Naturschützer in Schmalkalden-Meiningen „Wo ein Baum fällt, muss ein neuer hin“

Lena C. Stawski
Das Pflanzen von Weißtannen im Gemeindewald Untermaßfeld war eines von verschiedenen Projekten, die der BUND Kreisverband Schmalkalden-Meiningen im Jahr 2021 realisiert hat. Jeder neue oder ersetzte Baum sei wichtig, sagen die Umweltschützer. Foto: /Birgit Henkel

„Es wird in der Stadt immer schwieriger, Bäume zu pflanzen“, sagt Gudrun Sickert vom BUND-Kreisverband Schmalkalden-Meiningen. Das liege daran, dass in den Böden Rohre, Kabel und so weiter verlegt sind. Jeder Platz für neue Bäume sei daher kostbar.

Meiningen/Schmalkalden - Gudrun Sickert und Eckhard Simon vom Kreisverband Schmalkalden-Meiningen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) berichteten im Pressegespräch über die Aktionen und Erfolgsprojekte des Jahres 2021.

„Das Frühjahr ist für mich eine traurige Zeit“, sagt Gudrun Sickert. Dann würden nämlich die Motorsägen ertönen und Bäume gefällt werden. Die Schmalkalderin ärgert sich nicht nur über abgesägte Bäume, sondern auch darüber, wenn keine nachgepflanzt werden. Auf ihre Initiative gab es daher im vergangenen Frühjahr einen Aufruf des BUND an die Schmalkalder Bürger. Diese konnten Bilder von Stellen zu machen, wo einmal Bäume standen und keine Nachpflanzungen erfolgten oder Freiflächen fotografieren, an denen Neuanpflanzungen möglich wären.

Daraufhin entstanden 80 Fotos. In der Touristeninformation Schmalkalden gab es dazu eine Ausstellung. Der Bürgermeister wie auch der Geschäftsführer der Wohnungsbau GmbH hätten der Aktion aufgeschlossen gegenüber gestanden, heißt es vom BUND. So gab es im Rathaus mit den zuständigen Mitarbeitern ein Gespräch, ebenfalls mit dem Geschäftsführer. Ergebnis: In diesem Frühjahr sollen erste Bäume nachgepflanzt beziehungsweise neu gepflanzt werden. „Grüne Oasen in Städten werden vor dem Hintergrund des Klimawandels immer wichtiger. Eine begrünte Stadt ist zudem umso lebenswerter“, betont Gudrun Sickert.

Die Wildkatze ist zurück

„Das Wildkatzenprojekt des BUND war ein echter Erfolg“, berichtet Gudruns Sickerts Ehemann Eckhard Simon. Von Februar bis April 2021 organisierte der BUND innerhalb von zehn Wochen 500 Kontrollgänge an 50 Lockstöcken. An den Holzpflöcken konnten 173 Haarproben gesammelt werden. Zu 95 Prozent waren es eindeutig die von Wildkatzen. „Es ist ein gutes Zeichen für den BUND, dass die Rückkehr der Wildkatze möglich ist, auch hinsichtlich der Artenvielfalt“, sagt Simon.

Zu dieser tragen auch die Streuobstwiesen bei. Sie gehörten laut Eckhard Simon früher zu jedem Ort. Der Name der Obstbaumwiesen ergibt sich, weil die Bäume über die Wiesen verstreut sind und nicht im Spalier stehen. „Der Pflegeaufwand für Streuobstwiesen ist hoch“, schildert Simon. Umso schöner, wenn man sich gemeinsam darum kümmern kann und dabei noch etwas lernt: Während der Pflegeaktionen an Obstwiesen und Alleen in Schmalkalden, Untermaßfeld und Dörrensolz wurde Hobbygärtnern auf verschiedene Art und Weise Wissen vermittelt, berichtet der BUND.

Der Kreisverband Schmalkalden-Meiningen hatte zudem im vergangenen Jahr zu mehreren Baumschnittkursen, Naturentdeckertagen und zu einem Apfelfest eingeladen. Allein beim Apfelfest waren mehr als 800 Besucher zu Gast. Die Mitgliederzahl des Kreisverbandes liegt derzeit bei 553 – und sie steigt, heißt es.

Erste Früchte ernten

2021 ist nach einer Laufzeit von circa zehn Jahren auch das Vorhaben „100 Apfelbäume für Schmalkalden“ abgeschlossen worden. An diesem haben sich zahlreiche Gartenbesitzer beteiligt und alte Sorten auf ihre Grundstücke gepflanzt. Außerdem wurden nach und nach etwa 30 Obstbäume entlang des Martin-Luther-Weges gesetzt. Auf diese Weise sind wichtige kleine Biotope in der Landschaft entstanden. Erste Früchte können inzwischen geerntet werden. Die regelmäßige Pflege und der notwendige Baumschnitt sollen fortgesetzt werden. Das Projekt wurde von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises gefördert.

2021 haben mehr als 60 aktive BUND-Mitglieder auch zwei Pflanzungen und eine Pflege im Gemeindewald Untermaßfeld durchgeführt. Dabei wurden auf vom Borkenkäfer betroffenen Schadflächen 200 Weißtannen gesetzt. Die Pflanzungen aus dem Vorjahr wurden gepflegt.

