Das Sinaloa-Kartell sei inzwischen eine stark dezentralisierte Organisation. „Wir sprechen hier nicht von einer Struktur, die von einigen wenigen Bossen abhängt - sie ist sehr diffus und widerstandsfähig gegen solche Schläge.“ Stattdessen können es nun zu einem Machtkampf um die Vorherrschaft und somit zu mehr Gewalt kommen.
Der mexikanische Kolumnist Héctor de Mauleón schrieb in der Zeitung „El Universal“, die Festnahme Zambadas könne viele in seinem Land nervös machen - aus Angst, dass „El Mayo“ auspackt. „In Mexiko kann das ein Erdbeben auslösen, denn Zambada ist der Drogenboss, der am längsten in Freiheit war.“
Mehrere Anklagen gegen Zambada in den USA
Das US-Außenministerium hatte eine Belohnung von bis zu 15 Millionen US-Dollar (13,8 Mio Euro) für Informationen ausgesetzt, die zur Festnahme Zambadas führen könnten. Gegen ihn liegen mehrere Anklagen in den USA vor, unter anderem wegen Verschwörung zur Herstellung von Kokain, Heroin, Methamphetamin und Fentanyl, zu Mord und Geldwäsche.
Zambada war nach „El Chapos“ Festnahme im Jahr 2016 Chef eines Teils des Sinaloa-Kartells geblieben. „„El Chapo“ verbüßt in den USA eine lebenslange Haftstrafe. Vier seiner Söhne, die als „Los Chapitos“ („die kleinen Chapos“) bekannt sind, traten als Anführer einer weiteren Fraktion auf - darunter auch der nun festgenommene Guzmán López.
Der jüngste von ihnen, Ovidio Guzmán, wurde festgenommen und im September von Mexiko an die USA ausgeliefert. Nach Angaben der US-Strafvollzugsbehörde wurde er erst vor zwei Tagen aus der Haft entlassen - ohne dass es ein Gerichtsverfahren und Verurteilung gegeben hätte.
„El Mayos“ Sohn in den USA wieder frei
Auch „El Mayos“ Sohn, Vicente Zambada Niebla, ist in den USA wieder frei. 2019 wurde er dort zu 15 Jahren Haft verurteilt, er kooperierte später mit den Justizbehörden und wurde vorzeitig freigelassen.
Neben zahlreichen kleineren Banden gibt es in Mexiko zwei große Drogenkartelle, die aus den Bundesstaaten Sinaloa und Jalisco stammen. Sie liefern sich gewalttätige Auseinandersetzungen um die Kontrolle des Drogenhandels und der Schleusung von Migranten, die in die USA gelangen wollen.
Die Festnahmen von Drogenbossen führen häufig zu einer Zunahme der Gewalt. Im vergangenen Jahr wurden in Mexiko, das rund 126 Millionen Einwohner hat, mehr als 30.000 Morde registriert.