Musiksommer Bach trifft auf minimalistische Musik

Berit Richter

Bachs „Kunst der Fuge“ trifft auf minimalistische Musik. Ein „Dialog“, der zum MDR-Musiksommer gut ankommt.

Die Lautten Compagney spielte in der Bachkirche. Foto: /Berit Richter

32. Auflage, 53 Konzerte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, zwei davon im Ilm-Kreis – so die nackten Fakten zum MDR-Musiksommer. Deutlich emotionaler war das, was die Lautten Compagney Berlin, eines der renommiertesten Originalklang-Ensembles, bei ihrem Auftritt in der Bachkirche bot. „Bachs Spielfeld 2“ hatte jenes sein Konzert überschrieben. Die Nummer Zwei deshalb, weil das Programm zuvor bereits in Eisleben gespielt worden war. Aber die Bachkirche, da waren sich die Musiker einig, böte natürlich noch eine ganz andere Akustik um Johann Sebastian Bachs „Die Kunst der Fuge“ auf Musik des US-Minimalisten Philip Glass treffen zu lassen.

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„Die Kunst der Fuge ist nicht instrumentiert. Das ist eine Musik, die kann man instrumentieren, verändern und interpretieren, genau das machen wir heute Abend“, kündigte Wolfgang Katschner, der Leiter des Ensembles an. Und versprach damit nicht zu viel. Was das Publikum in den folgenden zwei Stunden zu hören bekam, war eine durchweg gelungene Mischung, mit vielen Überraschungen. Kontrapunkte wurden dabei auch räumlich gesetzt, wenn sich immer wieder Musiker aus dem Altarraum lösten und ihre Instrumente im hinteren Teil des Kirchenschiffes erklingen ließen.

„Wir haben erst einmal die Instrumente verteilt, also wer spielt welche Stimme wann“, erklärte Arrangeur und Komponist Bo Wiget das Herangehen. „Dann war zu überlegen, kann man dieses wahnsinnige Geflecht von Bach etwas entzerren, um bisschen Raum zum Atmen zu schaffen. Das habe ich mit ganz kleinen Eingriffen da und dort versucht.“ Gepaart wurde dies mit Musik von Philip Glass, der für seine „Minimal Musik“ bekannt ist. Also eine Musik, die weitgehend die Konventionen des Komponierens, wie sie im westlichen Kulturkreis bis dahin galten, ignorierte, sich vielmehr von asiatischer oder afrikanischer Musik inspirieren ließ. Das glatte Gegenteil von jener kompositorischen Perfektion, wie sie Bach mit seiner „Kunst der Fuge“ an den Tag legte, die alle möglichen Variationen eines Themas ausloten wollte mit ihrer Kombination aus Fugen, Doppelfugen und Spiegelfugen. Ein Widerspruch in sich? Zwei unvereinbare Komponistenstile, die nicht zusammenpassen? Mit Nichten, wie sich schnell zeigte. Der Lautten Compagney gelang es auf Vortrefflichste Barockes und Modernes, Ausuferndes und Minimalistisches zu verbinden und so einen ganz besonderen Klangteppich zu weben, der immer wieder Überraschungen bereit hielt. Bo Wiget hatte nämlich einige Bach-Fugen so dekonstruiert, dass sie sich in langsam pulsierende Formen verwandelten, inklusive elektronischer Klangverfremdung. Das klang manchmal für westliche Ohren einen Moment schrill-disharmonisch, verwandelte sich aber schnell wieder zu harmonischen Klängen, die in bester Klassikmanier durchs Gotteshaus wehten.

Abgerundet wurde das Spiel des Ensembles durch freie Interpretation des Fugen-Hauptthemas auf dem Cello und der Blockflöte. Auch dies sorgte dafür, dass an diesem Abend in der Bachkirche Bach erklang und doch ein Bach, wie man ihn so noch nie hörte. Eine faszinierende musikalische Kommunikation über Zeit- und Stilgrenzen hinweg, vorgetragen von einem Ensemble, das bekannt für Aufführungen nach dem Motto „Originalklang, aber zeitgemäß interpretiert“ ist. Ein Ruf, dem man auch diesmal gerecht wurde.

Tom Gaebel in Ilmenau

Am 27. Juli wird der MDR-Musiksommer erstmals in der Ilmenauer Festhalle zu Gast sein. Bigband-Sounds und Jazzklänge sind zu hören, wenn „Dr. Swing“ Tom Gaebel mit seiner Band aufspielt. Die besten eigenen Songs sind ebenso angekündigt wie Klassiker von Frank Sinatra („My Way“, „Old Man River“), ein Medley mit berühmten Rat-Pack-Hits, Evergreens von Tom Jones und Nat King , ein James Bond-Medley und deutsche Songs zum Beispiel aus dem legendären „Dschungelbuch“-Soundtrack.