Neujahrs-Konzert im Theater im Schlossgarten Jenaer Philharmonie vereint Klassik und Moderne

Berit Richter
Die Jenaer Philharmonie war wieder einmal in Arnstadt zu Gast. Foto: Berit Richter

Mit einem flotten Neujahrskonzert nimmt die Jenaer Philharmonie das Publikum im Theater im Schlossgarten mit auf eine Reise von Wien nach Paris und New York.

Arnstadt - Wenn schon das reale Reisen gerade mit einigen Schwierigkeiten und Einschränkungen verbunden ist, dann kann man sich doch wenigstens musikalisch auf den Weg begeben. Donnerstagabend zum Neujahrskonzert – oder besser gesagt Drei-König-Konzert – tat das das Publikum mit den Musikerinnen und Musikern der Jenaer Philharmonie mit sichtlicher Begeisterung – auf beiden Seiten. So flott hat man den Klangkörper lange nicht im Hause erlebt – und das lag ausnahmsweise nicht nur an Corona.

Vielmehr präsentierten sich die Jenaer unter ihrem noch relativ neuen Generalmusikdirektor Simon Gaudenz und mit dem jungen Bariton Benjamin Appl in besonders erfrischender Weise und wichen von den gewohnten Klassik-Pfaden ab.

„Wir wollen heute ein bisschen Gegensätze beleuchten. Einerseits wollen wir wissen, wo ist das Moderne und wo ist das Alte. Aber manchmal ist es gar nicht so ganz klar“, erklärte Simon Gaudenz. So wirke manches scheinbar Alte doch erstaunlich heutig, während moderne Stücke schon etwas angestaubt und bieder daher kämen.

Operette bis Musical

Operette bis Musical

Vom Konzert konnte man letzteres aber wahrlich nicht behaupten. Vielmehr war ihm die Freude anzumerken, mal wieder spielen zu dürfen. „In Jena dürfen wir es momentan leider nicht“, erklärte Simon Gaudenz, um anzukündigen, was das Publikum in den folgenden zwei Stunden erwarten durfte: „Wir arbeiten uns von der Operette zum Chancon, Tango und Musical hin.“

Wie gesagt, so gespielt. Von Wien ging es über Paris nach New York und schließlich zurück nach Europa. Natürlich begegnete man auf dieser musikalischen Reise manch Altbekanntem, wie der Fledermaus-Ouvertüre oder dem Auftrittslied des Danilo aus der „Lustigen Witwe“, mithin Strauss und Lehar, die man ja irgendwie in einem Neujahrskonzert erwartet.

Gerade letzteres war ein Höhepunkt, begeisternd vorgetragen von Benjamin Appl. Überhaupt war der Bariton eine große Bereicherung des Programms, das diesmal nicht nur aus orchestralen Stücken bestand. „Eigentlich haben wir unser Programm um seine Lieder herum gebaut. Wenn wir schon einen so tollen Sänger dabei haben, dann wollen wir das natürlich auch ausnutzen“, verriet Simon Gaudenz.

Das führte dazu, dass nach dem wienerisch-klassischen, operettenhaften ersten Teil ein zweiter, vorwiegend in der Welt des Musicals spielender folgte. Wobei sich hier keineswegs in der schier unendlich – und manchmal auch eher beliebig – erscheinenden Vielfalt aktueller Musicals bedient wurde, sondern die ausgewählten Werke selbst schon längst Klassik-Status besitzen, wie Loewes „My fair Lady.“

Englischsprachige Hits

Dass die Wahl dabei auf englischsprachige Hits von Bernstein, Gershwin und Co. fiel, liegt an Benjamin Appls eigenem Werdegang. „Ich bin mittlerweile ein halber Londoner“, verriet der Bayer, der in Großbritanniens Hauptstadt nicht nur auftritt sondern auch Gesangsnachwuchs unterrichtet.

Besonders begeistert hat er in Arnstadt mit dem Lied des Tevje aus „Anatevka „ – „If I were a rich Man“ (Deutsch: „Wenn ich einmal reich wär“) – ein Song, mit dem man viele bekannte Interpreten von deutlich kräftiger Statur – man denke nur ein den großen Ivan Rebroff – verbindet. Was ihm an körperlicher Fülle fehlte machte Benjamin Appl mit seiner wunderbaren Stimme aber allemal wett.

Dass dieses etwas andere KonzertProgramm der Jenaer Philharmonie gut ankam, zeigte sich beim Applaus, der noch die eine oder andere Zugabe forderte. Traditionell endete das Konzert dann mit dem Radetzky-Marsch so schwungvoll-heiter, wie es sich in den zwei Stunden zuvor präsentiert hatte. Gern mehr davon. Spätestens zum Jahresende, wenn die Jenaer wieder, wie bis vor drei Jahren, das Silvesterkonzert bestreiten werden.

Auf ein Neujahrskonzert soll in Arnstadt trotzdem nicht verzichtet werden. „Ich denke, wir tauschen einfach, Franz L. spielt dann am Dreikönigstag“, so Intendant Oliver Meier.

 

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