Nach Corona-Ausbruch Kreis empfiehlt Neuhäuser Gymnasium zu schließen

Ein Corona-Ausbruch am Neuhäuser Gymnasium treibt die Inzidenz im Landkreis deutlich nach oben. Drohen deshalb nun überall zwische Rennsteig und Sonneberg härtere Eindämmungsmaßnahmen?

Neuhaus am Rennweg/Sonneberg - Wie das Landratsamt am Dienstag informierte, hatte sich binnen 24 Stunden der Verdacht auf eine Corona-Ansteckung bei 29 Landkreisbewohnern bestätigt. Auf der Basis von 63 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen –  und hochgerechnet auf 100 000 Einwohner  – ergab sich damit für Dienstag eine Inzidenz von 110. Bleibt es über drei Tage hinweg bei einem Wert über der 100er-Schwelle, gilt die Warnstufe 2. Wie berichtet, befindet sich der Kreis seit Sonnabend in der Warnstufe 1. Immerhin der Zusatzindikator, der Auskunft gibt über die Auslastung der Krankenhäuser, verbleibt auf   bisherigem Niveau bzw. im grünen Bereich: Unverändert sind zwei Menschen auf ärztliche Behandlung ihrer Covid 19-Erkrankung in den Medinos-Kliniken angewiesen. Das entspricht, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner, einer Hospitalisierungs-Inzidenz von 3,5. Die Basisstufe (grün) wird erst ab eine Wert von 4,0 verlassen.

Gegenüber Freies Wort sprach Kreissprecher Michael Volk mit Blick auf die Nachbarkreise von einer erwartbaren Entwicklung nun auch in Sonneberg. „Man konnte ja lange das Gefühl haben, dass wir die  letzte grüne Insel auf  einer sonst durchweg roten Karte sind.“  Hildburghausen beispielsweise ist schon am Montag in die Warnstufe 2 gewechselt. 

Die Analyse des zunehmend dynamischen Infektionsgeschehens im Landkreis der letzten Tage lässt für das Landratsamt als untere Gesundheitsbehörde erkennen, dass sich das Coronavirus derzeit über die Schulen im Kreis verbreitet. Gegenwärtig, so Kreissprecher Volk,  gibt es einen Ausbruchsschwerpunkt am Gymnasium Neuhaus am Rennweg, der in den Familien zu weiteren Ansteckungen führt und über die Geschwisterkinder in andere Schulen und Kindertageseinrichtungen strahlt. So gibt es derzeit weitere Fälle in der Nordschule Steinach, in der Grundschule Oberlind, in der Gemeinschaftsschule Schalkau und im Kindergarten Bachfeld. „Das Infektionsgeschehen im Landkreis  ist daher auf wenige Einrichtungen eingrenzbar.“

Die Regelmaßnahmen des Thüringer Eindämmungserlasses beziehen sich allerdings auf Gaststätten, öffentliche Veranstaltungen, Fitnessstudios, Saunen, Schwimmbäder und entgeltliche Übernachtungsangebote. „Kein aktuell positiv getesteter Fall hat seinen Ursprung in diesen Bereichen“, so der Sprecher.

 Aus Sicht des Landratsamtes seien daher zum jetzigen Zeitpunkt im Kreisgebiet diese Einrichtungen betreffend keine weiteren Schutzmaßnahmen mittels Allgemeinverfügung entsprechend des Thüringer Corona-Eindämmungserlasses erforderlich bzw. sinnvoll.

„Die wesentlich ansteckendere Delta-Variante ist bei den hiesigen Neuansteckungen flächendeckend nachweisbar. Als weisungsgebundene untere Gesundheitsbehörde stehen wir in Bezug auf das weitere Vorgehen in Abstimmung mit den übergeordneten Fachbehörden des Freistaates, konkret mit dem   Gesundheitsministerium, mit dem   Landesverwaltungsamt und dem   Bildungsministerium.“ Erfurt  gegenüber habe man  darauf hingewiesen, dass es sich bei allen Fällen an den Schulen um Zufallsbefunde handelt, da flächendeckende Reihentestungen an den Schulen aufgrund der vom Land geschaffenen Rechtslage nicht vorgenommen werden. Volk macht deutlich, dass aktuell bemüht ist den Ball flach zu halten, was ein etwaig allzu rigoroses Eindämmungs-Management angeht: „Aufgrund unseres Infektionsgeschehens haben wir dringend angeraten, die allgemeine Testpflicht an den Schulen unabhängig von den jeweiligen Warnstufen wieder einzuführen. Hiermit könnte man die positiven Fälle an den Schulen frühzeitig erkennen und die Ausbreitung des Virus eindämmen. Bezüglich des Gymnasiums Neuhaus  raten wir eine Schließung  an, da bereits in acht Klassen positive Fälle festgestellt wurden und vor Ort ein diffuses lokales Infektionsgeschehen festzustellen ist.“ Da das  Virus von den Kindern und Jugendlichen in die Vereine weitergetragen wird, halte man  auch hier strengere Regelungen für sinnvoll. „Diesbezügliche Entscheidungen kann das Landratsamt Sonneberg aufgrund der Rechtslage jedoch nicht anordnen.“

Eine Rückmeldung auf die Bitte um Prüfung der Landkreis-Vorschläge durch das Land stehe noch aus, heißt es.

Autor

 

Bilder