Oberhofer Familienhotel Auf der Suche nach neuen Familienmitgliedern

Im Haus des Gastes hat Martin Falk ein Büro bezogen. Der Personalchef der Familux-Hotelgruppe sucht hier nach neuen Mitarbeitern für das künftige Fünf-Sterne-Familienhotel in Oberhof. Nicht als Team, sondern als Familie versteht man sich da. Niedergeschrieben ist das in einer 50-seitigen Mitarbeiterbibel. Foto: frankphoto.de

Köche und Kellner, Kinderbetreuer und Fitnesstrainer, selbst Tischler und Imker werden als Mitarbeiter für das neue Familienhotel gesucht. Um die Bewerber kennenzulernen, hat Personalchef Martin Falk ein Büro in Oberhof bezogen.

Oberhof - Die Bibel liegt in der Schreibtischschublade parat. Es ist allerdings nicht das Buch, in dem das Alte und das Neue Testament niedergeschrieben sind. Die Familux-Hotelgruppe hat eine eigene Bibel aufgelegt. Auf 50 Seiten sind das Selbstbild des Unternehmens, die Grundlagen der Hotelführung und der Umgang mit den Mitarbeitern beschrieben. „Teams gibt es überall. Wir sehen uns als Familie“, nennt Personalchef Martin Falk einen wesentlichen Fakt.

Die Suche nach neuen Familienmitgliedern – oder Talenten, wie es in der Familux-Sprache heißt – hat ihn nun nach Oberhof geführt. Vor Kurzem hat er ein Büro im Haus des Gastes bezogen. Dort führt er die Bewerbungsgespräche. 170 Mitarbeiter, vom Auszubildenden über die Reinigungskraft bis zum Direktor, werden benötigt, um den Service im künftigen Fünf-Sterne-Haus abzusichern. Köche und Kinderbetreuer, Barchefs und Buchhalter, Mauerer und Sommeliers, selbst Tierpfleger und Imker werden gebraucht. Stellen für insgesamt 36 Berufe sind ausgeschrieben.

Erste Bewerbung im Jahr 2018

Die erste Bewerbung flatterte bereits im November 2018 auf seinen Schreibtisch, erinnert sich der Personalchef. Damals war gerade erst bekannt geworden, dass ein österreichischer Investor ein luxuriöses Familienressort in Oberhofs Mitte plant. „Wir haben uns für den Bewerber entschieden. Er übernimmt die Empfangsleitung im Grand Green“, sagt Martin Falk.

Auf die Stellenausschreibungen haben sich bis heute etwa 140 Interessierte gemeldet. 95 Prozent lebten in der Region, in einem Umkreis von etwa 50 Kilometern rund um Oberhof. „Genau das wollen wird. Wir suchen die besten Fachkräfte aus der Region“, betont Martin Falk.

Für die Bewerbungsgespräche nimmt sich der Familienvater, der in Friedrichroda zu Hause ist, viel Zeit. Mindestens 60 Minuten plant er pro Interessent ein. „Das hat etwas mit Wertschätzung zu tun“, sagt er. Die Leute bereiteten sich auf das Gespräch vor und würden dafür zum Teil Urlaub nehmen. Also hört er zu, stellt Fragen und versucht, sich von jedem einen persönlichen Eindruck zu verschaffen.

Denn nicht unbedingt die Qualifikation auf dem Papier, sondern die Freude im Umgang mit Menschen ist es, nach der der Personalchef Ausschau hält. „Das Fachliche können wir lehren, aber Freundlichkeit, soziale Kompetenz und den Willen, ein guter Gastgeber zu sein, nicht“, erklärt er. Daher seien nicht nur die 80 Prozent der Bewerber aus dem Hotel- und Gastronomiebereich willkommen, sondern auch die restlichen 20 Prozent, die sich als Quereinsteiger bewerben.

Der Spaß am Job stehe beispielsweise bei der Betreuung der jüngsten Gäste ganz oben auf der Liste der benötigten Qualifikationen. „Eine Oma, die Freude daran hat, Kindern den Wald vor der Haustür zu erklären, wäre genau richtig dafür“, nennt Martin Falk ein Beispiel. Für Studenten, Schüler oder Senioren, die sich etwas hinzuverdienen wollten, fände sich eine passende Teilzeit-Stelle im künftigen The Grand Green.

In bestimmten Bereichen des Hauses seien außerdem gute Deutschkenntnisse unerlässlich, um die kleinen und großen Gäste zu verstehen.

Vom Konzept überzeugt

Während sich viele Interessenten mit bestimmten Vorstellungen auf eine gezielt gewählte Stellen beworben hätten, lese er auch immer wieder Bewerbungen, in denen es heißt, dass man das Konzept des Hauses toll fände und einfach gern dabei wäre, schildert Martin Falk.

Die Stelle des Hotel-Direktor ist inzwischen besetzt, auch für die Abteilungsleiter hat Martin Falk geeignete Bewerber gefunden. Bis auf zwei Ausnahmen seien die neuen Mitarbeiter allesamt aus der Region, verrät er. Eine Bewerberin stammt von der Küste und ein Kollege werde aus einem anderen Familux-Hotel nach Oberhof versetzt. „Das geschieht auf eigenen Wunsch, weil seine Freundin in Coburg lebt“, erzählt der Personalchef.

„Die Häuptlinge haben wir gefunden, nun fehlen noch die Indianer“, sagt Martin Falk und lächelt. Während er einige Abteilungen bereits doppelt und dreifach mit Personal bestücken könnte, krankt es an anderen Stellen. Vor allem für die Küche fehlen nach wie vor Mitarbeiter. 30 Mann arbeiten in der Abteilung, nur fünf sind derzeit sicher dabei. „Der Beruf des Kochs ist von unserer Branche unattraktiv geredet worden“, bedauert er. Dabei brauche es wieder mehr junge Leute, die sich gegen ein Studium und für eine duale Ausbildung im Handwerk entschieden. Er selbst habe nicht einen Tag studiert. Wenn er nicht gerade für das neue Oberhofer Hotel Mitarbeiter suche, hat er die Personalsituation in allen drei, bald vier Familienhotels der Familux-Hotelgruppe im Blick.

Start mit 130 Leuten

Dass der Hotelstart im Sommer auch mit 130 statt den geplanten 170 Mitarbeitern gelingen wird, davon ist Martin Falk überzeugt. Doch wenn das Haus ausgebucht ist, müsse auch das Personal aufgestockt werden.

Um noch mehr Interessierte von dem Hotelkonzept zu begeisterten, setzen Martin Falk und seine Kollegen weiterhin auf die Recruiting-Tage. Dabei werden die Gäste über die Baustelle geführt und erfahren alles, was man als potenzieller Mitarbeiter wissen muss. Bewerbungsgespräche würden an diesem Tag nicht geführt, wer möchte, könne aber dennoch seine Unterlagen mitbringen. Die nächsten beiden Recruiting-Tage finden am 18. und 19. März statt.

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