Neue Landschaftsführer „Auf Schatzsuche“ in der Rhön gehen

16 neue Natur- und Landschaftsführer sind in der Thüringer Rhön ausgebildet worden. Mit ihnen kann man nun auf Schatzsuche gehen. Auch ein Bürgermeister ist dabei.

Die neuen Zertifizierten Natur- und Landschaftsführer dürfen sich ab sofort offiziell Botschafter der Rhön nennen.Auch der Kaltennordheimer Bürgermeister Erik Thürmer (Dritter von rechts) ist dabei. Foto: Lea Hohmann

Vier Monate lang haben sie gelernt, beobachtet, zugehört, ausprobiert – und immer wieder über sich selbst hinausgeblickt: Die Teilnehmer des diesjährigen Ausbildungskurses zu den Zertifizierten Natur- und Landschaftsführern (ZNL) in der Thüringer Rhön. Vor wenigen Tagen wurden sie in Kaltensundheim im Gasthof „Zur guten Quelle“ feierlich geehrt und dürfen sich ab sofort offiziell Botschafter der Rhön nennen.

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Feierliche Auszeichnung der neuen ZNL im Gasthof „Zur guten Quelle“ in Kaltensundheim. Foto: Lea Hohmann

Die viermonatige Ausbildung war für viele weit mehr als reines Wissenstraining. Sie war eine Entdeckungsreise – durch die Rhöner Landschaft, aber auch zu sich selbst. In einer Mitteilung des Biosphärenreservates Rhön heißt es: Jede und jeder hat unterwegs herausgefunden, welcher Bereich der Natur und Kultur ihn besonders begeistert. Ob Geologie, Waldökologie, Artenkenntnis, Klimawandel, nachhaltige Entwicklung oder Naturpädagogik – jeder hat einen eigenen Schwerpunkt entwickelt und dabei seinen individuellen Blick auf die Rhön geschärft. Vielfalt macht die Gruppe aus: Menschen, die künftig mit Herzblut und eigenem Stil Gäste und Einheimische für die Besonderheiten des Unesco-Biosphärenreservats Rhön begeistern werden.

Die viermonatige Ausbildung war für viele weit mehr als reines Wissenstraining. Sie war eine Entdeckungsreise – durch die Rhöner Landschaft, aber auch zu sich selbst. Foto: Lea Hohmann

Der Kurs fand vom 9. August bis 22. November 2025 statt und umfasste 115 Unterrichtseinheiten. Inhalte waren unter anderem Naturschutz, Klimawandel, Geologie, Kommunikation, Führungsdidaktik und nachhaltige Regionalentwicklung. Die Ausbildung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Thüringer Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön sowie regionalen Partnern aus Tourismus und Gastronomie. Gefördert wurde sie vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten.

Die angehenden ZNL unterwegs mit Daniela Sell, die den Abschluss als Zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin bereits besitzt. Foto: Lea Hohmann

Bei der Abschlussveranstaltung sorgte der langjährige ZNL Andreas Leffler mit seiner Gitarre für eine ganz besondere Stimmung. Seine Lieder – tief verwurzelt in der Rhön – holten die Landschaft musikalisch in den Raum. Hans Joachim Petzold vom Heimatbund Thüringen e. V. , der die Ausbildung mit koordiniert hat, nahm die Absolventen anschließend mit auf eine Reise durch die vergangenen Monate.

In seinen warmen, bildreichen Worten wurde deutlich, wie prägend die Ausbildung für die Gruppe gewesen ist: Er sprach davon, „noch einmal das Kind in sich zu entdecken“, neugierig zu bleiben, genau hinzusehen und die Rhön mit allen Sinnen zu erleben. ZNL zu sein bedeute, gemeinsam auf Schatzsuche zu gehen – und das Besondere am Wegesrand sichtbar zu machen, auch das Unscheinbare, Unvorhersehbare, das erst auf den zweiten Blick seine Bedeutung entfaltet. Er erinnerte an die vielen praktischen Lernmomente: Gehölze bestimmen, Artenvielfalt erkennen, Jahreszeiten bewusst wahrnehmen.

Bei der Abschlussveranstaltung sorgte Andreas Leffler mit seiner Gitarre für eine ganz besondere Stimmung. Foto: Lea Hohmann

Die Prüfungswanderungen führten teils durch atemberaubende Landschaften mit weiten Ausblicken, teils auf leise Spurensuche im Wald. Zum Abschluss zitierte Petzold Kurt Tucholsky: „Die größte Sehenswürdigkeit ist die Welt – sieh sie dir an. Und nimm dir einen ZNL mit.“

„Ihr seid ein wichtiger Teil der Biosphäre“

Ulrike Schade, Leiterin der Thüringer Verwaltungsstelle, gratulierte den Absolventen herzlich zur bestandenen Prüfung: „Die ZNL machen die Landschaft sichtbarer – für Gäste, aber auch für viele Einheimische. Ihr seid ein wichtiger Teil in der Biosphäre und tragt zur Wertschöpfung in der Region bei.“

Gemeinsame Exkursion im Herbst 2025 mit ThüringenForst. Foto: Lea Hohmann

Sie stellte außerdem vor, wie die Führungen der ZNL künftig online sichtbar sein werden, und gab einen Ausblick auf spannende Termine und Einsatzmöglichkeiten im Jahr 2026.

Die neuen Botschafter der Rhön

Mit der Zertifikatsübergabe endet eine intensive, lehrreiche und bewegende Zeit – und gleichzeitig beginnt eine neue Aufgabe: Als frisch ausgebildete Natur- und Landschaftsführerinnen und -führer werden sie nun Menschen in die Rhön hinaus begleiten – zu Aussichtspunkten, in Wälder, über Wiesen und hinein in Geschichten, die nur dieser besondere Landstrich erzählen kann.