Mundart-Gottesdienst Lachen als Hoffnungszeichen

Annett Recknagel
Lektor Steffen Günther hatte Liturgie und Predigt für den Gottesdienst übernommen. Foto:Annett Recknagel Foto:  

Ein Mundart-Gottesdienst erheiterte am Faschingssonntag die Anwesenden in Kleinschmalkalden, stimmte sie aber auch nachdenklich.

Kleinschmalkalden - Ein gesamter Gottesdienst in Mundart. Funktioniert das überhaupt? Vier Kleinschmalkalder Akteure bewiesen es. Pfarrerin Linda Heinlein sprang nur an den Stellen ein, die schwerlich zu übersetzen waren – wie das Glaubensbekenntnis oder das Vater unser zum Beispiel. Bei allen anderen musste man seine Ohren spitzen. Das aber fiel den Anwesenden nicht schwer – allesamt waren Mundartsprecher. Und wer nichts verstand, der „hoad Beech gehoad“ (hat Pech gehabt).

Solch ein Mundartgottesdienst war schon seit Längerem geplant, berichtete Frank Genzler als einer der Mitwirkenden. Corona aber habe dies bislang immer erfolgreich verhindert. Jetzt, da Lockerungen in Sicht waren und noch dazu Fasching, der leider noch immer nicht so wie gewohnt gefeiert werden durfte, hielt man den Zeitpunkt für genau richtig.

Mit Lektor Steffen Günther hatte man obendrein einen versierten Mundartsprecher im Team. Er dürfte als Mitglied der Theatergruppe ohnehin über die Ortsgrenzen von Kleinschmalkalden hinaus bekannt sein. In allen bisherigen Stücken hatte er immer eine Hauptrolle. Außer Genzler und Günther gehörte Uwe Dellit zu den Akteuren. Er gefiel mit zwei selbst gedichteten Liedern, in denen er sich unter anderem über das Coronavirus lustig machte. Früher habe man die Gicht oder die Ruhr bekommen, heute zwicke die Maske hinterm Ohr. Letztlich aber sei das Virus nicht so gefährlich – schließlich gebe es ausreichend Bier und Branntewein.

In Mundart hörte sich das weitaus spektakulärer an. Genauso wie die übrigen Lieder. Frank Genzler hatte sich die Mühe gemacht, sie alle ins Kleinschmalkalder Platt zu übertragen. Als ein Beispiel sei das „Danke“-Lied genannt – darin heißt es: „Danke, boass ich all mi Soarche uff dich kunn geschmiss“ (Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen kann). Allein die Übersetzungen sorgten für Heiterkeit. Genzler selbst war mit dem Beatles-Song „Yesterday“ – aus dem er „Nechde“ – gemacht hatte, zu hören. Auch „Heart of Gold“ von Neil Young hatte er in den Dialekt gesetzt.

Ein Höhepunkt war der Auftritt von Lara Böhm mit dem Lied „Sai mei bua die Blumme sin“ (Sag mir, wo die Blumen sind). Mit ihrem Gesang erzeugte sie Gänsehautmomente, passte der Song doch in die Zeit.

Steffen Günther lenkte die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf Gott, in dem er von den Felsen sprach, von denen es in Kleinschmalkalden ausreichend gibt. Genauso, wie man sich an ihnen anlehnen könne, sei das mit Gott. Gott sei ein starker Fels. Genauso erinnerte er an Dinge, die die Menschen derzeit am Fröhlichsein hindern. Doch Lachen sei wichtig. Der Karneval lasse die Menschen über die eigenen Erfolge, aber auch über deren Kleinglauben und deren Ängste lachen.

„Wer nicht mehr lacht, hat aufgehört ein Mensch zu sein“, erklärte Günther, natürlich in Platt. Lachen sei ein Hoffnungszeichen. Und der christliche Glaube rechne mit der Hoffnung auf ein Fest, wo man am Ende nach Herzenslust lachen und tanzen und fröhlich sein könne.

Gemeinsam wurde für die Ukraine und die dortigen Menschen gebetet. Der Mundartgottesdienst kam sehr gut an. Zwischendurch gab es viel Applaus. „Natürlich sind wir von der Theatergruppe inspiriert worden“, sagte Frank Genzler. Zudem habe er zu Weihnachten 2021 mit Kindern und Jugendlichen ein Krippenspiel in Mundart einstudiert.

„Mal sehen, was noch so kommt – Ideen gibt es einige und die Zusammenarbeit hat funktioniert und viel Spaß gemacht“, meinte er abschließend. Die Kleinschmalkalder können in Sachen Mundart also weiterhin gespannt sein.

 

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