Museum Schmalkalden Erstes Podcast ist garantiert nicht verstaubt

Birgitt Schunk

Vom Museum Schloss Wilhelmsburg aus gibt’s nun was auf die Ohren: Der erste Podcast geht an den Start. Plaudereien sollen Geschichte für die Hörer unterhaltsam machen.

„Geschichte unter der Lupe“ heißt der Podcast aus dem Museum Schloss Wilhelmsburg, der am 1. August an den Start geht. Museumsdirektor Kai Lehmann (rechts) und Marketingverantwortlicher Sascha Bühner werden aus dem Nähkästchen plaudern. Foto: Museum/KI-generiert

Erzählgeschichten oder Interviews hören viele Leute mittlerweile gerne nebenbei – beim Autofahren, Saubermachen oder Joggen. Podcasts sind in aller Munde oder besser gesagt: in aller Ohren. Über Smartphone oder Computer kann man sie immer wieder aufrufen und anhören. „Warum machen Sie eigentlich keine Podcasts?“, ist Kai Lehmann, der Direktor von Schloss Wilhelmsburg, deshalb immer mal wieder von Besuchern gefragt worden.

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Ja, wieso also eigentlich nicht? Jetzt macht er es – gemeinsam mit seinem Marketingverantwortlichen Sascha Bühner, der die ganze Sache angestoßen hat. „In Corona-Zeiten gab es Videos aus dem Museum, die damals durch die Decke gingen“, sagt Bühner. Irgendwann waren zwar mal die Themen erschöpft, der Aufwand auch recht groß. „Doch daran können und müssen wir jetzt anknüpfen.“

Tourismuspreis für Videos

Der Schmalkalder Museumsdirektor Kai Lehmann und seine Tochter Charlotte, die die unterhaltsamen und lehrreichen Videos seinerzeit produziert hatten, erhielten hierfür 2021 sogar den Thüringer Tourismuspreis. Später wurde das Ganze noch ausgebaut in Zusammenarbeit mit der Hochschule Schmalkalden. Dann folgten Jahrfeier, Buchprojekte, Sonderausstellung. „Für weitere zusätzliche Vorhaben blieb da kaum Zeit“, sagt der promovierte Historiker.

Nun aber gehen die Podcasts ab dem 1. August 2026 an den Start. Beim Einsprechen saßen sich Lehmann und Bühner gegenüber und plauderten vorm Mikro freiweg. Der erste Rundumschlag gibt einen Überblick über das, was die Wilhelmsburg so ausmacht.

Hier ist vieles schließlich noch original aus der Zeit um 1590, als das Schloss fertig gebaut wurde. Nicht umsonst gilt die Wilhelmsburg als Juwel der Renaissance. Man erfährt auch, wie Kai Lehmann früher als Kind schon fasziniert war vom Museum und in den Ferien dort Vitrinen putzte. Bühner schlüpft in den Podcasts vor allem in die Rolle des Fragenden - und Lehmann antwortet. Es geht auf historische Spurensuche. Dabei will man sich die Bälle zuspielen.

Ganz neue Sichtweisen

Werden die Zuhörer auch Neues erfahren? „Natürlich gibt es immer wieder Neues“, sagt Lehmann. Aber es werde natürlich auch vermittelt, was regelmäßige Museumsbesucher aus der Region schon wissen. „Man kann nicht alles neu erfinden.“ Dennoch soll sich das Reinhören lohnen, denn die Plauderei will auch ganz neue Sichtweisen eröffnen.

Garantiert wird alles nicht verstaubt daher kommen, heißt es. Und vor allem will man auch überregional punkten, um neugierig zu machen und anzulocken. Man lässt nichts unversucht, um die Besucherzahlen zu erhöhen. Deshalb freut es Lehmann auch, dass seine jüngste Veröffentlichung „Hexen vor Gericht“ die Fachwelt begeistert hat, in all den großen Medien darüber berichtet wird und selbst im ORF, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Österreichs, Thema ist. „Das ist nicht nur Anerkennung für das Buch, das macht auch Schmalkalden und Schloss Wilhelmsburg bekannt, denn die spielen immer eine Rolle.“

Dieses Ziel gilt auch für alle anderen Bemühungen wie etwa museumspädagogische Angebote. So ist Sascha Bühner vom Museums-Team beispielsweise mit dem „Museumskoffer“ auch an Schulen unterwegs, um die Kinder mit Ritterhelm, Tonkrügen, Klamotten und allerlei anderen Utensilien neugierig zu machen auf das Schloss. Im September soll zudem die neue Dauerausstellung zur Stadtgeschichte fertig sein. Und auch über eine nächste Sonderausstellung wird längst nachgedacht. Hier hofft man auf Fördergeld des Freistaates, um ein weiteres Highlight schaffen zu können, das für Schmalkalden und Thüringen insgesamt wirbt.

Format wird angepasst

Abrufbar sein werden die neuen Podcasts aus dem Schloss über Spotify, aber natürlich auch über die Facebookseite. Das Duo hat die Serie „Geschichte unter der Lupe“ genannt. Auf dem KI-Bild sehen die Zwei ein bisschen aus wie Sherlock Holmes und Dr. Watson, doch das wollen sie nicht sein. Aber mit der Lupe hantieren sie auf alle Fälle, um tief zu blicken und den Sachen auf den Grund zu gehen. Themen bietet die Wilhelmsburg allemal genug, über die künftig einmal im Monat locker geplaudert wird.

„Wir müssen sehen, wie es anläuft – geplant haben wir auch Sonderfolgen“, sagt Kai Lehmann. Weihnachten etwa könnte so ein Anlass sein. 15 bis 30 Minuten lang soll jeweils eine Folge werden. Später wird man messen, wie lange die Zuhörer folgen – und Schlussfolgerungen ziehen. Eingebaut werden auch Fragen, die künftig von Hörern eingehen. Überraschungsgäste werden außerdem einladen.

Gedanklich wird am zweiten Podcast bereits gearbeitet. Da muss man aber bisschen etwas verändern. Weil Kai Lehmann gerne mit Händen und Füßen redet, gab es bei der ersten Aufnahme immer wieder unerwünschte Nebengeräusche, wenn er beispielsweise auf den Tisch klopfte. Und so hatte Sascha Bühner, der das Schneiden der Aufnahmen erledigte, einiges zu tun. „Vielleicht muss er beim nächsten Mal ein Kissen unter die Arme legen“, sagt er mit Augenzwinkern.