Aufmunterung von der Ehefrau Nur ein Lichtblick bei den Biathlon-Männern

Die deutschen Männer enttäuschen am ersten WM-Wochenende bitter. Einzig die Leistung des Oberhofers Philipp Horn in der Verfolgung ist WM-würdig.

Geht doch: Nach vier Fahrkarten im Sprint bei zehn Schüssen trifft Philipp Horn in der Verfolgung 19 von 20 Scheiben. Foto: dpa/Martin Schutt

Als sich die Medaillengewinner des Verfolgungsrennens längst beglückwünscht hatten, bog Philipp Horn mit kräftigen Doppelstockschüben ein auf die Zielgerade und ersprintete Rang 17. Immerhin verbesserte sich der Thüringer am Sonntag nach dem komplett verpatzten Sprint gleich um 27 Plätze. Damit sorgte er für den einzigen Lichtblick der am Wochenende komplett enttäuschendem Männer-Riege. 19 von 20 Treffern und nur eine Strafrunde waren die Grundlage für die achtbeste Einzelleistung. 24 Stunden zuvor im Sprint musste Horn gleich viermal links abbiegen und 600 Extra-Meter absolvieren.

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Kaufen konnte sich der Skijäger vom SV Eintracht Frankenhain für seine Aufholjagd am Ende freilich nichts. Andererseits rehabilitierte er sich als einziger DSV-Athlet für den schwachen Auftritt am Vortag und brachte sich für die Entscheidungen in der zweiten WM-Woche in Stellung. „Die zwei letzten Tage von mir beschreiben Biathlon sehr gut. Es ist immer so ein Auf und Ab, so extrem“, erklärte er am Sonntag im Ziel. Nach dem ersten Liegendschießen gedacht: „Warum nicht gleich so, warum nicht gestern so.“ Da versemmelte er bei der ersten Prüfung drei Schüsse. „Ich fühle mich heute wie ein anderer Mensch“, gewährte er Einblick in seine turbulente Gefühlswelt, „gestern habe ich noch dran gedacht, ich lasse es einfach.“

Für den Switch im Kopf sorgte Ehefrau Antonia, die wie seine Eltern vor Ort in der Schweiz weilen. „Ich habe am Abend mit ihr telefoniert und sie hat mir ein paar Bilder geschickt mit coolen Erlebnissen und Erfolgen von mir im Biathlon.“ Nicht nur die bösen Gedanken vom Karrierenende waren damit verflogen, er schöpfte zugleich neues Selbstvertrauen“, so Horn. „Sie hatte vollkommen recht, denn nur mit Spaß kann man erfolgreich sein“. Ohne größere Illusionen sei er in den Verfolgungs-Wettbewerb gegangen. Und sie da: Es hat funktioniert.

Am Samstag sah die Gemütslage von Philipp Horn noch komplett anders aus. Er wollte einfach nur weg. Weg von dem Ort, an den er vor seinem ersten WM-Auftritt in der Schweiz so hohe Erwartungen geknüpft hatte. Weg aus dem sonnenüberfluteten Stadion, weg ins nahe gelegene Teamhotel.

„Du stehst nach dem Liegendschießen auf und weißt, die WM ist gelaufen. Es ist einfach scheiße. Das hasse ich an Biathlon. Es gibt so viel mehr Enttäuschungen als Höhen“, sagte er mit Tränen in den Augen nach dem Sprint, bei dem er nur Platz 44 erreichte.

Dabei standen in „Klein-Antholz“ in den Schweizer Alpen die Vorzeichen günstig für den 30-Jährigen Skijäger aus Oberhof. Doch der (Sonnen)-Schein und die perfekten Bedingungen trügten. „Ich hatte richtig Bock, ich liebe diese Strecke und dachte, heute ist mein Tag.“, sagte Horn. War es nicht.

Total verpatzte WM-Premiere: Danilo Riethmüller. Foto: dpa/Gian Ehrenzeller

Biathlon-Sportdirektor Felix Bitterling stand nach dem Männer-Sprint gleichfalls die Enttäuschung tief ins Gesicht geschrieben. „Das ist einfach nicht gut genug. Ich will nicht draufhauen, das will ich intern besprechen. Wir müssen das analysieren, um uns für den Rest der WM in eine anständige Form zu bringen“, erklärte er. Das gelang am Sonntag nur Philipp Horn. Philipp Nawrath (18./44.), Justus Strelow (30./31.) und WM-Neuling Danilo Riethmüller (40./50.) leisteten sich unglaubliche viele Schießfehler und landeten abgeschlagen auf hinteren Rängen.