Museumsstück des Monats Zwei Hälften finden wieder zueinander

Laura Körnig

Ein unvollständiges Porzellan-Service erzählt die Geschichte zweier Erbinnen und ihrer Großmutter. Nun wird es im neuen Sammlungszentrum Henneberger Land wieder vereint.

Das Porzellan-Service aus Kloster Veßra, 1912–1914, Material: Porzellan. Technik: gegossen, glasiert, gebrannt. Inschrift (Porzellanmarke): „F. & L. Kloster Vessra“. Foto: Museumsarchiv

Die Sammlungsobjekte des Hennebergischen Museums Kloster Veßra ziehen derzeit um. Von Standorten, die den Erhalt der Objekte nicht garantieren konnten, geht es nun in die ehemalige Porzellanfabrik neben dem Museumsgelände. Seit Beginn des Jahres ist das Team Sammlung mit dem Umzug beschäftigt, wobei die Planung und Vorarbeit hierfür bereits viel früher begonnen haben.

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Seit vorigem Jahr ist das Gebäude der ehemaligen Porzellanfabrik für das Naturhistorische Museum Schloss Bertholdsburg Schleusingen, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und das Hennebergische Museum Kloster Veßra als Gemeinschaftsdepot Sammlungszentrum Henneberger Land nutzbar.

Konkurs im Jahr 1934

Das fünfgeschossige Gebäude wurde 1914/15 als Porzellanfabrik errichtet. In unmittelbarer Nähe befand sich eine Massemühle, die aus der einstigen Klostermühle entstand. Der Betrieb hatte wechselnde Namen, bis er ab 1912 „Porzellanfabrik Kloster Veßra“ hieß. Die Inhaber waren Oskar Fischer und Theodor Lehmann. 1934 meldete die Firma Konkurs an.

Unter anderem zieht gerade ein unvollständiges Porzellan-Service in das Sammlungszentrum ein. Das Service ist erst im März in den Bestand der Sammlung aufgenommen worden. Obwohl derzeit eigentlich ein Sammlungs-Stopp besteht, wurde hierfür eine Ausnahme gemacht. Es handelt sich nämlich um Porzellan, das einst in Kloster Veßra in der Porzellanfabrik produziert wurde.

Es besteht aus sechs Suppentellern, fünf Speisetellern, fünf Kuchentellern, sechs Desserttellern, einer Sauciere, einer quadratischen Schale, einem Schälchen, einer Platte und einer Suppenterrine mit Deckel. Das Porzellan ist weiß glasiert und hat einen Goldrand aus aneinander gereihten Bögen. Die Teller ziert außerdem eine zarte Goldlinie, die die Vertiefung in der Mitte rahmt; ebenso die Platte.

Die Stücke haben einen Goldrand aus aneinander gereihten Bögen. Foto: Museumsarchiv

An der Unterseite jedes einzelnen Service-Teils ist eine grüne Marke zu sehen. Der Schriftzug „F. & L. Kloster Vessra“ verweist auf die Fabrikinhaber Fischer und Lehmann. Eine Bischofsmitra zwischen den Kürzeln F. und L. schafft direkten Bezug zum Ort, in dem einst ein Kloster angesiedelt war. Diese Marke fand zwischen 1912 und 1934 Verwendung.

Trennung und Wiedervereinigung

Das neu inventarisierte Service ist nicht komplett. Es fehlt etwa die Hälfte. Und das hat einen Grund. Es wurde einst unter zwei Erbinnen aufgeteilt. Ursprünglich wurde das Geschirr wohl zwischen 1912 und 1914 von deren Großmutter Erna Löffler erworben. Ernas Sohn war der Vater der Erbinnen. Nach seinem Tod teilten zwei seiner drei Töchter das Service untereinander auf.

Das „halbe“ Geschirr war selten in Benutzung. Zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder größeren Familienfeiern wurde es herausgeholt. Damit einhergehend hängen auch Erinnerungen am Porzellan-Service. Doch ein bevorstehender Umzug mit räumlicher Verkleinerung hat die ehemalige Eigentümerin dazu bewogen, es in die Sammlung des Hennebergischen Museums zu geben. Nicht zuletzt deswegen, weil der andere Teil des Services bereits hier lagert. Die Schwester hat ihren Teil nämlich bereits 2019 dem Museum geschenkt. So fügt sich das Service wieder zusammen und findet an seinem Ursprungsort, dem Gebäude der ehemaligen Porzellanfabrik, seinen neuen Platz und wird weiter zu besonderen Anlässen, beispielsweise einer Sonderausstellung oder einem Aktionstag, herausgeholt – dann allerdings nicht zum Benutzen, sondern zum Anschauen.

Der nächste Anlass ist der Tag des Thüringer Porzellans am Sonntag, 12. April. An diesem wird das Service in Szene gesetzt. Zudem wird es Führungen zur Porzellanherstellung in Kloster Veßra (11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr) und Rundgänge durch das neue Sammlungszentrum Henneberger Land (12 Uhr und 14 Uhr mit Voranmeldung) geben. An einer Station für Kinder kann selbst Porzellan bemalt und mit nach Hause genommen werden.

Autorin Laura Körnig ist Mitarbeiterin des Hennebergischen Museums Kloster Veßra im Bereich Museumspädagogik/Sammlung.