- Übrigens: Die japanische Nationalhymne „Kimi Ga Yo“ beinhaltet den ältesten Text (um 905 n. Chr,). Ihre Melodie wurde jedoch erst am Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben.
- Als Einheit von Text und Melodie ist die seit dem 16. Jahrhundert gesungene niederländische Hymne „Het Wilhelmus“ die älteste der heutigen Nationalhymnen.
Geografische Lage und gesellschaftlicher Einfluss
- Länder, die näher am Äquator liegen, beinhalten in ihren Hymne tendenziell ein höheres Maß an musikslischer Energie und Dynamik.
- Die Hymnen von Nationen höherer Breiten sind dagegen tendenziell ruhiger und entspannter.
- Aber auch unter ihnen gibt es Unterschiede: Nördliche Länder haben eher traurige, äquatoriale und südliche Länder eher fröhliche Hymnen.
- Im Gegensatz dazu zeigten Emotionen wie Wut und Angst eher eine Ost-West-Verteilung:
- Diese Gefühle tauchen vor allem in den Hymnen von Ländern der westlichen Hemisphäre auf.
- In der östlichen Hemisphäre überwiegen hingegen Nationalhymnen mit positiver Grundstimmung.
- Aber auch zwischen den Kontinenten gibt es Unterschiede:
- So transportieren zum Beispiel Nationalhymnen aus Ozeanien am meisten Freude, wie die KI-Analysen ergaben.
- Hymnen aus Nord- und Südamerika sind generell angespannter, ängstlicher und negativer als die aus anderen Weltregionen. Das lässt sie intensiver und dringlicher klingen.
- Auch die Kultur und Gesellschaftsform haben großen einen Einfluss auf die Nationalhymne: Kollektivistische Länder mit starker Hierarchie und großem Machtgefälle wie Ekuador haben energischere, kraftvollere Hymnen.
- Individualistischere Kulturen mit flachen Hierarchien und hoher Autonomie der Bevölkerung wie Dänemark oder Neuseeland haben hingegen Hymnen mit wenig Perkussion, die sanfter, ruhiger und weniger angespannt sind, wie die Analyse ergab.
- „Nachgiebige Gesellschaften, die Genuss und Befriedigung von Wünschen betonen, neigen zu Hymnen, die ein höheres Maß an Angst ausdrücken“, fanden die Forscher heraus.
- Global betrachtet am fröhlichsten sind die Staatshymnen der Westsahara und China. Die traurigsten hingegen sind die von Japan, Israel und Liechtenstein.
- Ein besonders hohes Maß an Wut zeigen dagegen beispielsweise die Hymnen von Katar, Sudan und Nigeria.
- Von starker Angst zeugen die Nationalhymnen Katars, Jamaikas und Liechtensteins.
- Die deutsche Nationalhymne sticht in keiner Gefühlskategorie besonders hervor und zeigt gemischte Merkmale: Sie ist tendenziell eher getragen, hat aber zugleich eine positive Grundstimmung.
Hymnen verraten emotionales Erbe
„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Nationalhymnen sowohl geografische als auch kulturelle Merkmale von Nationen in ihrem musikalischen Ausdruck widerspiegeln“, erklärt Toiviainen. „Das bietet eine neue Möglichkeit, nationale Identität durch Musik zu betrachten.“
Allerdings, so die Forscher weiter, spiegelten Nationalhymnen nicht per se „die aktuelle (oder frühere) Stimmung und Identifikation der Bevölkerung mit ihren Nationalhymnen wider“.