Museum in Fischbach/Rhön Industriegeschichte eines Dorfes

Kuratorin Tina Kurpjuweit im Shop des Fischbacher „alfi Museums“. Foto: Stefan Sachs

Die Arbeiten im „alfi Museum“, das derzeit in einem ehemaligen Angestelltenwohnhaus in der Fischbacher Bergstraße entsteht, haben die Zielgerade erreicht. Am 2. Juli ist Eröffnung.

Die Ausgestaltung der Museumsräume ist fast abgeschlossen, die Vitrinen mit den Exponaten sind bestückt. Der Museumsshop wird gerade eingerichtet. Nun bereitet sich der Trägerverein auf den Eröffnungstag vor: Am Samstag, 2. Juli, kann das Museum zwischen 13 und 18 Uhr im Rahmen von Führungen besichtigt werden. „Wir wollen die Besucher gruppenweise durch die Räume führen“, sagt Kuratorin Tina Kurpjuweit. Sie hofft, dass viele Fischbacher, aber auch Gäste aus der Region kommen. Am Eröffnungstag zahlen Erwachsene nur zwei Euro Eintritt (sonst vier Euro) und Kinder ab sechs Jahren einen Euro (sonst zwei Euro). Kinder unter sechs Jahren haben generell freien Eintritt. Für Speisen und Getränke wird gesorgt (Kaffee, Kuchen, Bier, alkoholfreie Getränke, Bratwürste), und für Kinder gibt es Rundfahrten mit dem Traktor. Der Trägerverein des Museums wird von anderen örtlichen Vereinen und der Kommune auch bei der Eröffnungsfeier unterstützt.

Es beginnt im Jahr 1914

Mitglieder der „alfi“-Geschäftsleitung aus Wertheim haben das entstehende Museum im Gründungsort Fischbach bereits besichtigt und waren begeistert. Das Unternehmen unterstützt das Vorhaben, unter anderem mit Exponaten, und nun gab es obendrauf noch eine Spende von 5000 Euro. „Für uns ist es eine Anerkennung, dass unsere Bemühungen, die Firmengeschichte am Gründungsort zu erzählen, auch vom Unternehmen wertgeschätzt werden“, sagt Tina Kurpjuweit.

Carl und Sophie Zitzmann hatten 1914 in Fischbach ihre Aluminiumwarenfabrik gegründet, die sich binnen weniger Jahre zur weltbekannten Marke für Isoliergefäße entwickelte. Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich der Ort in der sowjetischen Besatzungszone. 1948 wurde das Unternehmen enteignet und stattdessen am Rhöner Standort ein „volkseigener Betrieb“ weitergeführt. Die Inhaberfamilie Zitzmann siedelte mit ihrer „alfi“ ins baden-württembergische Wertheim, Geburtsort von Sophie Zitzmann, über und führte dort die Erfolgsgeschichte fort. Seit 2014 produziert die „alfi“ ihre Isoliergefäße unter dem Dach der „Thermos“-Gruppe. Die Nachfahren der einstigen Firmengründer unterstützen das Museumsprojekt in Fischbach ebenfalls und nicht zuletzt steuerten auch Bewohner das eine oder andere Exponat bei. Auch nach der Eröffnung werden weitere Produkte, Bilder und Dokumente zur „alfi“-Geschichte vom Museumsverein gerne genommen und gegebenenfalls in die Ausstellung integriert.

Neue Karriere in neuer Fabrik

Die Exponate, Bilder, Dokumente, Film- und Tonaufnahmen erzählen die Unternehmensgeschichte von der Gründung bis heute. Bis 1945 war die Produktpalette übrigens breit gefächert. Neben Isolierkannen wurden unter anderem Küchenutensilien aller Art, Töpfe und sogar Sportartikel wie Teller für Skistöcke in Fischbach hergestellt – alles aus Aluminium. Tina Kurpjuweit zeigt einen Katalog aus dem Jahr 1937. Darin werden unter anderem Dampftöpfe mit Spardeckel, Maschinentöpfe, Kartoffeldämpfer, Dämpfeinsätze, Bratpfannen mit und ohne Grillrost, Teeeier mit Tropfenfänger und Eierschneider angeboten. Die Produkte werden in deutscher, englischer und französischer Sprache beschrieben. Unter der Schutzmarke „Rhön-Perle“ stellte das Unternehmen einst auch Faltbecher aus Aluminium her.

„Wir hoffen, dass wir in unserem Museum vermitteln können, wie sich die ,alfi’ und damit die Industrie in Fischbach entwickelt hat“, sagt Tina Kurpjuweit. Für viele Bewohner ergaben sich in der Fabrik berufliche Perspektiven. Zahlreiche ausgestellte Arbeits- bzw. Lehr-Verträge – alle unterzeichnet von „Carl Zitzmann, Fabrikant“ – dokumentieren, dass Fleischer, Postchauffeure, Steinarbeiter und andere bereits langjährig Berufstätige umschulten, um zum Beispiel als Werkzeugschlosser in der Aluminiumwarenfabrik zu arbeiten.

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