Motorsport Neue Herausforderungen

Trainingsstunde auf der ersten Wettkampfstrecke: Luca Römhild testete am letzten Mai-Wochenende auf der Kart-Rennstrecke in Kerpen. Foto: /privat

Trusetaler vor dem Saisonstart

Trusetal - Seit fast zehn Jahren sitzt der fünfzehnjährige Trusetaler Rennfahrer im Kart. Er sammelte in den verschiedenen Altersklassen Titel im Speeddown (Rennen bergab ohne Antrieb ) und im Kartsport. So stand Luca Römhild bei Europameisterschaften, im Europacup oder bei deutschen Meisterschaften und im ADAC Kart Youngster Cup auf dem obersten Treppchen.

Die Erfolge des Talents aus dem Thüringer Wald sollten auch im vergangenen Jahr ihre Fortsetzung finden. Die Corona-Pandemie machte dem Jugendlichen, wie so vielen Sportlern quer durch alle Disziplinen, einen Strich durch die Rechnung. Die verschiedenen Rennserien waren nach Beginn des ersten Lockdowns erst gar nicht gestartet und es gab schließlich mit nur vier Wettkämpfen keine Wertung. Zwei Wettkämpfe standen vor der Sommerpause zu Buche. Als im Herbst die Rennen nachgeholt werden sollte, war nach zwei weiteren Rennen wieder alles dicht.

Ganz verloren sollte die vergangene Saison aber für Luca doch nicht gewesen sein. Zunächst ging er in der Junior-Klasse an den Start. Da es abzusehen war, dass die Durchführung einer Rennserie mit einer entsprechenden Anzahl an Rennen kaum zustande kommen würde, nutzte er die Gelegenheit, um von den Junioren in die Erwachsenen-Klasse zu wechseln. „Luca hat im vergangenen Jahr einen gehörigen Sprung in seiner körperlichen Entwicklung genommen. In der Karts der Junioren ist jedes Kilogramm Körpergewicht spürbar“, erklärt Stefan Römhild. Der selbstständige Kfz-Meister und Vater von Luca ist für den technischen Zustand des Renn-Karts verantwortlich und ergänzt: „Während der Junior-Motor gedrosselt ist, kann er bei den Senioren geöffnet werden. Das macht sechs, sieben Pferdestärken aus und bringt einen spürbaren Unterschied.“

Der 125-Kubikzentimeter-Motor leistet jetzt etwa 35 PS. Das Kart verfügt nunmehr über teilweise neue Fahreigenschaften wie zum Beispiel die Beschleunigung oder das Kurvenverhalten. Für Luca gab es kaum Probleme, um sich mit den neuen “Eigenheiten“ seines Renngefährts anzufreunden. Sein ausgeprägtes Fahrgefühl half ihm, sich schnell an die neuen Eigenschaften seines Karts zu gewöhnen. Genauso hilfreich waren die zwei Rennen in der vergangenen Saison sowie einige Trainingsfahrten, um mit neuem Schwung in die Vorbereitung auf die Serie 2021 zu gehen.

Hinreichend bekannt ist, dass ein ambitionierter Rennfahrer neben dem ausgeprägten Fahrgefühl und einem entsprechenden Gespür für die verschiedenen Rennsituationen auch über ein Maß an körperlicher Fitness verfügen muss. Sie ist ein genauso wichtiger Bestandteil für die Leistungsfähigkeit an einem Rennwochenende und in einer kompletten Rennserie. In der Vergangenheit trainierte Luca bei den Trusetaler Biathleten und zusätzlich im Tischtennisverein. Diese Trainingsmöglichkeiten blieben ihm in den Zeiten der Lockdowns versagt. Selbstständigkeit stand auf der Tagesordnung. Mit individuellem Training versuchte Luca, seine körperliche Fitness auf einem entsprechend guten Zustand zu halten. Der Trusetaler verrät, dass es ihm nicht immer leicht fiel, alleine zu trainieren, und dass ihm seine Trainingsgruppen und das gemeinsame Training oft fehlten.

Neben den Fähigkeiten und Fertigkeiten des Fahrers gehört auch die Renntechnik dazu, um erfolgreich in eine neue Saison zu starten. Von gehörigem Gewicht erweist sich einmal mehr die enorme Erfahrung von Stefan Röhmhild aus seiner aktiven und erfolgreichen Zeit als Fahrer, die er ins Rennteam mit einbringt. Mittlerweile schraubt auch Luca mit am Kart und bringt sein Wissen aus den Trainings auf den Rennstrecken und in den Rennen mit. Dieses Wissen fließt in den Informationspool des RMW-Team ein, dem Luca angehört. Er partizipiert ebenso von den Erfahrungen der zehn Kart-Rennsportlern, die zum Team gehören. „Dieses Wissen hilft. Im Team ist es eben einfacher“, weiß Stefan Römhild.

Am Wochenende vollzieht Luca mit seinem Team den Start in die neue Rennsaison. Erste Station ist Kerpen, unweit von Köln in Nordrhein-Westfalen. „Auf der Strecke haben wir zweimal getestet. Sie ist die anspruchsvollste in Deutschland. Wer dort zurechtkommt, hat auf den anderen Strecken kaum Probleme“, weiß Stefan Römhild. Langsame Abschnitte wechseln permanent mit Mut-Passagen.

Wo die Reise in dieser Saison hingehen soll, lassen die Römhilds erst einmal offen. „Aber eine Platzierung unter den besten zehn sollte es schon werden“, verrät Vater Stefan dann doch. Wer die Trusetaler kennt, weiß, dass sie sich nicht zu unbedachten Äußerungen hinreißen lassen. Man darf gespannt sein, wo sich Luca im ersten Seniorenjahr platziert. Kerpen ist für den Trusetaler das richtige Pflaster, um zu sehen, wo er nach der langen Pause steht.

 

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