Neuer Verein im Lockdown Stahl-Elf ist Besuchermagnet im Gehege

Oft einen Schritt voraus waren die Spieler des SV Stahl Brotterode-Trusetal in den vergangenen Monaten, wie hier SV-Kapitän Jan Pastowski (rechts) im Testspiel gegen Dreißigacker. Foto: Sascha Bühner

Wie alle anderen Fußballer auch leiden die Spieler des SV Stahl Brotterode-Trusetal unter den Corona-Beschränkungen. Nach ihrem Zusammenschluss hatten sie einen echten Lauf, bis die Notbremsung einsetzte.

Brotterode-Trusetal - Unsere Kommunikation zwischen den Spielern und im Vereinsvorstand wird derzeit in Whatsapp-Gruppen und per Telefon aufrechterhalten. Vorstandssitzungen werden telefonisch beziehungsweise per Videokonferenz abgehalten. Mehr geht in der aktuellen Lage halt nicht. Das ist bei uns nicht anders als in anderen Vereinen.“ So beschreibt der Pressewart und Nachwuchsleiter des SV Stahl Brotterode-Trusetal, Ringo Hengmith, die gängigen Kommunikationsmöglichkeiten zwischen den Akteuren des im Sommer 2020 gegründeten Sportvereins.

Vor wenigen Monaten erst hatten sich die Fußballer aus der Wasserfallgemeinde Trusetal und der Bergstadt Brotterode zum Verein SV Stahl zusammengeschlossen. Was auf der kommunalpolitischen Ebene bereits im Dezember 2011 geschehen ist, hätten sich viele Sportfreunde in fußballerischer Hinsicht lange nicht träumen lassen. Einen Zusammenschluss der Aktiven aus Brotterode und Trusetal hielt man für nahezu unmöglich. Zu groß war die Rivalität der beiden Mannschaften und der Anhängerschaft in der Vergangenheit. Aber die Skeptiker mussten sich schnell eines Besseren belehren lassen. Die Fusion gelang und trägt bereits Früchte. Die erste Mannschaft des SV Stahl, die als Gemisch der besten Spieler aus Brotterode und Trusetal in der Kreisoberliga Rhön-Rennsteig unterwegs ist und vom Trainergespann Arndt Nelke, Matthias Kley und Mathias John angeleitet wird, heimste bereits einig Erfolge ein.

Mit Justin Kaps wechselte ein Offensivspieler von den Glücksbrunnern aus Schweina ins Trusetaler Gehege. Der Neue will neben Torjäger Brian Peter für mächtig Wirbel im Stahl-Angriff sorgen und damit den gegnerischen Abwehrreihen noch größere Probleme bereiten als die in den vergangenen Monaten schon gegen den SV offenbarten. Neben Primus Jüchsen und der drittplatzierten SG Kalten Rhön gehört der SV Stahl Brottrode-Trusetal zu den drei treffsichersten Mannschaften in der Liga. Ein besseres als das 28:9-Toreverhältnis der Gehege-Elf hat nur die SG Jüchsen (29:8) aufzuweisen. Lohn ist der zweite Tabellenrang in der Kreisoberliga und die Spitzenposition in der Torjägerwertung (Brian Peter, 13 Treffer). Allerdings steht der Trusetaler Stürmer in Sachen Treffsicherheit in seinem Team ziemlich allein auf weiter Flur. Der zweitbeste Mann mit Torinstinkt in der ersten Stahl-Mannschaft ist Tom Rommel mit bisher vier Treffern. Florian Dupke folgt mit zwei Toren.

In der zweiten Mannschaft des SV Stahl, die in der Kreisliga auf Punktejagd geht, fehlt allerdings ein Mann wie Brian Peter. Der erfahrene Tom Krettek und der junge Kilian Storch sind mit jeweils drei Treffern die beiden Besten in dieser Vertretung. Die SV-Mannschaft musste einen Treffer mehr hinnehmen, als sie selbst erzielte (21:22). Mit zehn Punkten bewegt sie sich im Mittelfeld der Tabelle (Rang zehn). Der Vollständigkeit halber sei auch die dritte Fußballmannschaft des SV Stahl Brotterode-Trusetal erwähnt. Die spielt in der 1. Kreisklasse Rhön-Rennsteig, liegt auf Platz acht in der Tabelle und blickt auf eine Trefferquote von 10:21 Toren. Von diesen zehn Erfolgen markierte allein Chris Hollandt vier.

Mit den erwähnten drei Männerteams sowie vier Nachwuchs-Vertretungen und einer Frauenmannschaft ging der SV Stahl Anfang September 2020 in den Spielbetrieb der neuen Saison. „Darüber hinaus ergänzen eine Bambini-Mannschaft, die Alten Herren und der Volkssport, allesamt bis zum Lockdown im regelmäßigen Trainingsbetrieb, unser Vereinsportfolio“, erklärte Hengmith. Damit kann sich der Verein auf eine breite Basis stützen. Zur guten Basis für eine gedeihliche Entwicklung des Fußballs in der Region zwischen Gehege, Wasserfall und Inselberg gehört auch die Anhängerschaft. Und diesbezüglich wird mancher, auch höherklassige Verein neidisch zumindest in Richtung Trusetaler Gehege schauen. Denn hier agiert die Erste bei ihren Heimspielen und sie kann auf beeindruckende Zahlen schauen. Der historische Moment war am Freitag, dem 7. August 2020, gekommen. „Zum ersten Testspiel der neu formierten ersten Mannschaft war an diesem Freitagabend Landesklassen-Vertreter VfL Meiningen zu Gast auf dem Trusetaler Rasenplatz. Zu dieser Partie konnte eine überragende Kulisse von 170 Zuschauern begrüßt werden“, vermerkt die Homepage des Stahl-Vereins. Die Gastgeber unterlagen damals 1:2, hatten aber wie die Meininger ihren Anteil an dem „spielerisch hochklassigen und unterhaltsamen Spiel“. Ein Zuschauerschnitt aus den bisherigen sechs Heimspielen inklusive der Pokalpartie gegen den SV Walldorf von 182 Besuchern spricht sicherlich dafür. Mindestens 150 Zuschauer kamen zu jedem Heimspiel, so die Chronisten um Ringo Hengmith.

Dass die Brotteröder und Trusetaler nicht nur ein Herz für den Fußball haben, bewiesen sie kurz vor den Weihnachtsfeiertagen, als sie einigen kleinen Kindern eine große Freude machten. Der Erlös der Spendenaktion des jüngsten Sporttages, immerhin 1000 Euro, ging an drei junge Menschen aus Brotterode-Trusetal und das Kinderheim in Schweina. „In der Vorweihnachtszeit haben wir die Geschenke persönlich übergeben. Wir konnten Luca, Julia und Yvonne ein Lächeln ins Gesicht zaubern und auch Freudentränen waren zu sehen.“

 
 

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