Mundart Breitcher schreibt Lieder auf Platt

Peter Schleicher zeigt seine Liedtexte. Foto: Silke Wolf

Peter Schleicher kennt man in Schmalkalden, wo er seit vielen Jahren wohnt, und in Breitungen, wo er geboren wurde – als ehemaligen Burgsänger und jetzigen Bergfreund. Der Mann mit dem weißen Vollbart bezeichnet sich selbst als radelnder Sänger und singender Radfahrer und schreibt Texte in Mundart.

Er habe als Kind keinerlei Probleme damit gehabt, nicht Hochdeutsch zu sprechen. Auch nicht, als er 1952 in die Schule kam. „Ich habe mich gleich angestrengt und Einsen geschrieben.“ Er schloss Schule und Studium ab, arbeitete als Lehrmeister im KfL in Breitungen, unterrichtete gerne Schüler aus der ganzen Region, die zur polytechnischen Ausbildung dorthin kamen. Nach der Wende wechselte er in ein Ingenieurbüro.

Nun, mit 75 Jahren, erinnert sich Peter Schleicher gerne an das zurück, was neben der Arbeit sein Leben bestimmte und bis heute bestimmt: der Gesang in einer Gemeinschaft. Als er in der 9. Klasse war, nahm ihn sein Musiklehrer Adam mit zum Gesangverein. Das Talent hatte er wahrscheinlich von den Eltern geerbt, die beide gut sangen. Aus dem Gesangverein gingen Anfang der 1970er-Jahre die „Breitunger Burgsänger“ hervor, die sich formierten, um den Karneval musikalisch zu unterstützen. Ein Doppelquartett mit zwei Akkordeons. Sein „bester Freund“ Helmut Bachmann und er schrieben die Texte, auch welche in Breitcher Mundart, die im Karneval Scherzlieder genannt werden, und zu Reißern und einer festen Größe wurden. Nicht nur in der Faschingszeit, sondern auch darüber hinaus. In der ganzen Region wurden die „Burgsänger“ angefragt, waren in FDGB-Heimen von Eisenach bis Sonneberg gebucht. Von dieser Zeit zehre er heute noch, sagt Schleicher.

„Die Gagen sammelten wir, um eine schöne Reise zu unternehmen“, erzählt Peter Schleicher. „Römisch eins“, setzt er hinzu, denn in Breitungen gibt es noch einen Peter Schleicher. Doch da er der Ältere sei, sei er die I und der andere die II. Eine Reise führte die Gesangstruppe einmal nach Sotchi. „Dort bemerkten wir, dass die Umstehenden, als wir platt schwatzten, dachten, wir wären Schweizer“, erzählt der 75-Jährige. Aber dann „ist eine Konsummarke aus dem Portemonnaie gefallen und hat uns verraten“, sagt er und schmunzelt.

Seit fast 20 Jahren ist der Sportlerchor „Bergfreunde“ in Schmalkalden nun seine musikalische Heimat, als Solist, erster Tenor. Und auch dort „schwatze ich mit vielen platt“. Ein Stück „Kulturgut“ sei dies für ihn. Man glaube es vielleicht nicht, aber auch in Schmalkalden gebe es noch viele Dialektsprecher – wie überall natürlich unter den älteren Semestern. Als „Silberduo“ mit Gerd Bohn und dazu noch mit Hans-Jürgen Sattler als „Silbertrio“ ist der ehemalige Ingenieur auch unterwegs. Am kommenden Montag etwa in der FBF-Galerie. Für diesen Abend hat er sich extra neue Lieder draufgeschafft, Studentenlieder nämlich, die er in Latein und in deutscher Übersetzung vortragen wird.

Da Peter Schleicher oft und gerne Rad fährt, dichtet er auch auf dem Sattel. Wenn er durch die Heimat radelt, fallen ihm die passenden Reime ein, die er zu Hause niederschreibt. Seine Liebe zur Natur, der Region und zu seinem Heimatort spiegeln sich darin wider.

Als der Rhönklub Zweigverein Breitungen anfragte, ob er zu einem Mundartabend kommen und ein paar Lieder auf platt singen könne, war Peter Schleicher sofort dabei. Ein paar Lieder hatte er ja schon in der Schublade, ein paar kamen noch dazu. „Doch dann fiel der geplante Mundartabend wegen Corona aus“, sagt er enttäuscht. Nun ja, vielleicht wird er ja demnächst stattfinden.

Doch als Peter Schleicher den Aufruf in der Heimatzeitung las, die Mundartsprecher aus jedem Ort suchte, da war er einer der ersten Anrufer. „Ich hab‘ sogar Liedtexte in platt“, kündigte er an. Und nicht nur das. Wer einen solch eingefleischten Sänger in die Redaktion bittet, muss damit rechnen, dass der nicht nur redet, sondern natürlich auch singt. Und zwar wortwörtlich in den höchsten Tönen und – wie erwartet – auf platt.

Er habe ein paar Lieder herausgesucht, die wir gerne auch in der „Ziehding“ abdrucken können, sagt Peter Schleicher und lächelt. Was er übrigens die ganze Zeit tut. Ob der Mann auch böse sein kann? „Wo man singt, lass dich ruhig nieder, Bösewichter haben keine Lieder“, hat Johann Gottfried Seume gereimt. Auf Peter Schleicher trifft das zu.

Er nimmt seine Liedzettel, schaut kurz drauf und trällert los. Den „Radler“ erst in Hochdeutsch und dann auf platt. Das ist dann zwar ein komplett anderer Inhalt, aber beide Texte strotzen nur so von der Liebe zur Region. Er fährt halt „gorze gänn“ mit seinem Rad. Im Lied „Nüscht iis mi so biies woor“ macht er seinem Heimatort Breitungen eine Liebeserklärung. Obwohl etwas schwermütig im Grundtenor endet auch das mit einer Pointe. Etwas, worauf Peter Schleicher Wert legt und auf seine musikalischen Wurzeln als karnevalistischer Sänger zurückzuführen ist: „Nach’n Taanz, bann dann die Theke zu, hunn mei die Mäche heiigetuu. Awer viuomo simme nett gleich hei, dao womme ganz verliebt debei. Unn die Christööh wuursch so Munchen kloor, boos den Säumoo die Oster woor.“ Augenzwinkern inklusvie.

Auch den Flößern hat Peter Schleicher ein musikalisches Denkmal gesetzt. Als ihn die Landrätin, Floß fahrend, erblickte, habe sie gefragt: „Und? Singen?“. Darauf sei er nach Hause gefahren und habe das Flößerlied geschrieben, am Sonntag zum Frühschoppen war dann Premiere.

Und nun hofft Peter Schleicher nur noch, dass er zum Mundartabend des Rhönklubs, wenn auch verspätet, aber mit voller Überzeugung, endlich schmettern kann: „Aut’s Breitcher Jong stiiehn ich hütt doo, endlich sinn meii ons wieremoo; ich frööh mich sehr unn biien debeii, in Breitche füüh ich mich deheii.“

Wer Peter Schleichers Texte nicht nur lesen, sondern ihn singen hören möchte, kann dies auf den Videos vom Auftritt in der Schmalkalder Lokalredaktion.

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