Musikantenstammtisch Mundart rockt den Saal

Doris Hein

Das ist Heimat: Die Mundart zwischen Rennsteig und Röthen begeistert jeden. Der 90. Sänger- und Musikantenstammtisch in Neuhaus führte deshalb zu einem freudigen gemeinsamen Gesang von Publikum und Musikgruppen.

Neuhaus am Rennweg - „Ich habe mich so danach gesehnt! Es ist doch meine einzige Freude, außerhalb der Familie. Sonst sitze ich ja mutterseelenallein zu Hause...“ Traudel Bittner war am Donnerstagabend zu Gast beim Sänger- und Musikantenstammtisch, zu dem die Volkshochschule des Landkreises Sonneberg und die Gruppe „Kantholz“ eingeladen hatten. So wie eigentlich schon seit Jahrzehnten. Doch wegen Corona musste die beliebte Veranstaltung fast zwei Jahre lang pausieren.

Stammtisch gehört dazu

Für die zahlreichen Stammgäste eine regelrechte Katastrophe. Denn so wie für die Lauschaerin war auch für viele andere Musikfreunde der Zuhör-, Schunkel- und Mitsing-Abend mit Edelgard Ehrhardt, Dieter Hoffmann, Peter Lautenschläger, Reinhard Hofmann und Alfons Wimmer ein fester Bestandteil ihres Lebens, auf den sie nur notgedrungen so lange verzichtet hatten. Die Gemütlichkeit, das Beisammensein, die Künstler – das alles habe man schmerzlich vermisst, hieß es an den voll besetzten Tischen im Saal des Neuhäuser Gasthofs „Hirsch“.

Der Raum war eigentlich eine „Ersatzlösung“ , denn traditionell hatten die „Kanthölzer“ stets in die Feuerwache der Rennsteigstadt eingeladen, wo aktuell aber keine Kulturveranstaltungen möglich sind. Doch der „Ersatz“ war gut gewählt. So mancher Gast testete vorab in gemütlicher Runde noch die Speisekarte und natürlich brauchten alle etwas zum Anfeuchten der Kehlen für den gemeinsamen Gesang.

Genau den hatte auch Dirk Eichhorn besonders vermisst, denn als Leiter des Männerchores Schmalenbuche schätzt er ein: „Wir alle haben anderthalb Jahre verloren, eine lange Zeit, in der die Menschen älter, vorsichtiger, zurückhaltender geworden sind.“ Damit meint er sowohl die Sänger als auch deren Publikum. Mit dem Projektchor „Männerstimmen“ wolle man jetzt gegensteuern...

Eichhorns Sangesbruder Günter Hayn haben vor allem die Auftritte gefehlt, mit denen er und seine Mitstreiter, etwa beim Gesangverein Steinach 1838, vor Corona ihrem Publikum regelmäßig viel Freude bereitet haben. Das Miteinander, die gemeinsamen Proben, etwas Neues zu lernen – all das hofft er nun wieder regelmäßig tun zu können. Erst einmal aber genossen beide den Abend im „Hirsch“.

Dort gab es reichlich Altbewährtes, gemischt mit eindrucksvollem Neuem. Da es sich hierbei um die neunzigste Veranstaltung dieser Art und somit gewissermaßen um ein Jubiläum handelte, kamen seitens der Organisatoren auch zahlreiche Lieder von Kantholz-Gründer Horst Traut zu Gehör.

Etwa der „Zwitscherer“, mit dem die Musikanten auf den stimmungsvollen Abend einstimmten. Aber auch Ursel Müllers „Ho, du bist a do“ oder Günter Langhammers „Schwalben im Herbst“, beides von Traut vertont. Dazu kam eine bunte Mischung beliebter Melodien, vom Walzer über Klezmer-Klänge bis hin zum Volkslied, fast alles zum Mitsingen.

Beim Mundartlied vom „Jörchla“ trällerte Bittner dann besonders laut mit, war es doch eine schöne Erinnerung an Zeiten, da sie selbst als Sängerin mit den „Lauschatalern“ durchs Land zog.

Heiteres und Besinnliches in Wort und Ton hatte Gustav Luthardt aus Mengersgereuth-Hämmern im Gepäck. Der Mundartautor war nicht zum ersten Mal in dieser Runde zu Gast. Schnell fanden er und sein Publikum einen Draht zueinander, während der Sänger, Dichter und „Holzwurm“ seinen unnachahmlichen Humor versprühte.

Etwa in seiner Geschichte von den Bazillen, Bakterien und Viren, die keine Grenzen kennen und heutzutage neben den Menschen sogar die Computer befallen. Oder mit seinen Liedern vom Maikäfer und von der Jugend, „in der man noch Seifenblasen im Kopf hat...“

Als weiteren Gast konnte „Kantholz“ das Musikschulquartett „4Klang“ begrüßen.

Nach ihren Erfolgen in Sonneberg und Umgebung begeisterten Annette Walther, Juliane Hoffmann, Roland Brehm und Aaron Heinrich mit Musik aus aller Welt endlich auch einmal das Publikum in der Rennsteigregion, das von der Vielfalt der Darbietungen zwischen Bossa Nova und Tango ebenso beeindruckt war wie vom harmonischen Zusammenspiel der vier. Besonderen Applaus verdienten sich die beiden Damen mit ihren eindrucksvollen Gesangsstimmen, etwa beim Duett um den schwarzen Kater Stanislaus.

Zugaben gefordert

Den Beweis, dass den Musikern in der Rennsteigregion um Nachwuchs nicht bange sein braucht, lieferten Gina Marie Ehrhardt und Tobias Hein, bis vor Kurzem noch Schüler der Musikschule Sonneberg. Sie überraschten mit „Quizás“ und wurden prompt um eine Zugabe gebeten. Um solche kamen auch alle anderen Akteure des Abends nicht herum. Ein Zeichen dafür, wie begeistert das treue Publikum von den Darbietungen war, auf die es so lange hatte warten müssen.

Zum Abschied sangen alle gemeinsam „Freunde, jetzt geh’n wir heim“. Doch die nächsten beiden Termine mit „Kantholz“ sind schon geplant: Am 19. November in der Jugendstilkirche in Lauscha und am 9. Dezember beim weihnachtlichen Musikantenstammtisch in Neuhaus...

 

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