Neues Schnelltestzentrum Vom Berliner Sexclub nach Hildburghausen

Marvin Kalwa
Das Testzentrum auf dem Theresienplatz eröffnete am Montag. Foto:  

Das zukünftig einzige Testzentrum im Landkreis Hildburghausen eröffnete am Montag. Der Betreiber bringt schon Erfahrungen von ganz anderen Orten mit.

Hildburghausen - Als die eigentliche Arbeit losgehen soll, fläzt sich Nicole Modl erst einmal in den mitgebrachten Gartenstuhl. So eben haben die Geschäftsführerin des Start-ups Modl Medical und eine Handvoll Helfer „in einer Rekordzeit“ von 32 Minuten mal eben das neue Testzentrum in Hildburghausen aus den Boden des Theresienplatzes gestampft. Die Containerlieferung aus dem bayerischen Waidhaus hatte sich um einige Stunden verzögert. Auch dort an der Grenze zu Tschechien, das mit Inzidenzzahlen weit jenseits der 1000 lange Zeit als Corona-Hochrisikogebiet galt, betrieb das Start-up bis vor Kurzem noch ein Testzentrum. Da die Corona-Welle hüben wie drüben aber merklich abflachte, brauchte es die Testmöglichkeit für Pendler dort nicht mehr.

Auch im Landkreis Hildburghausen sollen die Testzentren bis zum Ende des Monats schließen – mit Ausnahme einer zentralen Station in der Kreisstadt selbst. Das verkündete das Landratsamt in einer Pressemitteilung am vergangenen Freitag. Immer weniger Menschen seien auf die Schnelltestzentren angewiesen, stellt Landrat Thomas Müller darin fest. Weil sich in Hildburghausen die meisten Menschen haben testen lassen und auch in den nächsten Wochen eine Testmöglichkeit, etwa für Urlauber, vorgehalten werden soll, suchte das Landratsamt in den vergangenen Wochen nach einem neuen Betreiber an einem neuen Ort. Das bisher vom DRK betriebene Testzentrum in den Räumlichkeiten des Kreisjugendrings mangelte es neben ausreichend Platz auch an einem barrierefreien Zugang. Dazu konnte das DRK den zeitlichen Aufwand nach eigenen Angaben nicht mehr stemmen.

Mit dem Start-up Modl Medical holt sich das Landratsamt nun zum ersten Mal einen privaten Anbieter von Außen in den Kreis. Das im mittelfränkischen Pappenheim ansässige Unternehmen sorgte im vergangenen Dezember als Betreiber eines Schnelltestzentrums in dem für seine sexpositiven Partys bekannten Kitkatclub in Berlin für Schlagzeilen.

Nun also Hildburghausen. Nicole Modl brachte zur Eröffnung am Montag zwei medizinisch geschulte Helfer aus Chemnitz mit. Sie werden hier mindestens über den Sommer ihre Zelte aufschlagen. Der erste Eindruck von Hildburghausen? „Ziemlich niedlich“, sagt Helferin Jaqueline Meikies. Dank einer einfachen Vorab-Registrierung im Internet (www.sicher-offen.com) und den unkompliziert aus dem Fenster heraus durchgeführten Schnelltests würde sie auch zu zwei bis zu 450 Abstriche am Tag schaffen. Mit so vielen Testwilligen rechnet Modl natürlich vorerst nicht. Vorwürfe, sie wolle doch nur schnelles Geld verdienen, könne sie entsprechend leicht abweisen: „Das ist eher ein wirtschaftliches Risiko, was wir tragen“. Das Testzentrum auf den Theresienplatz wird längere Öffnungszeiten als die bisherigen Zentren anbieten: unter der Woche täglich von 11 bis 19 Uhr, am Samstag von 10 bis 14 Uhr.

 

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