Motorradsport: Marcel Elsner (Mupperg) Der Wille macht’s möglich

Sibylle Lottes
Marcel Elsner in seiner Welt. Foto:  

Obwohl Marcel Elsner aus Mupperg das Roadracing nur hobbymäßig betreibt, setzt er sich auch unter Profis durch. In der IRRC-Meisterschaft fährt er um Top 10-Platzierungen mit.

Föritztal/Mupperg - Es ist eine dieser Geschichten, die zeigen, dass Sportler mit einem großen Willen viel erreichen können, auch wenn das zur Verfügung stehende Budget nicht sehr üppig ist. In ihrem Mittelpunkt steht Marcel Elsner, Roadracer aus Mupperg. Pandemiebedingt wenige Rennen erforderten von ihm in diesem Jahr besonders Spitzenleistung auf dem Punkt und in engem Takt.

Im Jahr 2020 gab es statt sechs Rennen im IRRC-Roadracing immerhin eins. Dieses Jahr fand, ebenfalls pandemiebedingt, eine auf immerhin vier Rennen reduzierte Meisterschaft statt. Für den 31-jährigen Roadracer aus Südthüringen, Marcel Elsner, war es schon eine Meisterleistung, an diesem komprimierten Programm teilzunehmen, welches innerhalb von drei Monaten stattfand.

Denn Marcel übt seine Leidenschaft, Straßenrennen zu fahren, in seiner Freizeit aus und muss auch noch Familie und Schichtdienst unter einen Hut bringen, um an den Wochenenden Rennen fahren zu können. Dabei sind es ja nicht nur die Rennen; auch die Maschine – eine Yamaha R1 – muss fit gemacht werden. Das Helferteam mit Frau Jessica, Kumpel Kaufy (Robert Kaufmann), Steffen Brückner und Gerald Schnabel aus Hannover investieren deshalb ebenso viel Freizeit, damit Marcel fahren beziehungsweise damit auch schnell etwas repariert werden kann, wenn Teile am Motorrad kaputt gehen.

Gefahren wird beim Roadracing auf abgesperrten öffentlichen Straßen, durch Dörfer und Städte. Entsprechend viele Zuschauer sind vor Ort und motivieren die Fahrer umso mehr. Lediglich in Niederlande durfte in diesem Jahr nur eine Handvoll Fans die Rennen genießen.

Etwas gehandicapt ging es im Juli in das erste Rennen auf der für Marcel Elsner neuen Strecke in Chimay (Belgien). Nach einem unverschuldeten Trainingssturz in der Slowakei, zwei Wochen zuvor, war es ein hartes Stück Arbeit für ihn, bis zum Wettkampf und in den Platzierungskämpfen wieder Vertrauen in die Maschine zu finden.

Eine besondere Herausforderung dabei war beispielsweise der Bremspunkt: Während die Profis immer gleich oder ziemlich spät bremsen, ist er bei Hobbyfahrern immer unterschiedlich. Und das Starterfeld derer, die in der Meisterschaft mitfahren, ist kein heterogenes. So fahren Fahrer mit Erfahrungen von Isle of Men, North West 200, Cookstown, Macau oder auch aus der Langstrecken-WM mit.

Gleich zu Beginn zeichnete sich bei Marcel Elsner ab, was ihm in dieser Saison fehlt: die Leistung am Hinterrad. Die neuen bayerischen Motorräder zogen auf der Geraden davon. Fahrerisch dagegen hat Elsner herausgeholt, was ging, um möglichst viele Punkte mit nach Hause zu nehmen. Für ihn war es außerdem wichtig, sturzfrei zu Hause bei Frau und Kind anzukommen. Am Ende belegte er in beiden IRRC-Rennen in Belgien Top-15-Ergebnisse.

Drei Wochen später – im August in Horice (Tschechien) – herrschten 30 Grad Celsius. Das Fahrerlager war eng an eng. Zuschauer und Rennfans, wohin das Auge reichte. Die Strecke führte durch die Stadt Horice, am Supermarkt zwischen den Häusern vorbei und dann wieder stadtauswärts. Ein „Wahnsinnsgefühl“, wie er selbst sagt, sei es an tausenden jubelnden Fans vorbeizufahren und danach die am Rand stehenden abklatschen zu können.

Nicht verwunderlich war es deshalb, dass Fans ins Fahrerlager zu Marcel Elsner kamen und ihm Bilder zeigten, die sie von ihm auf anderen Rennen vor Corona irgendwo in Europa gemacht hatten – für ihn eine riesige Ehre, dass ihm Menschen aus Polen, der Niederlande, Deutschland und Österreich Wertschätzung entgegenbringen.

Der enge Kurs in Horice spielte dem Mupperger schließlich in die Karten, und er verbesserte seine Zeit um vier Sekunden. Am Ende konnte er in Tschechien ein Top-10-Ergebnis einfahren, was wiederum schwierig bei dem hohen Niveau ist. Dieses Mal kehrte er mit seinem Team zufrieden nach Hause.

Eine Woche später ging es ins thüringische Schleiz zu der German TT. Dort fuhr er bei wechselhaftem Wetter vor heimischem Publikum einen super dritten Platz ein. Anfang September folgten weitere IRRC-Meisterschaftsläufe in Hengelo (Niederlande). Dort waren jedoch nur 750 Zuschauer möglich, die lediglich auf ein kleines Eck begrenzt zuschauen konnten. Auf einer Ölspur rutschten im ersten Rennen die Schweizer „Lupi“ Oliver Luppberger und der Meisterschaftsführende, Lukas Maurer, aus, ebenso Marek Červený aus Tschechien. Zurück in der Box, wurden die Bikes von Marek Červený und Lukas Maurer geflickt und Oliver Luppberger versorgt.

Im zweiten Rennen gab es die zweite Chance – der erneute Kampf um die Top 10 begann. Wieder gingen Lukas Maurer und Marek Cherveny zu Boden, dabei zerstörte Lukas Maurer sein Bike. Doch erfuhr man in diesem Zug auch, was es heißt, in einer echten Rennfamilie angekommen zu sein: Es herrscht kein Konkurrenzdenken, und so war es nicht verwunderlich, dass „Lupi“ (verletzungsbedingt) seine Bikes den Konkurrenten zur Verfügung stellte, so dass diese wenigstens weiterfahren konnten. Marcel Elsner (alias Eckbert von Rundhausen) belegte in diesen Rennen zweimal Top-10-Plätze. Das „Team Ecki“ – bestehend aus Marcels Frau und dem Helfer-Team – hatten das Saisonziel erreicht und standen in der Gesamtwertung auf Rang zwölf.

Motiviert und perfekt vorbereitet ging es schließlich nach Frohburg (Sachsen). Auch dort verbesserte Marcel seine Zeit um 1,5 Sekunden. Er fuhr jedoch nur im Windschatten wirklich schnell. Seiner Yamaha fehlte am Ende die nötige Power für die Top 10. Trotz allem kann Marcel Elsner in diesem Jahr auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken.

Im Winter stehen jetzt Sponsorengespräche und Sponsorensuche an, um im kommenden Jahr – hoffentlich ohne Coronabeschränkungen – wieder starten zu können. Wahrscheinlich läuft alles auch auf eine neue Rennmaschine hinaus. Großen Dank verdienten sich alle Sponsoren und Unterstützer der letzten Saison. Marcel Elsner und sein Team hoffen nun auch im nächsten Jahr wieder auf zahlreiche Unterstützung. Vielleicht findet sich der ein oder andere Motorsport-Begeisterte, der ihn auch gerne persönlich kontaktieren kann:

 

Bilder