Offene Denkmale Ein Tag, der wie ein Krimi klingt

KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz – unter diesem Titel findet am 11. September der Tag des offenen Denkmals auch in Suhl statt. Spurensuche und Beweisaufnahme erfolgen in den Kirchen Heinrichs, Mäbendorf, in der Hauptkirche sowie im Haus der Geschichte.

Für die Eröffnung in Zucker gegossen – das Haus der Geschichte. Was es aber wirklich ist und war, auch das wird am Denkmaltag zu erfahren sein. Foto:  

KulturSpur – was für ein Titel für einen Tag des offenen Denkmals! Vollständig heißt er „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“. Klingt ein wenig wie ein Krimi. Was Wunder, schließlich stecken reichlich Beweismittel in Bausubstanzen, die von vergangener Geschichte zeugen. Von deren Erbauern. Und deren Bewohnern. Gelingt es nicht, diese Beweise früheren Lebens und Arbeitens sicherzustellen, können alte Gebäude, die zu Denkmälern geworden sind, auch Opfer werden. Des Abrissbaggers beispielsweise.

Nach der Werbung weiterlesen

Der diesjährige Tag des offenen Denkmals geht auch in Suhl der Frage nach, welche Erkenntnisse und Beweise sich durch die Begutachtung der originalen Denkmalsubstanz gewinnen lassen und welche Spuren menschliches Handeln über die Jahrhunderte hinweg gezeichnet hat.

Ein solches Objekt, an dem sich die Spurensuche ganz gut bewerkstelligen lässt, ist unter anderem die Kirch St. Ulrich in Heinrichs, die als einziges Gotteshaus in Suhl gilt, das die Jahrhunderte seines Bestehens (die Kirche wurde zwischen 1452 und 1503 errichtet) unzerstört überstand. Zum Glück habe das Gotteshaus nach 1990 umfangreich saniert und so vorm Einsturz bewahrt werden können, sagt Stadtkonservator Uwe Jahn. „Wir freuen uns darauf, dass durch die Restauratorin Birgit Jünger die besonders spannende Restaurierung der Wandmalerei aus der Spätgotik im Chor dem Publikum vorgestellt wird.“ Es verspricht Spannung, wenn in Aussicht gestellt wird, dass dieser Restaurierungsfall rekapituliert werden kann. Hier ist die Spurensuche offenbar so gut geglückt, dass sich die, von unseren Altvorderen geschaffene Baukunst verstehen und an die nachfolgenden Generationen weitergeben lässt.

Auch die etwa 300 Jahre alte Kirche St. Ulrich in Mäbendorf soll ins Licht gerückt werden. Sie wurde gebaut, als ihre Vorgängerin wahrscheinlich zu klein wurde. Auch dieses Gotteshauses wurde an etlichen Stellen saniert. Aber die alte Dame braucht noch einiges, um sich am Leben halten zu können. Und da solche Arbeiten sehr teuer sind, wird es ein Konzert mit der Vokalgruppe „Cocktail a cappella“ am Tag des offenen Denkmals geben, nach dem der Erlös für die Sanierung, also quasi für die Spurensicherung, zur Verfügung gestellt wird.

Auch die Suhler Hauptkirche St. Marien wird erneut ins Rampenlicht der Ermittler geholt. Sie war schon des Öfteren beim Denkmaltag vertreten. Doch dieses Mal wird es Neuigkeiten geben. Und zwar zur Kirchen- und Baugeschichte. Den öffentlichen Bericht über die neue Spurenlage übernehmen die Kirchengemeinde sowie die Denkmalschutzbehörde. Sie gehören zu den Experten, die zum Denkmaltag am 11. September besondere Zeugnisse der Suhler Geschichte präsentieren. Zu denen zählt auch das erst im Mai dieses Jahres fertiggestellte Haus der Geschichte. „Da es zur Eröffnung sehr viel Interesse für das Haus gab, haben wir uns entschlossen, das Gebäude noch einmal für die Öffentlichkeit zu öffnen“, sagt Uwe Jahn. Es wird auch wieder Führungen geben (hierfür ist eine Anmeldung unter 03681/74 2207 erforderlich), die von Mitarbeiter des Waffenmuseums, des Stadtarchivs und der Abteilung Baudurchführung angeboten werden. Auch das mit dem Umbau beauftragte Architekturbüro Nitschke & Kollegen wird vertreten sein und Fragen neugieriger Besucher beantworten.

Selbst wenn die Waffenmagazine aus Sicherheitsgründen nicht besichtigt werden können, dürfte sich hier eine breite KulturSpur offenbaren. Schließlich ist das Portalgebäude, in dem sich heute Stadtarchiv und Magazin des Waffenmuseums befinden, einst mit dem Kulturhaus entstanden, das zum größten Teil abgerissen wurde, um schließlich nach vielen Jahren der politischen Debatten, Planänderungen und schließlich der Sanierung und des Umbaus Platz für das Haus der Geschichte zu machen.

Der Tag des offenen Denkmals ist also einmal mehr eine Einladung, sich auf (Kultur)Spurensuche zu begeben, um auf Geschichte und Geschichten zu stoßen, die so vielleicht noch nicht bekannt sind. Und die es wert sind, weiter erzählt zu werden.