Nach 2 Jahren Pause Grippe-Saison in Thüringen hat begonnen

Geht das jetzt wieder los? Foto: picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa/Maurizio Gambarini

Vergleichsweise früh und parallel zur Herbstwelle bei den Corona-Infektionen macht derzeit in Thüringen die echte Grippe (Influenza) die Runde. Auch andere Atemwegserkrankungen grassieren.

Aus Thüringen werden die ersten Fälle von Virusgrippe der Saison 2022/23 gemeldet. Bislang seien im Freistaat 241 Influenza-Fälle mit Labordiagnosen nachgewiesen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Erfurt am Freitag mit. Mehr als die Hälfte davon seien in der ersten Woche der Herbstferien erfasst worden.

Mit insgesamt rund 500 Influenza-Krankschreibungen galt die vergangene Grippe-Saison 2021/22 als praktisch ausgefallen. Am Ende der Saison bilanzierte die Krankenversicherung Barmer im März die geringste Quote von Krankschreibungen wegen Grippe unter den Bundesländern in Thüringen. Die Zahlen lassen sich jedoch nur bedingt vergleichen. Bei den mit Labordiagnosen bestätigten Influenza-Fällen gehen Experten nämlich von einer hohen Dunkelziffer aus. Hier würden nur überprüfte Fälle registriert. Vielfach würden Ärzte jedoch wegen der eindeutigen Symptome auf eine Labordiagnostik verzichten und solche Fälle dann auch nicht amtlich registriert. Dadurch sind die Zahlen der Krankenversicherungen aus den Krankschreibungen ihrer Versicherten genauer.

Typischerweise beginnt die Grippewelle erst im November und erreicht ihren Höhepunkt im Februar und März. Auch in der gesamten Saison 2020/21 hatte es sehr wenige Grippe-Infektionen gegeben. Als Grund dafür gelten die Schutzmaßnahmen in der Corona-Pandemie. So verhindere das Tragen von FFP2-Masken nicht nur eine Infektion mit dem Coronavirus, sondern auch mit der Grippe, sagen Mediziner. Nun wird befürchtet, dass die Menschen die Infektionen „nachholen“. Ersten Erfahrungen von der Südhalbkugel zufolge, wo jetzt Frühjahr ist, traf dieser Effekt vor allem Kinder und Jugendliche.

Insgesamt sei die Bevölkerung in den vergangenen Jahren seit Beginn der Corona-Pandemie weniger mit dem Influenzavirus in Kontakt gekommen, sagt die Landesgeschäftsführerin der Barmer, Birgit Dziuk. „Da das Immunsystem über zweieinhalb Jahre weniger trainiert wurde, ist die Grippeschutzimpfung in diesem Herbst um so wichtiger.“

Im aktuellen Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) wird darauf hingewiesen, dass die Zahl der Atemwegserkrankungen bundesweit weiterhin über dem „vorpandemischen Niveau“ liege. Zu den akuten Atemwegserkrankungen zählten neben Covid 19 aber auch Influenzaviren, Rhinoviren und Respiratorische Synzytialviren. Letztere treffen insbesondere kleine Kinder und verursachen hier grippeähnliche Symptome wie Fieber, Husten, Schnupfen und Mittelohrentzündungen.

Die Hausärzte in Thüringen haben nach Angaben ihres Verbandsvorsitzenden Ulf Zitterbart bereits Ende September mit den Grippeschutzimpfungen begonnen. Hier sei die Nachfrage von Patienten größer als die nach Corona-Auffrischungsimpfungen. Die Empfehlung für eine Grippeschutzimpfung richtet sich insbesondere an ältere Menschen, chronisch Kranke und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Neuerdings sind auch Apotheken zur Grippeschutzimpfung berechtigt. Voraussetzung ist, dass das dortige Personal dafür geschult wurde und die Apotheken über geeignete Räume verfügen. Zudem müssen es die Apotheken beim Landesamt für Verbraucherschutz anzeigen, wenn sie impfen. Bis vor einigen Tagen waren hier noch keine solchen Meldungen eingegangen.

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