Oberhof Vier Verletzte bei Ammoniak-Unfall an Bobbahn

, aktualisiert am 08.10.2021 - 13:30 Uhr

Bei Vorbereitungen für das Training der Deutschen Bob-Nationalmannschaft in Oberhof ist an der Rennschlitten- und Bobbahn am Freitag giftiges Ammoniak ausgetreten. Bei dem Unfall mit dem stechend ätzend riechenden Gas sind vier Arbeiter an der  verletzt worden.

Oberhof - Weil er zu tief in die Ummantelung der Oberhofer Rennschlitten- und Bobbahn bohrte, hat der Handwerker einer Metallfirma am Freitagmorgen einen größeren Einsatz der Feuerwehr ausgelöst. Der Mann hatte im Zuge der Bauarbeiten an der Sportstätte mit der Bohrmaschine eine Ammoniakleitung getroffen, sagt der Oberhofer Stadtbrandmeister Daniel Fischer. Dabei trat das giftige Gas in Form einer Wolke aus. Ein Handwerker atmete das stark ätzende und übelriechende Gas direkt ein. Drei weitere Arbeiter, die in unmittelbarer Nähe standen, mussten ebenfalls vom herbeigerufenen Rettungsdienst behandelt werden. Per Helikopter wurde der Notarzt eingeflogen. Aufgrund des Nebels konnte der Hubschrauber aber nicht am Grenzadler landen, sondern flog in den Kanzlersgrund. Von dort aus wurde der Notarzt dann zu den Patienten an die Rennschlitten- und Bobbahn gefahren. Zwei Arbeiter wurden schließlich ins Suhler Krankenhaus und zwei nach Meiningen gebracht.

„Unsere Mitarbeiter haben schnell reagiert“, lobt der Sprecher der Zweckverbandes Thüringer Wintersportzentrum (TWZ), Ronny Knoll. Der TWZ ist Eigentümer der Sportanlage. Binnen einer Minute nach Austritt des Gases sei die Kühlanlage händisch ausgeschaltet worden. Entgegen erster Meldungen sei keine besonders große Menge ausgetreten, betont er. „Das Krisenmanagement hat super funktioniert“, sagt Ronny Knoll. Viele Übungen habe es im Vorfeld schon gegeben, um genau in solchen Fällen schnell eingreifen zu können. Der Unfall war im Mittelteil der rund 1,4 Kilometer langen Rennbahn passiert.

Auch die Kameraden der Oberhofer Feuerwehr waren schnell vor Ort. Sie sprühten den Ammoniaknebel mit Wasser ein und konnten so das giftige Gas binden, erläutert Daniel Fischer. Mit einem Messgerät untersuchten sie dann die Ammoniak-Konzentration in der Luft. „Direkt im Gefahrenbereich ist sie noch sehr hoch“, so der Oberhofer Stadtbrandmeister.  In der weiteren Umgebung – wie etwa dem angrenzenden Bikepark, auf dem am Wochenende ein großes Sportereignis stattfinden soll – bestehe keine Gefahr mehr. An der Unfallstelle verflüchtige sich das Gas selbstständig, sobald die Wetterlage aufklare, schildert Daniel Fischer. Mit drei Autos und 13 Kameraden war die Wehr vor Ort.

Ammoniak wird verwendet, um die Rennschlitten- und Bobbahn runterzukühlen und so startklar zu machen für die Wintersaison. Am Montag kommender Woche wollten die Sportler der Nationalmannschaft darauf ihre ersten Trainingsläufe absolvieren, sagt Ronny Knoll. Nun kann die Anlage erst einmal nicht in Betrieb genommen werden. Die Kühlfunkton bliebt so lange aus, bis das Leck abgedichtet ist. Also wird die Eisrinne wieder tauen. „Wir befinden uns dazu gerade in Absprache mit der sportlichen Leitung“, sagt der TWZ-Mitarbeiter.

Im Zuge der Sanierungsarbeiten an der Bahn sei auch an den Kühlmöglichkeiten gearbeitet worden. So müsse nicht mehr die gesamte Anlage vereist oder abgetaut werden. Inzwischen sei es möglich, einzelne Teilstücke zu- oder abzuschalten, schildert Ronny Knoll eine Neuerung. Für die Kufensportler, die sich am Montag ins Tal stürzen wollten, ist das allerdings keine Option, ihnen muss die komplette Streckelänge zur Verfügung stehen.

„Wir sind froh, dass der Unfall so glimpflich ausgegangen ist“, sagt der TWZ-Sprecher. Es sei ein menschlicher Fehler gewesen von einem Mitarbeiter einer Firma, die bis dato gute Arbeit geleistet hätte, betont er und wünscht den Verunglückten gute Besserung.

Zu dem Vorfall ermittelt jetzt die Polizei in Zusammenarbeit mit dem Amt für Arbeitsschutz und leitete ein Verfahren wegen der fährlässigen Körperverletzung gegen einen der Arbeiter ein, hieß es am Freitag von der Polizei.

Die insgesamt 1354,5 Meter lange Rennschlitten- und Bobbahn Oberhof ist Austragungsort internationaler Wettkämpfe im Rennrodeln, Skeleton und Bobsport sowie Trainingsstätte für Profis. 2023 sollen die Rennrodel-Weltmeisterschaften dort ausgetragen werden.

Gasförmiges Ammoniak kann vor allem über die Lunge aufgenommen werden. Dabei wirkt es durch Reaktion mit Feuchtigkeit ätzend auf die Schleimhäute. Auch die Augen werden durch die Einwirkung von Ammoniak geschädigt. Beim Einatmen hoher Konzentrationen besteht Lebensgefahr durch Schäden in den Atemwegen bis hin zum Atemstillstand.

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