Neue Ausstellung Harry Potter zieht in die Kulturfabrik ein

Jessie Morgenroth

In der Kulturfabrik Langewiesen wird der Zauber von Harry Potter aus bunten Steinen lebendig. 130 Lego-Bücher erzählen die Geschichte des berühmten Zauberlehrlings.

Wer in die magische Welt von Harry Potter eintauchen will, muss am Londoner Bahnhof King’s Cross lediglich auf Gleis Neundreiviertel gehen, dort in die rot-schwarze Dampfbahn steigen und – zack – landet der angehende Hexer in Hogwarts. Wem das aber zu viel Aufwand ist, der kann sich zunächst in die Kulturfabrik Langewiesen aufmachen: Denn auch dort wird es ab Karfreitag magisch. Die Harry-Potter-Ausstellung öffnet ihre Türen. Das Besondere daran: Alle Exponate sind aus Lego gefertigt.

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Die Ilmenauer Lego-Gruppe "Ilmbricks" und die offiziell anerkannte Lego-Gruppe „Bricks am Meer“ aus Bad Zwischenahn in Niedersachsen laden zur fantastischen Schau ein. Beide Gruppen unterstützen sich trotz der großen Distanz gegenseitig bei ihren Ausstellungen, alle Mitglieder verbindet ihre Liebe zu Lego. Die Exponate für die Harry-Potter-Schau stammen von einem Akteur der Bricks am Meer. Darüber hinaus sind in Langewiesen auch Oldtimer-Fahrzeuge und Züge aus Klemmbausteinen zu sehen. Die steuern die Ilmbricks bei. So ist auch für Muggel abseits des Hogwarts-Universums etwas dabei.

Die Welt von Harry Potter wird in verschiedenen Büchern dargestellt. Foto: Jessie Morgenroth

Kosmetikpinsel im Großeinsatz

Am Mittwochvormittag herrscht reger Betrieb im Langewiesener Ausstellungsraum: Jan Göbel, sein Sohn Frederik und Ilmbricks-Organisator Tommy Schmidt packen die Exponate aus den Transportkästen, stauben alles mit einem Kosmetikpinsel ab, sortieren die Sets auf den Tischen. Diese füllen sich alsbald mit … Harry-Potter-Büchern. Allerdings nicht mit den gedruckten sieben Bänden. Vielmehr sind es kleine, aus Lego gefertigte Bücher – auf jedem ist eine Filmszene abgebildet. 130 solcher Büchlein gibt es insgesamt, zu kaufen ist keines davon. Denn jede Szene ist ein eigens erschaffenes Unikat von Jan Göbel und seiner Frau.

So erzählen die Legobücher die Geschichte des Waisenjungen, der zum magischen Idol ganzer Generationen aufgestiegen ist. Auch Jan Göbel ist Fan – von Lego und von Harry Potter gleichermaßen. Die kleinen bunten Steine faszinieren ihn seit seiner Kindheit, zum Harry-Potter-Liebhaber wurde er Anfang der 2000er-Jahre. Damals hatte er dem Hype zunächst getrotzt. Während der Nachtwache bei der Bundeswehr jedoch schaute der Legomeister den ersten Teil auf DVD, erinnert er sich. Kurz darauf ging er zur Premiere des zweiten Films, begann die Bücher zu lesen – und war mittendrin in der fantastischen Welt.

Der heute 44-Jährige hatte zudem die Idee, Szenen aus Lego nachzubauen. Ein Buchformat als Untergrund, darauf Harry und seine Freunde, wie sie ihre magischen Abenteuer erleben. Dieses Projekt begann 2002. „Ursprünglich sollte es ein Buch pro Film werden. Das hat sich dann relativ schnell verselbstständigt“, sagt der Baumeister. Statt sieben sind es nun 130 Bücher geworden – das abschließende Werk entstand im vergangenen November.

Zu sehen sind Szenen aus den Spielfilmen – nachgebaut mit Klemmbausteinen. Foto: Jessie Morgenroth

Jedes Büchlein ist eine Faszination für sich, es gibt unzählige Details zu entdecken. Besonders beeindruckend: Jan Göbel hat sich die Baupläne im Kopf zurechtgelegt, die Teile und Figuren beschafft und sein Vorhaben Schritt für Schritt umgesetzt. Ein Buch besteht aus 300 bis 800 Teilen, je nach Aufwand benötigen er und seine Frau zwischen zwei und acht Stunden dafür. Pro Harry-Potter-Film haben sie 16 bis 20 Legobücher gefertigt – Band sieben sticht mit mehr als 30 heraus. Die Szenen orientieren sich stark an den Filmen, erklärt Göbel. Zwar möge er die Bücher mehr, doch die Filme seien vielen geläufiger. Sein Favorit sei übrigens Teil fünf.

