Nahversorgung Kaltenwestheim Anlauf für einen Tante-Enso-Laden?

Der Dorfkonsum hat geschlossen. Und nun? Eine Arbeitsgruppe im Dorf will Lösungen für künftige Einkaufsmöglichkeiten im Dorf ausloten. Es gibt kurzfristige und längerfristige Ideen.

Ortsteilratsmitglied Jan Engel leitet die Arbeitsgruppe, die sich um die Nahversorgung im Dorf bemühen will. Foto:  

Kaltenwestheim - Schnell hatte sich die Arbeitsgruppe in der jüngsten Ortsteilratssitzung zusammengefunden: Sie will die Diskussion um den Ersatz für die weggebrochene Einkaufsmöglichkeit an Waren des täglichen Bedarfs konkret weiterführen. Ein Ausweg aus der Misere wird nicht morgen da sein, das wissen alle. Ortsteilbürgermeister Harald Heim hatte eingangs der Diskussion daran erinnert, dass er und auch Kaltennordheims Bürgermeister Erik Thürmer versucht hatten, Marktketten für Kaltenwestheim zu interessieren – doch der Anschluss, nachdem Brigitte und Herold Wuchert ihren Dorfladen zugeschlossen hatten, gelang eben nicht. „Jetzt haben wir zwar fahrende Händler im Dorf, aber das ist nicht das Gleiche wie ein Laden, in dem es von der Reißzwecke bis zum Steak alles gibt“, so Heim.

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Nun hat es ja den ehrenamtlichen Einkaufsservice für Senioren von Katrin Schwanz gegeben – zeitlich sei der freilich begrenzt, hatte diese von Anbeginn gesagt. Sobald sie das Dorf in Kürze wieder verlässt, steht er nicht mehr zur Verfügung. Dann gebe es die Idee, eine Überdachung für eine Art „Dorfmarkt-Haltestelle“ für fahrende Händler zu etablieren – einen kleinen Markt, wo man zugleich vieles einkaufen könnte. Unter der Überdachung könnten sich die Senioren auch treffen und das für den Sozialaustausch so wichtige Schwätzchen halten. Katrin Schwanz hatte schon ein paar Dinge parat: Für die Überdachung müsse man Geld einwerben, ein „Fundraising“ gründen. Mandy Vogler und die Kindergartenkinder wären schon mal dabei und würden Bilder malen, sagte die Initiatorin.

Auf lange Sicht freilich ist ein Markt für Kaltenwestheim wichtig, waren sich alle einig. Karin Schwanz hatte schon im alten Jahr dem Gemeinderat eine Handreichung gegeben, welche Möglichkeiten für einen Dorfladen eigentlich bestünden: ein teo-Markt von tegut oder ein Tante-Enso-Laden, wie er in Zella entstehen wird. Für letzteren waren 300 Gesellschafter zu je 100 Euro Beteiligung nötig – das wurde geschafft, „aber es war nicht ganz einfach“, wusste Mathias Schmidt, der ebenfalls Gesellschafter geworden ist, damit das Projekt klappt.

Vielleicht am Brunnen

Jan Engel hatte vom Ortsteilrat letztens die Aufgabe bekommen, mal seine Fühler in verschiedene Richtungen auszustrecken. Ergebnis: Zu Tante Enso habe er (noch) keinen Kontakt gefunden. Für den teo-Markt sei Kaltenwestheim zu klein, wusste Engel: „Die machen’s erst ab 1500 Einwohner.“ Das Argument, auch Käufer aus dem Durchfahrtsverkehr im Ort zu gewinnen, sahen manche ebenfalls skeptisch. Den Tante-Emma-Laden in Altengottern konnte Jan Engel trotz Bemühungen auch noch nicht kontaktieren. „Es ist alles schwierig, es dauert lange und man braucht einen Platz“, fasste er zusammen.

Ein Platz-Vorschlag wurde noch in der Ortsteilratssitzung geboren: Ralf Schmuck schlug eine Fläche an der Hauptstraße, unterhalb der Kirche am Brunnen in Richtung Altes Schloss vor. Dort gebe es ein Stückchen Gemeindeeigentum, wo sich auch Parkmöglichkeiten finden und das zentral gelegen ist. Standorte wie etwa am Rande des Dorfes (hinter dem Sportplatz, am Jugendklub), hatte die Diskussionsrunde im Ortsteilrat eher abgelehnt. Ralf Schmuck schlug vor, sich nun mit Zella in Verbindung zu setzen, wo die Organisatoren aus dem Dorf ja all das schon durch haben, was Kaltenwestheim noch vor sich hätte. Auch die Bereitschaft im Dorf, einen Genossenschaftsanteil am Lädchen zu erwerben, müsse man abklopfen.

Mathias Schmidt, der das Problem Nahversorgung wirklich gern lösen würde, hielt freilich mit einem Bedenken auch nicht hinterm Berg: „Ich habe Angst, dass der Laden nur als ein Lückenbüßer angesehen wird, wenn man mal was vergessen hat, eine Flasche Sekt oder so. Aber es müssen Leute dort ihren Wocheneinkauf machen, damit es sich auf Dauer trägt. Und bei den jungen, mobilen Leuten bin ich mir da einfach nicht so sicher, die bringen ihre Sachen von den umliegenden Märkten mit...“

Katrin Schwanz plädierte dafür, die Bemühungen zu „Tante Enso“ weiterzuführen. „Das wäre die gute langfristige Lösung.“ Sie hatte bereits im alten Jahr Vorteile dieses Konzepts zusammengetragen: Hier würden die individuellen Öffnungszeiten und das Sortiment durch die Gesellschafter bestimmt, es gebe Personal als Ansprechpartner für die Kunden, es sei ein sozialer Treffpunkt. Die Produkte kämen zu 60 Prozent von Edeka, es seien frische und regionale Produkte im Angebot. Auch eine Poststelle sei kombinierbar. Enso zahle Miete oder baue selbst, wenn kein Gebäude vorhanden ist.

Kaltenwestheim wird das Thema, darüber war man sich einig, weiter verfolgen – auch unter dem Aspekt, dass es in Thüringen Fördermöglichkeiten für den ländlichen Raum gibt. Einkauf vor Ort ist für nichtmobile Menschen, aber auch für das Dorf insgesamt von großer Bedeutung.