Nachruf Ein kreativer Kopf mit besonderer Energie

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Stefan Voß (geboren am 8. 12. 1965, gestorben am 19. 10. 2021). Quelle: Unbekannt

Stefan Voß, Chef der Meiningen GmbH, sprühte vor Ideen und wollte die Theaterstadt touristisch voranbringen. Doch ein aggressiver Krebs setzte seinem Leben ein frühes Ende.

Meiningen - Er lachte gern und redete gern. Und er konnte sich für Ideen begeistern, denen er zutraute, Meiningen bekannter und Touristen neugierig zu machen auf diese Stadt. Stefan Voß hatte noch viele Ideen. Er kann sie nicht mehr in die Tat umsetzen. Der Geschäftsführer der Meiningen GmbH starb am Dienstag dieser Woche an einem Krebsleiden, mit 55 Jahren.

Auch Bürgermeister Fabian Giesder trauert. „Stefan Voß war eine kreative Kraft mit besonderer Energie. Wenn ihn eine Sache begeisterte, dann ist er losmarschiert und hat alle Hebel in Bewegung gesetzt“, sagt das Stadtoberhaupt über den bisherigen Kopf des Kommunalunternehmens, das sich um das Stadtmarketing und den Tourismus ebenso kümmert wie um Wochen- und Jahrmärkte sowie die Sanierungsbetreuung verschiedener Meininger Immobilien. Zu dem Unternehmen gehört der Marktmeister und der Citymanager sowie die Mitarbeiter der Touristinformation und eines Sanierungsbüros.

Voß, ein gebürtiger Schleswig-Holsteiner, der in Neumünster geboren wurde und aufwuchs, trat im März 2019 den Chefposten in der noch jungen Meiningen GmbH an. Er kam aus Halle, wo er zehn Jahre Stadtmarketing-Leiter war. In der Großstadt an der Saale hatten die Verantwortlichen seinen Vertrag nicht verlängert. In der kleineren Stadt an der Werra hinterließ der studierte Politologe, der zuvor Zeitungsredakteur, Mitarbeiter in einer PR-Firma und Pressechef der Stadt Wolfsburg war, unter allen Bewerbern auf die Stellenausschreibung den größten Eindruck. Er fühlte sich rasch heimisch in der beschaulichen Stadt mit Theater und hübschen Bürgerhäusern, mit viel Grün und dem fränkischen Dialekt der Leute. „Mein Unglück in Halle wurde zu meinem neuen Glück in Meiningen“, sagte er einmal.

Ein Achtungszeichen setzte Voß mit seinem Team 2019 beim Meininger Weihnachtsmarkt, wo die Stadt leuchtete und strahlte wie nie zuvor. Bei dem deutschlandweiten Wettbewerb „Best Christmas City“ auf der Suche nach dem schönsten Weihnachtsmarkt wurde Meiningen zum Publikumsliebling gekürt.

Aufmerksamkeit für Meiningen schaffen – das war ganz nach dem Geschmack des Marketing-Experten. Und so mischte er heimlich und kräftig mit, als zunächst Unbekannte einen begrünten Musikflügel mitten auf den Marktplatz stellten und immer weitere Kunstobjekte hinzukamen. Er freute sich diebisch über das Rätselraten und Medienecho.

Als Geschäftsführer der städtischen GmbH wollte er Meiningens Gästezahlen steigern. „Da ist mehr drin. Das Potenzial ist da.“ Doch die Corona-Pandemie mit zeitweilig geschlossenen Gaststätten, Hotels und Pensionen machte ihm seinen Job schwerer. Aber es gab auch Lichtblicke. Als die Goetz-Höhle nach längerer Schließung unter einem neuen Eigentümer wieder öffnete, gehörte er zu den begeisterten Besuchern. Gern hätte er auch erlebt, wie das Eröffnungsband der Dampflok-Erlebniswelt feierlich durchtrennt wird. Die einmalige Ausstellung soll 2023 eingeweiht werden und Meiningen zusätzliche Gäste bescheren.

Sein früher Tod bestürzt viele. Auf Stefan Voß’ Facebook-Seite ist aktuell ein Zitat des französchen Dichters Charles Pierre Péguy zu lesen, das wie ein letzter Gruß an seine Freunde und Bekannten zu verstehen ist. Die ersten Sätze lauten: „Der Tod ist nichts, ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen. Ich bin ich, ihr seid ihr. Das was ich für euch war, bin ich immer noch.“ hi

 

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