Nordische Kombination Geschäftsreise in den ersten Schnee

Als bester Flieger ging es in die Loipe, am Ende springt Rang drei für Richard Stenzel vom SC Motor Zella-Mehlis heraus (rechts). Foto: DSV

Es ist der erste Schneewettkampf der Saison und für die meisten auch der letzte in diesem Jahr: Beim Deutschlandpokal der Kombinierer in Seefeld sichert sich der Thüringer Nachwuchs mehrere Medaillen.

Seefeld - Am Ende, sagt Ronny Ackermann, war der Ausflug zum Deutschlandpokal nach Seefeld wie eine Art Geschäftsreise: Zügig mit dem Auto anreisen, abgeschottet von der Außenwelt im Hotel leben und dann schnell hinüber zum Wettkampfort – und wieder zurück. Mehr ging nicht. Corona eben. Was will man machen?

Das, was in diesen Tagen für die Spitzenathleten des Wintersports gilt, gilt auch für die, die genau das noch werden wollen: Wettstreit in der gut abgedichteten Blase, in die man, erklärt der Bundestrainer des Oberhofer Kombinierer-Nachwuchses, überhaupt nur mit einem negativen Test hineinkomme.

So wurde der erste Schneewettkampf der Saison für die Nordischen Kombinierer nicht nur wegen des frisch-flockigen Untergrunds zu einer besonderen Reise. Weil die Pandemie alle zu mehr Sorgfalt im Miteinander zwingt, reiste Ackermanns Thüringer Truppe erst am ersten Wettkampftag in Seefeld an. Wegen der Pandemielage, sagt der viermalige Weltmeister, aber auch, weil zusätzliche Übernachtungen ebenso eine finanzielle Frage sind. „Wir konnten aber ohnehin erst am Nachmittag auf die Schanze“, fügt der 43-Jährige an.

Die Schanze war die Toni-Seelos-Olympiaschanze, der größere Bakken des nordischen Zentrums der Olympiaregion Seefeld. Die lange Anreise mit Corona-bedingt mehr Autos als üblich, schien dem Kombinierer-Nachwuchs nicht lange in den Knochen zu stecken.

Die Thüringer Athleten, die alle am Oberhofer Sportgymnasium lernen und trainieren, durften insgesamt vier Sprünge auf der K99-Meter-Schanze absolvieren. Der letzte Sprung wurde schließlich gewertet. Den Schanzenrekord hält der frühere slowenische Kombinierer Marjan Jelenko. Er flog im Jahr 2010 auf der Toni-Seelos-Olympiaschanze 114,5 Meter weit.

Richard Stenzel vom SC Motor Zella-Mehlis kam an diese Weite nicht heran. Seine 99,5 Meter reichten in der Altersklasse 16 (Jahrgang 2005) dennoch für Rang eins im deutschen Vergleich. Stenzel flog dreieinhalb Meter weiter als der Zweitplatzierte Benedikt Gräbert aus Oberaudorf.

Auch bei den ein Jahr Älteren landete ein Thüringer den weitesten Satz: Hannes Gehring vom SV Biberau kam mit ausreichend Vorsprung auf Rang eins (95 Meter).

Am Tag darauf ging es in der WM-Arena bei strahlendem Sonnenschein und ordentlich Schnee in die Loipe. Motor-Mann Richard Stenzel musste sich hier einem starken Verfolgerfeld stellen. Doch nur zwei Athleten konnten sich auf der 7,5 Kilometer langen und sehr anspruchsvollen Laufstrecke an dem Nachwuchsathleten des SC Motor Zella-Mehlis vorbeischieben. Somit erkämpfte sich Richard Stenzel, wie schon im September in Oberhof, wieder die Bronzemedaille. Mika Wunderlich vom SC Rückershausen war in Seefeld mehr als zwei Minuten schneller, Benedikt Gräbert rund eine Minute.

Bei der Jugend 17/18 (Jahrgänge 2003/2004), die eine Laufstrecke von zehn Kilometern absolvieren mussten, wurde Albin Stenzel vom SC Motor Zella-Mehlis (Jahrgang 2004) in der Gesamtwertung dieser zwei Altersklassen Achter. Hannes Gehring (2003) vom SV Biberau sicherte sich in dieser Wertung die Silbermedaille. Tristan Sommerfeldt aus dem Erzgebirge machte aus einem sechsten Platz nach dem Springen noch einen ersten im Gundersen-Rennen .

Bei den Juniorinnen erkämpfte sich erneut Cindy Haasch von der TSG Ruhla den Titel. Emilia Görlich vom WSV 08 Lauscha wurde Dritte. Insgesamt nahmen knapp 40 Nachwuchs-Kombinierer am Deutschlandpokal in Österreich teil.

Für die allermeisten Thüringer war das Wettkampfjahr damit auch beendet. Das einzige, was bis Weihnachten weiter wie gewohnt auf dem Programm stehe, sei Training, erklärt Coach Ronny Ackermann nach dem Deutschlandpokal in Tirol.

Ackermann kehrte im Sommer zu seinen Wurzeln zurück: Nach seinem Ausstieg als Sprungtrainer der deutschen Kombinierer im Mai dieses Jahres ist nun Oberhof wieder seine sportliche Heimat. Ans hiesige Sportgymnasium wechselte er einst selbst als Zwölfjähriger. Was folgte, waren unter anderem drei Silbermedaillen bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City sowie vier Jahre später in Turin. Seine Erfahrung will er nun an die nächsten Generationen weitergeben, was „ein langwieriger Prozess“ werden dürfte, wie Ackermann im Sommer gegenüber dem MDR erläuterte.

Wie es im neuen Jahr für den deutschen Kombinierer-Nachwuchs weitergeht, ist in Anbetracht der sich täglich ändernden Pandemielage unklar. „Am 10. und 11. Januar war eigentlich ein Deutschlandpokal geplant“, erzählt Ackermann. Doch der wurde von Ausrichter Klingenthal zurückgegeben. Natürlich auch wegen des Corona-Teil-Lockdowns, der voraussichtlich bis mindestens 10. Januar andauern soll. Derzeit sei man auch der Suche nach einem neuen Veranstalter, so Ronny Ackermann. „Danach muss man sehen.“

Einzig Hannes Gehring kam nach dem ersten Schneewettkampf der Saison noch einmal in den Genuss, auf dem weißen Gold zu springen und zu laufen. Der 17-Jährige durfte wenige Tage später ein weiteres Mal in Seefeld starten: Der Biberauer schaffte es beim Alpencup allerdings nicht unter die Top 20. as/kt

 

Bilder