Offene Ateliers Von Maschendraht-Hirschen, Ton-Leichen und Platinen-Engeln

Mit Kunst zum Anfassen und Anschauen, Künstlern in Plauderlaune und Leckereien im Grünen haben die Macher der Offenen Ateliers den Geschmack der Gäste getroffen.

Gernot Fritzsche produziert Leichen. Aber nicht mehr so häufig wie beispielsweise ein Lehrling. Wenn der Töpfermeister nicht zufrieden ist mit dem Ergebnis aus Ton, das sich da gerade auf seiner Drehscheibe bewegt, dann sei das eben eine Leiche, erklärt er. „Ich patsche alles zusammen und fange von vorn an“, so der Handwerker. Am Samstag präsentiert er allerdings gut Gelungenes aus Ton. Teller und Tassen, Schüsseln und Butterglocken stehen zum Kauf bereit. Damit aus dem Ton solche Unikate entstehen, muss er homogen sein, nicht zu weich und nicht zu hart, sagt er Experte.

Mit Ton arbeitet auch Karl-Heinz Gollhardt. Allerdings macht er daraus ganz andere Dinge. Er modifiziert den Werkstoff etwa mit Metalloxiden und fertigt daraus überwiegens Figuren. „Das Zwischenmenschliche interessiert mich“, sagt er. Und so unterhalte er sich gern mit besonderen Leuten, die ihnen einen ganzen Kosmos an Ideen für seine Arbeitern lieferten.

Karl-Heinz Gollhardt zeigt auf den Falkner, der sein Tier gen Himmel befördern will. Doch nicht der Falke, sondern sein Herr hat die Scheuklappen auf. Gegenüber steht ein Mann, nackt, wie viele der Figuren, der einen Napoleonhut trägt. Ein Gehabe, dass er bei vielen jungen Leuten beobachten könne. Von der Decke baumeln Engel, deren Flügel aus ausgedienten PC-Platinen oder rostigem Blech bestehen.

All seine Figuren kommen nackt daher. „Körper sind faszinierend“, sagt der Heinrichser Atelierbesitzer. Doch diese Offenheit habe schon so manchen Käufer in Schwierigkeiten gebracht. „Eine Frau hat der Figur einen Pullover gestrickt und immer, wenn schwieriger Besuch kam, hat sie sie angezogen“, verrät der Künstler.

Simson-Leidenschaft

Kurios ist der Hirsch, den Jens Gutberlet schon seit Längerem mit der Kamera begleitet. Das Tier hat sich mit dem Geweih einst im Maschendraht verfangen und trägt das Ergebnis dieser Auseinandersetzung nach wie vor auf dem Kopf. Doch nicht nur die Wildtiere in Christes faszinieren den Fotografen. Ein Themenkomplex dreht sich rund um Simson. „Es ist fabelhaft, was die jungen Leute aus der Simson rausholen“, schwärmt er.

Anstatt sie zu fotografieren, malt Gerhard Renner seine Modelle. Er hat eine Ansicht seines Wohnortes Schloss Bedheim mitgebracht. Daneben hängen etliche Bilder, auf denen Milchkrüge zu sehen sind, die so real wirken, als könne man sie aus dem Rahmen herausheben. „Mich hat mal jemand gefragt, ob das Weiße darauf Zahnpasta ist“, verrät Gerhard Renner. Er nutzt eine 500 Jahre alte Maltechnik, die auf Öl basiert. Doch seine Leidenschaft gehört dem Porträt. Erst letztens habe er einen 92-Jährigen gemalt. Fünfmal eine Stunde lang musste er dafür still sitzen. „Und das, wo doch heute niemand mehr Zeit und Geduld hat“, sagt er.

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