Neubrunn Kirchlauter aufgeschlossen gegenüber Solarpark-Plänen

Günther Geiling

GUT-Geschäftsführer Marco Siller wirbt im Gemeinderat für sein Konzept der Energiewende im Landkreis.

Am Ortsausgang von Kirchlauter nach Neubrunn gibt es in der Gemeinde schon seit einigen Jahren eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage. Foto: Günther Geiling Quelle: Unbekannt

Neubrunn - "Unser Ziel ist es, mindestens 20 Bürgerbeteiligungsanlagen mit einer Gesamtleistung von 200 MWp im Landkreis Haßberge zu errichten, über die BEG zu betreiben und damit die Energiewende zu erreichen." Dies betonte der Geschäftsführer der "Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekt" (GUT) im Landkreis Haßberge, Marco Siller, bei der Präsentation zur "Energiewende im Landkreis Haßberge" vor dem Ratsgremium der Gemeinde Kirchlauter.

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Aus dem Gemeinderat in Kürze

Hinsichtlich der Corona-Pandemie informierte Bürgermeister Karl-Heinz Kandler, dass die Kirchweihen in diesem Jahr ausfielen. Man wolle sich hier aber etwas überlegen. Dabei drückte er seine Verwunderung aus, dass an anderen Stellen im Landkreis große Konzerte mit Hunderten von Zuschauern stattfinden.

Peter Stretz sprach den Ausbau der Staatsstraße von der Hasenmühle nach Kirchlauter an und auch der Radweg von Kirchlauter in Richtung Rentweinsdorf wurde zur Sprache gebracht, zumal jetzt dort ein anderer Bürgermeister im Amt wäre. Bürgermeister Kandler teilte zur Staatsstraße 2281 im Lautergrund mit, dass für das Reststück bis Kirchlauter nach Aussagen des Abteilungsleiters Manfred Rott im Straßenbauamt die finanziellen Mittle nicht vorhanden seien. Im Oktober wären wieder Budget-Gespräche.

Bezüglich des Radwegs von Kirchlauter in Richtung Gemeinde Rentweinsdorf sah er erheblichen Bedarf, zumal der Boom des Radfahrens deutlich zugenommen habe. Hier sollen Ende des Jahres Verkaufsverhandlungen mit den Grundstückseigentümern geführt werden und er hoffe, dass der Radweg dann in zwei Jahren Wirklichkeit sei.


Der Elektroingenieur zeigte auf, dass in diesem Bereich derzeit viele Unternehmen unterwegs seien und nun auch Druck aufgekommen sei, weil man in benachteiligten Regionen auf Ackerflächen Photovoltaikanlagen bauen könne. Demnach wäre es derzeit in 23 der 26 Gemeinden möglich Photovoltaik auf Freiflächen zu errichten. Damit könne man die Stromwende in Angriff nehmen, aber man benötige hierbei für 10 Hektar pro Gemeinde (siehe Artikel oben ).

Um der Energiewende zumindest bei der Stromerzeugung näher zu kommen, wären 75 MW zusätzlich zu Sailershausen im Kreisgebiet notwendig. Das würde 15 mal 5 MW-Anlagen bedeuten oder drei Standorte mit jeweils fünf Windrädern. Dabei gestand Siller ein, dass in manchen Bereichen, wie ja auch in Kirchlauter, die Windenergie kritisch beurteilt werde. Auch das Thema Wasserstoff wurde angesprochen, aber auch klargestellt, dass es zu dieser Energie noch einige Zeit dauere. Hinsichtlich der Tiefengeothermie laufe ein wissenschaftliches Projekt.

GUT-Geschäftsführer Siller sah es als wichtig an, langsam anzufangen und die Bürger bei dieser Energie- und Stromwende mitzunehmen. Die Steigerung der erzeugten erneuerbaren Energie um 20 MW pro Jahr sah er als realistisch an, "vielleicht geht es ja sogar schneller". Ebenso gelte es, Betreibermodelle festzulegen, ob eine Kommune das im Eigenbetrieb vornehme oder möglicherweise auch eine Bürgeranlage in Betracht gezogen werde.

Für die Gemeinde Kirchlauter zeigte er die Möglichkeiten von Photovoltaik-Anlagen auf kommunalen Liegenschaften auf. Beim Oskar-Kandler-Zentrum Kirchlauter könnte dies eine 67 kWp-Anlage sein mit einem Eigenverbrauch von 8 Prozent. Den Überschuss bezifferte er nach 20 Jahren auf 50 000 Euro. Bei der Grundschule mit einem 79,4 kWp-Anlage und einem Eigenverrauch von 6% bedeute dies nach 20 Jahren einen Überschuss von 20 000 Euro.

Aus dem Gemeinderat gab es zahlreiche Nachfragen. Steffen Kandler sprach etwa die Pflege der Freiflächenanlagen, wozu man Schäfer mit reinnehmen könnte. Es bestehe die Gefahr, dass der Boden bei Nichtbearbeitung versiegle und bei Starkregen Probleme auftauchten. Dies alles sollte berücksichtigt werden.

Uwe Derra sprach sich grundsätzlich für die Energiewende aus. Es werde auch immer wieder von Bürgerbeteiligung gesprochen, aber man höre hier nicht so viel, ob es sich rechne. "Der Bürger will auch ein positives Zeichen und er beteiligt sich nur, wenn er dafür auch etwas bekommt". Marco Siller konnte sich ein Szenario für ein Bürgermodell vorstellen, dass bei der Photovoltaik bei 3 bis 4 Prozent liege.

Ein Blick wurde auch auf Neubaugebiete geworfen, ob man hier bestimmte Energiemöglichkeiten mit einplanen könnte. Marco Siller äußerte abschließend den Wunsch, dass sich in der Gemeinde eine Gruppe von Bürgern finde, die alle Möglichkeiten für mögliche Projekte eruiere.