Ein Projekt des BUND, das jedes Jahr wiederkehrt, ist die Schutzaktion für Amphibien an den Schmalkalder Teichen beziehungsweise Straßen. Von Anfang März bis Ende April verlassen die Tiere ihre Winterquartiere, um zu den Laichgründen, wo sie aufgewachsen sind, zurückzukehren. Nach der Winterstarre hüpfen die Kröten jedoch nicht so schnell und ruhen sich auf der Straße aus, erklärt Eckhard Simon. Im Frühjahr 2021 haben 36 Helfer, darunter Kinder und Jugendliche in Begleitung Erwachsener, insgesamt 2786 Amphibien gerettet.

In Kooperation mit dem Bauhof der Stadt Schmalkalden werden an sechs Teichen in der Zeit der Krötenwanderung die Amphibien von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des BUND über die Straßen gebracht. An einigen Teichen werden vom Bauhof Schutzmatten aufgestellt, an anderen Teichen ist das jedoch nicht möglich. Morgens und abends ziehen die Helfer los, um die in den Fangeinrichtungen an den Schutzmatten oder einfach auf der Straße sitzenden Kröten, Frösche, Molche oder auch Salamander sicher zu ihrem Laichgewässer zu bringen. Eine wichtige Maßnahme des Artenschutzes, die ebenfalls von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises gefördert wird.

Pflanzentausch-Börse

„Wohin mit den selbst gezogenen Setzlingen und 10000 Tomatenpflanzen auf dem Fensterbrett?“: Eine besondere Aktion in Schmalkalden ist die Pflanzentausch-Börse, die in Kooperation mit dem Gartenverein stattfindet, erzählt Eckhard Simon, der selbst gärtnert. 2021 musste die Tauschaktion coronabedingt ausfallen. „Wir hoffen, dass sie nun wieder stattfinden kann“, sagt das Ehepaar. In Verbindung mit dem Gartenverein lädt der BUND üblicherweise dazu ein, überzählige Setzlinge zum allgemeinen Tausch anzubieten. Nach den Eisheiligen gibt es einen Treffpunkt, wo jeder seine erfolgreich gezogenen Tomaten-, Zucchini-, Kürbis- oder andere Pflanzen hinbringen und im Gegenzug andere bekommen kann. Dabei fließt freilich kein Geld.

„Nur Schönheitsreparatur“

Der Kreisverband hat am 31. Oktober am gemeinsamem Aktionstag, des BUND in Thüringen, Hessen und Niedersachsen gegen die Werra-Versalzung durch den Düngemittelkonzern K+S teilgenommen. In Spichra bei Eisenach seien symbolisch vergiftete „Fische“ der Werra entstiegen.

Auch in Meiningen engagiert sich der BUND umweltpolitisch und hat gegen den Bau der B 19-Zufahrt geklagt. Denn: Zur Autobahnauffahrt Meiningen Nord soll ein „Canyon gebaggert“ werden. Dies hätte eine massive Landschaftszerstörung zur Folge. Trotz Umgehung würden dennoch Autos durch Helba fahren, sagt Simon. Es gebe also nur eine kleine Verbesserung für die Bewohner, die in keinem Verhältnis zu den möglichen Umweltschäden stehe. Trotz BUND-Kritik an dem Vorhaben sei die Planung „blindlings“ weitergeführt worden, schildert Eckhard Simon. Der BUND klagte. Wegen der Klage sei festgestellt worden, dass die Planungsunterlagen veraltet sind. Die Bodenverwertungs- und -verwaltungs (BVVG) GmbH Berlin gab dem Eilantrag auf aufschiebende Wirkung des Planfeststellungsbeschlusses 2020 statt. Am 8. September 2021 fand der Erörterungstermin vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zur Klärung von schwerwiegenden Planungsmängeln im Naturschutz statt. Der Freistaat lehnte die von der BVVG empfohlene Aufhebung des Verfahrens jedoch ab. Der BUND hätte mit dem Freistaat einen Vergleich verhandeln können, dies lehnte er aber ab. „Es wären nur Schönheitsreparaturen gewesen“, sagt Eckhard Simon. Nun kommt es im März 2022 zur Gerichtsverhandlung. Eine für den BUND akzeptable Variante wäre eine Tunnellösung.

Der BUND kritisiert zudem, dass der Flächenverbrauch ungebremst weitergeht: Als Beispiele werden das Gewerbegebiet An der Zwick mit 35 Hektar angeführt, die „völlig sinnlose Ortsumgehung“ in Obermaßfeld, gegen die am 5. Juni protestiert wurde, sowie der Golfplatz Oberhof.

Ausblick

Durch die Pandemie bedingt, haben im Jahr 2021 nicht alle Veranstaltungen und Umweltbildungsangebote wie geplant stattfinden können, bedauert der BUND. In diesem Jahr soll der Großteil der Bildungsveranstaltungen für Kinder und Erwachsene vom Frühjahr bis zum Herbst stattfinden. Gudrun Sickert plan zusammen mit einer Pädagogin für Kinder einen Waldtag in Schmalkalden, eine Neuheit im Jahresprogramm. Wann die üblichen „Wilden Samstage“ für Kinder, die Naturentdeckertage, Praxisseminare, Wanderungen und Vorträge in diesem Jahr stattfinden, ist im Programm 2022 enthalten und auf der Internetseite des BUND nachzulesen.

 

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