„Das wird wie ein Novembertag in meiner Jugend“, kommentiert ein alter Kollege die Ankündigung von Sturmtief Elli, das Freitag über Deutschland gezogen ist. Er sollte recht behalten, wenn auch nicht ganz.
Elli ist am Thüringer Wald vorbeigeschrammt. Wie sieht es auf dem höchsten Punkt Thüringens aus, wie in Oberhof und wie im Flachland? Ein Überblick mit Webcams.
„Das wird wie ein Novembertag in meiner Jugend“, kommentiert ein alter Kollege die Ankündigung von Sturmtief Elli, das Freitag über Deutschland gezogen ist. Er sollte recht behalten, wenn auch nicht ganz.
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Die Winter im Thüringer Wald in den 1970er und 1980er Jahren waren deutlich heftiger als das vermeintlich dramatische Sturmtief vom 9. Januar 2026. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Südthüringen deutlich weniger betroffen war als andere Regionen der Republik. Glück gehabt und kein Grund für Großmäuligkeit.
Da die Bergbewohner in der „Autonomen Gebirgsrepublik Suhl“ sich noch an echte Winter erinnern, sind sie dem Tag mit der nötigen Gelassenheit und dennoch dem nötigen Respekt vor glatten Straßen begegnet.
„Autonome Gebirgsrepublik Suhl“ ist ein Scherzname aus DDR-Zeiten, als der Verwaltungsbezirk Suhl – das heutige Südthüringen vom südlichen Wartburgkreis, über Schmalkalden-Meiningen, Suhl, Hildburghausen und Sonneberg – durch den Gebirgszug des Rennsteigs vom Rest der Republik abgekoppelt war. Im Süden machte der Eiserne Vorhang dicht.
Wir haben von der warmen Stube aus die Webcams angesteuert, die auf www.thueringer-wald.com/webcams und www.bergfex.de alle möglichen privaten und öffentlichen Anbieter versammeln. Was konnten wir auf der Reise durch den Sturmtag erleben?
In Heubach (Landkreis Hildburghausen) vergnügten sich Einheimische und Urlauber in der Skiarea (www.skiarea-heubach.com) und hatten dabei offensichtlich kein bißchen Angst. Bereits am Vormittag hatte unser Portal gemeldet, dass Elli sich nicht besonders für den Landkreis Hildburghausen interessiert.
Entsprechend harmlos zeigt die Webcam die Kreisstadt Hildburghausen, die weit entfernt von Schneechaos oder Extremwinter ziemlich viel Schwarz und weniger Weiß zeigt (www.webcam-hildburghausen.de). Nicht viel anders sieht es in der einstigen Bezirkshauptstadt Suhl aus, die sonst nach Winterstürmen in meterhohen Schneebergen versinkt (www.monheim-net.de).
Nur ein paar Kilometer von Suhl entfernt liegt das Wintersportzentrum Oberhof. Hier konnte man die Biathleten im Stadion beobachten.
Am Fallbachhang stand der Lift jedoch still. Aber wenigstens scheint dort oben ordentlich Schnee zu liegen, der auch die kurze Warmfront überstehen wird (https://www.oberhof.de/Info-Service/Webcams).
Ein ähnlich weißes Bild bietet Masserberg im Landkreis Hildburghausen – ein Geheimtipp unter den Skigebieten im Thüringer Wald und nicht so überlaufen wie der Hotspot Oberhof. In Masserberg kann man auch während der Weltcups von Oberhof bequem seine Runden drehen (www.sport-masserberg.de).
Siegmundsburg an der Bundesstraße 281, die Eisfeld und Neuhaus am Rennweg verbindet, liegt wie Masserberg am Rennsteig. Hier befindet sich die Hintere Werra-Quelle und der Schnittpunkt der Wassereinzugsgebiete von Weser, Rhein und Elbe. Wenn der Schnee im Frühjahr taut, fließt er in die Nordsee. Ziemlich viel weiß ist am Freitag auf der Webcam um die Snow-Tubing-Anlage zu sehen sonneberg-tourismus.de).
Was macht die Glasbläserstadt Lauscha im Landkreis Sonneberg, wo der Weihnachtsmann zu Hause ist? Die Webcam hat ein paar Flocken auf der Scheibe, aber gut zu sehen ist, dass die Hausdächer schneebedeckt sind. Mit dem Frost auf den Tannezweigen sieht es aber auch hier mau aus. Elli war nicht wirklich in der Welterbe-Stadt, in der die Christbaumkugeln erfunden wurden (webcam-lauscha.de).
Fliegen wir zum Schluss noch einmal auf den höchsten begehbaren Punkt Thüringens, dorthin, wo Besucher mehr als 1000 Höhenmeter erklimmen können: auf den Schneekopf nach Gehlberg (Ortsteil von Suhl). Oh je – da oben hat Elli wohl tatsächlich vorbeigeschaut. Der Turm ist im Nebel- und Schneegestöber kaum auszumachen (www.thueringer-wald.com).
Der Schneekopf ist mit 978 Metern nach dem westlich benachbarten Großen Beerberg (983 Meter) – der dazwischen liegende Sattel Adler ist nur um 59,4 Meter niedriger als der Schneekopf – die zweithöchste Erhebung des Thüringer Waldes. Höchster Berg ist der Große Beerberg.
Auf der Gipfelregion des Großen Beerberges befindet sich eines der wenigen erhaltenen Regenmoore (Hochmoor) des Thüringer Waldes. Den höchsten Punkt des Beerberges zu betreten ist nicht erlaubt. Deshalb ist der Schneekopf der höchste begehbare Berg Thüringens.
In den 1990er Jahren gab es die Idee, den Berg im Zuge der Renaturierung auf 1000 Meter zu erhöhen (beispielsweise mit Aushub vom Autobahnbau der A 71). Damit wäre es der einzige Tausender in Thüringen gewesen und der Thüringer Wald wäre, wenn auch auf unnatürlichem Wege, zur Reihe der deutschen Mittelgebirge über 1000 Meter hinzugefügt worden.
Nach langen Diskussionen begann im September 2007 der Bau eines neuen Turms, dessen Spitze seit der Fertigstellung im Juni 2008 auf 1004,15 Metern liegt. Die Aussichtsplattform erreicht man über 126 Stufen und befindet sich dann auf 1001,1 Meter. Am 27. Juni 2018 wurde von einer Gehlberger Firma auf dem Berg ein Gipfelkreuz aufgestellt.