„Wir haben erst einmal die Instrumente verteilt, also wer spielt welche Stimme wann“, erklärte Arrangeur und Komponist Bo Wiget das Herangehen. „Dann war zu überlegen, kann man dieses wahnsinnige Geflecht von Bach etwas entzerren, um bisschen Raum zum Atmen zu schaffen. Das habe ich mit ganz kleinen Eingriffen da und dort versucht.“ Gepaart wurde dies mit Musik von Philip Glass, der für seine „Minimal Musik“ bekannt ist. Also eine Musik, die weitgehend die Konventionen des Komponierens, wie sie im westlichen Kulturkreis bis dahin galten, ignorierte, sich vielmehr von asiatischer oder afrikanischer Musik inspirieren ließ. Das glatte Gegenteil von jener kompositorischen Perfektion, wie sie Bach mit seiner „Kunst der Fuge“ an den Tag legte, die alle möglichen Variationen eines Themas ausloten wollte mit ihrer Kombination aus Fugen, Doppelfugen und Spiegelfugen. Ein Widerspruch in sich? Zwei unvereinbare Komponistenstile, die nicht zusammenpassen? Mit Nichten, wie sich schnell zeigte. Der Lautten Compagney gelang es auf Vortrefflichste Barockes und Modernes, Ausuferndes und Minimalistisches zu verbinden und so einen ganz besonderen Klangteppich zu weben, der immer wieder Überraschungen bereit hielt. Bo Wiget hatte nämlich einige Bach-Fugen so dekonstruiert, dass sie sich in langsam pulsierende Formen verwandelten, inklusive elektronischer Klangverfremdung. Das klang manchmal für westliche Ohren einen Moment schrill-disharmonisch, verwandelte sich aber schnell wieder zu harmonischen Klängen, die in bester Klassikmanier durchs Gotteshaus wehten.