrt Hessen-Thüringen glich einer gemütlichen Achterbahn. Erst führte der Weg von Fulda über Tann in die kargen Berge der thüringischen Rhön, dann rollten die Oldtimer in das schöne Tal von Meiningen. Später sollte ihr Weg am Freitagnachmittag noch einmal hoch hinaus – zur Wasserkuppe – führen, bevor es wieder zurück nach Fulda ging. Mehrere Gleichmäßigkeitsprüfungen waren bei der Oldtimerfahrt zu absolvieren, die der ADAC Hessen-Thüringen veranstaltete. Zum Beispiel auf der Strecke von Träbes nach Stepfershausen. Hier mussten die betagten Fahrzeuge in 197 Sekunden eine Distanz von 2150 Metern bewältigen. Gar nicht so einfach, das auf ein Hundertstel hinzubekommen. Wer über oder unter der Zeit lag, der bekam Strafpunkte. Sieger wurde, wer davon die wenigsten hatte. Doch das war nicht allein das Ziel der Fahrt. Den meisten der Teilnehmer ging es um den Spaß beim Fahren durch die herrliche Landschaft, ging es um den Kontakt zu Gleichgesinnten und das Erlebnis, neue Städte kennenzulernen. So lenkte manch einer der Fahrer seinen Porsche, BMW, Mercedes, Corvette, Citroën, Austin oder Volvo erstmals in Meininger Gefilde. City-Manager Dirk Bradschetl drückte den Teilnehmer deshalb gleich einige Prospekte über die Theaterstadt in die Hand. „Wer Interesse hat, der kommt vielleicht gern wieder“, meinte er. Die Hoffnung schien nicht unbegründet, denn die Kulisse von Schloss Elisabethenburg, in dessen Innenhof die Rallyefahrer parken durften, und die Mittagspause in den „Schloss-Stuben“ sagte den meisten sichtlich zu. Selbst Bürgermeister Fabian Giesder nahm sich Zeit für die Gäste aus ganz Deutschland. Er fuhr sogar ein Stück mit in dem alten Opel Admiral, Startnummer 1, und zollte damit zugleich den freiwilligen Helfern des ADAC Anerkennung für ihren Einsatz. Zuvor schaute er sich wie viele andere Neugierige unter den parkenden Fahrzeugen um. Die größte Maschine des Tages hatte eine Corvette C3 an Bord. 5740 Kubikzentimeter Hubraum, 282 PS – das waren die Eckdaten des schwarzen Boliden mit dem Baujahr 1976. Fast zierlich wirkte dagegen der Seat 850 mit seinen 839 Kubik-Zentimeterchen und 34 PS unter der Haube von 1972. Fans alter automobiler Technik durften sich am Freitagmittag jedenfalls richtig satt sehen, an dem, was die ADAC-Oldtimerfahrt bot. Gegen 13.15 Uhr starteten die ersten der 84 Fahrzeuge aber schon wieder in Richtung Fulda. Darunter Heinz-Jürgen Blüm und Friedrich Blüm aus Jena im Austin-Healy, der als eines der ersten Oldtimer in Meiningen angekommen war. Schön gemütlich wollten beide auf dem zweiten Teil der Strecke fahren. „Der Spaß zählt doch“, waren sie sich einig. Das sahen auch Wolfgang Kerst und Norbert Hellmer so. Sie fuhren mit ihrem Citroën Koffermodell 11B, dem Gangsterauto, durch die Rhön. Für das Foto holten sie aber erst noch die hölzernen Attrappen ihrer Gewehre hervor, diese beiden Hobby-Gangster. 55 000 Kilometer sind sie bisher mit dem Auto gefahren, wie viele Kilometer die Tachonadel schon schrubben musste, das wissen sie nicht. Der Citroën ist Baujahr 1952 und hat noch eine 6-Volt-Anlage. Deshalb musste auch der CD-Player, aus dem das Gewehrfeuer während der Fahrt ertönt, umgerüstet werden. Wenn Teilnehmer dermaßen Spaß an der Tour haben, dann freut das ehrenamtliche Helfer wie Siegfried Krause. Er organisiert seit 1986 solche Oldtimerfahrten und lobte am Freitag die Unterstützung vom ADAC-Club Meiningen dafür.