Ganz neu sind die Harry-Potter-Bücher im Ilmenauer Land nicht, denn einige davon wurden bereits bei früheren Ilmbricks-Ausstellungen in der Volkshochschule gezeigt. Dass nun alle 130 Bücher präsentiert werden, ist jedoch ein Novum. Und ohnehin eine Seltenheit – es ist erst die dritte Ausstellung, bei der sämtliche Exponate zu sehen sind.

Ergänzt werden die Eigenkreationen durch einige offizielle Harry-Potter-Lego-Sets: Der Hogwarts-Express etwa stammt aus einem solchen Set und muss später noch aufgebaut werden. Doch zunächst finden – chronologisch geordnet – die Bücher ihren Weg in die Vitrine. Immer wieder fallen Kleinteile zu Boden, müssen Figuren nachjustiert werden.

Kleine Reparaturarbeiten

Der Baumeister nimmt es gelassen. „Es ist nur Lego“, sagt er, während er die kleinen Steine wieder aufeinander steckt. Ein Teil des siebten Bandes erweist sich als „Totalschaden“. Doch mit entsprechendem Fingerspitzengefühl ist auch das schnell behoben. Eule Hedwig hat hingegen bereits ihren Ausstellungsplatz gefunden. Hauself Dobby – weihnachtlich gekleidet – wartet derweil noch auf dem Vorbereitungstisch, während der sprechende Legohut die Klemmbausteinfreunde zwischendrin in ihre Hogwartshäuser einteilt.

Manchmal muss Jan Göbel kleinere Reparaturarbeiten vornehmen. Foto: Jessie Morgenroth

Neben den Exponaten gibt es in Langewiesen noch mehr zu entdecken: Auf einem Fernseher laufen thematische Lego-Harry-Potter-Werbungen in Dauerschleife, Tommy Schmidt hängt in der Zwischenzeit Begleittexte aus. Später will er Lego für den Baubereich verteilen – dort können Kinder selbst aktiv werden und Kreationen erschaffen.

Der neunjährige Frederik hilft seinem Vater tatkräftig: packt aus, stellt aus. Die gesamte Familie – Mutter, Vater, Sohn und die kleine Tochter – sei Lego-Fan, erzählen die beiden. In ihrer Heimat Bad Zwischenahn ist Jan Göbel sogar Vorsitzender der Bricks am Meer. Die Gruppe wurde vor acht Jahren mit 13 Mitgliedern gegründet und zählt inzwischen 95 Lego-Liebhaber. Sohn Frederik ist gemeinsam mit elf Gleichgesinnten in der Jugendgruppe aktiv.

Viele verschiedenen Szenen sind zu sehen. Foto: Jessie Morgenroth

Ganz so groß sind die Ilmenauer Ilmbricks nicht. Sie zählen weiter 25 Mitglieder. Neu ist jedoch der Legoclub für Kinder von vier bis 14 Jahren, der einmal im Monat im Awo-Kindergarten Käthe Kollwitz stattfindet und noch wenige freie Plätze für junge Lego-Fans bietet.

Darüber hinaus ist das Jahr der Ilmenauer Lego User Group gut gefüllt: Sie waren bei der „First Lego League“ und dem Kinderfasching vertreten, sind bei der Wissenschaftsnacht dabei und wollen in ein paar Monaten das „Miteinander stärken“ in Manebach mit Lego bereichern. Und natürlich gibt es im Herbst eine neue Auflage der mittlerweile traditionellen Ilmenauer Ilmbricks-Lego-Ausstellung. Auch thematische Lego-Schauen in der Langewiesener Kulturfabrik haben sich etabliert: Es ist bereits die dritte Schau.

Eröffnung ist an diesem Karfreitag um 10 Uhr. Kleine und große Lego-Freunde sind dann bis zum 18. Juli immer donnerstags bis samstags von 10 bis 15 Uhr willkommen. Der Eintritt kostet fünf Euro und beinhaltet auch die anderen Ausstellungen des Hauses.

Weitere Fotos finden Sie unter: www.insüdthüringen.de