Mysteriöser Stein Der Donnershauk und sein Rätsel

Walter Bickel, ehemaliger Bürgermeister von Oberschönau und passionierter Jäger, kennt die Geschichten über den Donnershauk bestens. Der Steinblock mit den quadratischen Vertiefungen gibt aber noch Rätsel auf. Foto: Emil Keller

Nahe Oberschönau, unmittelbar am Rennsteig, liegt der Donnershauk. Mit 893 Metern überragt er die umliegenden Berge. Historische Schriften lassen dort eine einstige Kultstätte vermuten. Bis heute gibt das Bergmassiv noch weitere Rätsel auf.

Oberschönau - Die Lage des kleinen Erholungsortes ist schon beeindruckend. In einem Talkessel liegend wird dieser Ortsteil Steinbach-Hallenbergs von einer Vielzahl hoher Berge umsäumt.

Immerhin ragen einige mit ihren Gipfeln weit über 800 Meter gen Himmel. In vorderster Front stehen dabei der Große Hermannsberg, die Hohe Möst und der Donnershauk, der 893 Höhenmeter aufweisen kann und noch in Sichtweite des Ortes liegt.

Wie aus historischen Schriften hervorgeht, hatten Berggipfel eine besondere Bedeutung bei der Ausübung damaliger Glaubensrichtungen. Besonders eindrucksvolle Erhebungen wurden Wallfahrtsort zur Abhaltung von Volksfesten oder auch Gerichtsstätten. Die dortigen Zusammenkünfte waren stets mit religiösen Feierlichkeiten oder Ritualen verbunden. Je höher ein Berggipfel dem Himmel zugekehrt war, desto näher fühlten sich die dort Andächtigen ihren Gottheiten.

Hieraus resultierend, gehört der Donnershauk auch zu den sagenumwobenen Berggipfeln in unmittelbarer Nähe des Rennsteigs. Historische Untersuchungen leiten dies auch aus der Namensgebung des Berges ab. Der Namensteil „Donner“ bezieht sich auf den germanischen Gott Donar und „Hauk“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet Berg. Dies wird auch sichtbar in der ehemaligen Bezeichnung des Berges als „Donarshaugk“.

War hier eine Kultstätte?

Ob sich auf dem Berggipfel eine Kultstätte befunden hat, konnte bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden. Bei Erz-Schürfarbeiten fanden allerdings ehemalige Bergleute ein historisches Steinbeil sowie einen Handmahlstein. Dies könnte auf die Anwesenheit heidnischer Wallfahrer hindeuten.

Eine Besiedlung auf dem wasserlosen Berggipfel hat nach heutigen Erkenntnissen nicht stattgefunden. Ein noch heute sichtbares Rätsel ist ein in Gipfelnähe liegender, unregelmäßig geformter Steinblock. Längen- und Breitenabmessungen können mit circa 170 und 85 Zentimeter beziffert werden. Die Dicke beläuft sich im sichtbaren Bereich auf circa 45 Zentimeter, wobei der untere Teil des Steines im Boden eingelagert ist. Auffällig sind zwei fast quadratisch eingearbeitete Löcher mit einer Tiefe von 12 Zentimetern.

Diese geben dem Stein im Zusammenhang mit seiner Grundform nahezu menschliche Gesichtszüge. Weitere Fragen wirft die Struktur des Steines auf. Er besteht aus Quarzporphyr mit feinkörniger grauroter Grundmasse und ist dem auf der Hohen Möst vorkommenden Porphyr zuzuordnen und weicht also somit von den örtlichen Gesteinsformationen des Donnershauk erheblich ab.

Ungeklärt bleibt auch, wer diesen tonnenschweren Stein zum Donnershauk brachte und warum er nicht am Gipfel des Berges vorgefunden wurde, sondern etwa 300 Meter entfernt auf einem Plateau.

Somit bleibt der Mythos dieses Steines vorerst ungeklärt. Anfang des vorigen Jahrhunderts gingen Historiker und Heimatforscher von einer Zuordnung als Opfer- und Ritualstein aus. Heute wird von einem nicht fertiggestellten Mühlstein gesprochen, ohne auf nähere analytische Untersuchungen zurück greifen zu können.

Einst Turm geplant

Walter Bickel, der ehemalige Bürgermeister von Oberschönau, hat in seinem kleinen Privat-Archiv eine Vielzahl historischer Dokumente und Informationen zu seinem Heimatort gesammelt. Hieraus geht hervor, dass auch im vergangenen Jahrhundert die imposante Lage des Donnershauk von großem Interesse war. So stand Anfang des vorigen Jahrhunderts ein hölzerner Aussichtsturm auf dem Gipfel. 1926 gab es in den umliegenden Ortschaften eine Spendenaktion zur Errichtung eines Reichsehrenmals an gleicher Stelle.

Während des Dritten Reiches wurde der Oberschönauer Bevölkerung bereits ein großflächiges Projekt, einschließlich der Errichtung eines 30 Meter hohen, steinernen Turmes vorgestellt. Dieses wurde später wieder verworfen. In den 1980-er Jahren zeigte dann die WISMUT nochmals Interesse am Bergmassiv. Bohrungen und horizontale Erkundungsstollen wurden eingebracht. Die Ergebnisse auf der Suche nach dem begehrten Uran-Erz waren aber nicht erfolgversprechend. Heute genießt man die Ruhe auf den Höhenzügen entlang des Rennsteigs, eventuell begleitet von fernen Geräuschen eines Holzeinschlages. Wer auf dem Rennsteig unterwegs sein sollte, kann zwischen Hirtenrasen und Gustav-Freytag-Stein nach rechts in den beschrankten Forstweg einbiegen. Nach etwa 500 Metern erreicht man sowohl die Bergkuppe des Donnershauk, als auch den mysteriösen Porphyr-Stein. Eine gute Möglichkeit sich auf diese Weise von den geschilderten Überlieferungen am Originalschauplatz selbst beeindrucken zu lassen.

 

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