Neue Ausstellung Orientieren in der digitalen Welt

Sigrid Nordmeyer
Dorothea Brandt und Cornelia Kraffzick (von links) arbeiten in Meiningen als gutes Team für die städtische Galerie Ada. Foto: /Sigrid Nordmeyer

Ein Fenster in die digitale Welt der Kunst soll die neue Ausstellung „Orientierung“ in der Meininger Galerie Ada eröffnen.

 
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Das Wort Orientierung steht für eine große Anzahl von Bedeutungen. Die sexuelle Orientierung ist dabei ein Begriff, der mittlerweile genauso geläufig ist wie die räumliche, geografische oder inhaltliche Orientierung. Nicht immer ist es nötig, zur Erklärung die Stadt Jerusalem herbeizuzitieren, dabei liegt in ihr die Wurzel für das Wort selbst. Denn auf sie, die Heilige Stadt im Osten, wollten sich die Menschen schon immer ausrichten, orientieren.

Auf die Inhalte der neuen Ausstellung in der städtischen Galerie Ada darf man also gespannt sein, sie trägt den vielversprechenden Titel „Orientierung“. Fünf Künstlerinnen und vier Künstler widmen sich dem Thema aus unterschiedlichen Richtungen. Was gibt mir Orientierung? Wohin und wonach richte ich mein Leben aus? Welche Entscheidungen muss ich treffen? Das sind ihre existenziellen Fragen, die sie nicht nur stellen, sondern auch beantworten wollen.

Die Meiningerin Dorothea Brandt und die Würzburgerin Madlen Kehr fanden sich hierfür als Kuratorinnen erneut zusammen, nachdem sie bereits das Projekt Meininger Kunstorte so erfolgreich gemeinsam entwickelten und umsetzten. Eine neue Ada-Leitung wird es nach der Verabschiedung von Ralf-Michael Seele in diesem Jahr nicht geben. Cornelia Kraffzick, Leiterin des Geschäftsbereich Bürgerdienste in der Meininger Stadtverwaltung, nahm für die Übergangszeit die Galerie unter ihre Fittiche und freut sich jetzt über die hochmoderne Ausrichtung der neuen Schau.

„Mir ist nicht bekannt, dass wir eine komplett digitale Ausstellung in der Ada schon mal hatten.“ Digital gearbeitet, ja klar, das hat man in der Galerie, die sich in einem Haus mit den Kammerspielen des Staatstheaters Meiningen befindet, schon des Öfteren. „Aber dann doch immer mit Bildern oder Fotos, immer mal kombiniert“. Auch an technischen Geräten sei einiges vorhanden. Weil sich der Stand schnell ändert, ist man jetzt froh, einen Kooperationspartner gefunden zu haben. Spawnpoint, das Erfurter Institut für Spiel- und Medienkultur, wird die technischen Geräte für „Orientierung“ bereitstellen. „Das alles zu kaufen, hätte das Budget im Hauhalt der Stadt Meiningen gesprengt.“ Die finanzielle Unterstützung der Rhön-Rennsteig Sparkasse ist ebenfalls nicht unerheblich.

20 Bewerbungen gingen ein

Über eine Ausschreibung unter der Prämisse „digital erstellt oder digital präsentiert zum Thema Orientierung“ bekamen Dorothea Brandt und Madlen Kehr knapp 20 Bewerbungen zugeschickt. Daraus wählten sie acht Arbeiten regionaler und überregionaler Künstler für die Schau aus. Dass darunter sogar eine Konzeptkunst von zwei Weimarer Studentinnen ist, freut Brandt besonders.

Außerdem gibt es Videos, Digitales Zeichnen, Mixed Reality, Digitale Präsentation, Lichtmalerei. Die Kombination von digital und analog hatte sich das Kuratorinnenduo gewünscht. Analoge Welt heißt für Brandt in dem Fall „die Realität, die hier physisch spürbar ist.“ Deshalb sei ihnen der direkte Kontakt vor Ort wichtig. „Weil ich mich als Mensch natürlich physisch in der Ausstellung Ada bewege“, macht Brandt deutlich. Wie Brandt und Kehr die Brücke zwischen digital und analog tatsächlich bauen werden, wird man ab Freitag sehen können.

Es geht um ein Und

Für die Beiden gibt es kein entweder oder. Digitales werde nicht die analog Welt abschaffen, da sind sie sich sicher. So wie beim Buch nicht nur E-Reader existieren, sondern auch immer noch das Gedruckte. „Es geht um ein Und“, sagt die Meiningerin und beantwortet die Frage, wie man dieses „Und“ finden könne: „Zwischen digitaler Welt und analoger.“ Rechnung tragen möchten die Macherinnen jener vierten Revolution, in der wir gerade steckten. Weil die Digitalisierung vor der Kunst nicht halt mache.

Als Fotografin und Lehrerin weiß Brandt, wovon sie spricht: „Also wenn man einen frühen Zeitpunkt ansetzen möchte, seit der Fotografie und dann seit den Sechzigern mit dem Computer, ging das ja auch rasend schnell mit der Entwicklung.“ Immer haben Künstler die technischen Möglichkeiten genutzt. Spannend bleibt für Brandt und Kehr, „wie die Kombinationen entstehen“.

Dorothea Brandt selbst wird ihre Fotografien zeigen, Frank Melech aus Suhl bringt seine spannenden Collagen mit. Außerdem mit dabei: Michael Behrendt (Offenbach), Alexandra Lehmberg (Düsseldorf), Yvonne Rüggeberg (Ilmenau), Valeriia Shakhove & Belcim Yavuz (Weimar), Felix Brauner (Köln) und Christopher Murphy (Eltmann).

Eröffnung der Ausstellung „Orientierung“ ist am Freitag, 8. Juli, 18.30 Uhr in der städtischen Galerie Ada in der Meininger Bernhardstraße 3. Bis zum 10. September soll die Schau gezeigt werden. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 19.30 Uhr.

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