Oberstadt - Wer weiß schon, dass in Oberstadt im Jahr 1699 ein Genie geboren ist? Ja, so ist es! Mit Johann Georg von Langen erblickte im dortigen Wasserschloss der Sohn von Rittergutsbesitzer Johann Ludwig von Langen und dessen Ehefrau Anna Charlotte von Seebach das Licht der Welt - ein Kind, das später zum "Vater der geregelten Forstwirtschaft" werden sollte. Von Langens Lebensgeschichte fasziniert. Denn nicht nur in den Harz, nach Dänemark und Norwegen wurde er gerufen, um den Wald zu strukturieren, zu vermessen, einzurichten. Nein, seine Verdienste sind weit vielschichtiger. Wie vielschichtig, das haben Ramona und Silvio Schüler Stück für Stück erfahren. Die beiden haben sich irgendwann mit dem Von-Langen-Virus infiziert - und sind bis heute nicht davon losgekommen. Angefangen hatte alles damals im Kultur- und Heimatverein des Ortes. Dort trafen sie auf Revierförster Bernd Ehrling, der auch heute dieses Waldgebiet noch betreut. Und der, so erinnert sich Ramona Schüler, habe damals gesagt, er sei sehr stolz, dass er genau dieses Revier übertragen bekommen hatte. Warum? Weil Johann Georg von Langen hier seine Wurzeln hat. Sie kamen ins Gespräch und Ehrling erzählte von den Kontakten zu Von-Langen-Forscher Hermann Hebbel. "Anfang der 90er Jahre war dessen Sohn Wolfgang in Oberstadt und hat hier geforscht - im Auftrag seines Vaters", erzählt Ehrling. Auch sein Interesse war geweckt. Ein reger Briefverkehr mit Hermann Hebbel entstand. Ein dicker Ordner ist heute gefüllt mit den fein säuberlich geschriebenen Briefen, die einen Schatz an Informationen über Johann Georg von Langen enthalten. Von diesem Schatz erzählte Ehrling den Schülers. Ein Lächeln huscht über Ramona Schülers Gesicht: Ein Büchlein wurde weitergereicht - und das sorgte dafür, dass auch die Schülers Lunte gerochen haben. In Ramona Schülers Augen tanzen Fünkchen. Sie leuchten, wenn sie von alldem erzählt, was sie unternommen haben, um noch mehr über von Langen zu erfahren. "Wir haben mit Leuten gesprochen, sind an seine Wirkungsstätten gereist. Es war so spannend", erzählt die Oberstädterin. Ramona und Silvio Schüler wurden zu Forschern. Verrückt seien sie gewesen, sagen sie rückblickend. Eine Station nach der anderen sind sie abgefahren, waren in Blankenburg im Harz - in Dänemark, Norwegen. Ja, sie nahmen Johann Georg von Langen sogar mit in den Urlaub. Wie das? Indem sie auf seinen Spuren reisten . . . An Schloss Fredensburg, den Ort, an dem von Langen im Juli 1737 vom Dänischen König empfangen worden war, erinnert sich Ramona Schüler noch genau. "Und in Kopenhagen haben wir uns eine Plantage angeschaut und im Forstmuseum viel über ihn herausgefunden. In Skandinavien verehren ihn die Menschen. Dort ist er wie ein Gott."
Oberstadt Johann Georg von Langen: Auf den Spuren eines Genies
Katja Wollschläger 07.11.2019 - 19:44 Uhr