Der Kanzler reagierte bei einem Truppenbesuch im niedersächsischen Munster am Donnerstag nur indirekt auf Trump und bekräftigte die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft für eine starke Nato. Merz sagte: "Denn diese Arbeit leisten wir eben Schulter an Schulter zum gegenseitigen Nutzen und in tiefer transatlantischer Verbundenheit."
Außenminister Johann Wadephul gab sich bei einem Termin in der marokkanischen Hauptstadt Rabat gelassen. Was man von Trump gelesen habe, sei "die Ankündigung einer Überprüfung", sagte Wadephul. Dies sei nichts Neues. Dass sich die USA mehr auf den pazifischen Raum und China konzentrieren würden, werde von verschiedenen US-Administrationen seit längerer Zeit formuliert. "Ich sehe dem mit Gelassenheit entgegen."
In der RTL-Sendung "Nachtjournal Spezial" sagte Wadephul, es werde insgesamt eine Verschiebung von Kräften geben. "Wir müssen mehr übernehmen, wir müssen stärkere Schultern herausbilden. Deswegen wird sicher der europäische Pfeiler der NATO stärker werden."
Was bedeutet diese Eskalation für das deutsch-amerikanische Verhältnis?
Wie belastbar die Beziehung Trump-Merz ist, wird sich erst noch zeigen. Nach seinem ersten Washington-Gespräch hatte Merz die gute Gesprächsatmosphäre mit Trump gelobt. Noch im März musste er sich von Spanien mangelnde Solidarität angesichts der Kritik von Trump an dem Nato-Partner vorhalten lassen.
Nachdem sich Merz aber kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert, änderte Trump die Tonlage. "Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!", schrieb Trump über Merz. Es sei kein Wunder, "dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!".