Mord in Geraberg Tote lag tagelang in Wohnung

Die Polizei war am Donnerstag außerdem mit mehreren Fahrzeugen mehrere Stunden lang in einem Mehrfamilienhaus in der Lindenstraße im Einsatz. Ob dies in einem direkten Zusammenhang mit dem Verbrechen in Geraberg steht – der Täter dort geschnappt wurde – hat der Sprecher der Staatsanwaltschaft weder bestätigt noch dementiert. Foto: Jennifer Brüsch

In Geraberg wurde am Donnerstag die Leiche einer Frau entdeckt. Der Verdächtige, ein 29 Jahre alter Mann, hat die Tat am Freitag gestanden. Mit mehreren Messerstichen hat er sie sechs Tage zuvor getötet.

Es ist ein Tag, den vor allem die Geraberger so schnell wohl nicht vergessen werden. Diesen Donnerstag mitten im August, einen warmen Sommertag, an dem der Ort durch eine tragische Entdeckung erschüttert wurde: In einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus am Dorfplan hat die Polizei in den frühen Morgenstunden, genauer gesagt gegen 4.30 Uhr, den leblosen Körper einer jungen Frau entdeckt. Gegen 11 Uhr wird der hellbraune Sarg bereits in den silbernen Leichenwagen getragen; währenddessen sind Männer in weißen Ganzkörper-Schutzanzügen und mehrere Polizisten vor dem Haus zu sehen. Noch einige Stunden hat die Polizei dort zu tun – bis zum Abend sind die Beamten vor Ort. „Die polizeilichen Ermittlungen führt die Mordkommission des Landeskriminalamtes durch“, sagt Oberstaatsanwalt Hannes Grünseisen im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Verdächtige, ein 29 Jahre alter Mann, war am Donnerstagnachmittag vor einem Wohnhaus in Ilmenau festgenommen worden. An diesem Freitag wurde er dem Haftrichter vorgeführt, Haftbefehl wegen Mordes wurde erlassen. Der Mann sitzt nun in Untersuchungshaft. „Der Beschuldigte hat eingeräumt, die Frau durch mehrere Messerstiche getötet zu haben. Und zwar bereits vergangenen Freitag“, fügt Grünseisen hinzu. Das Motiv für die Tat sei allerdings noch nicht klar – fest stehe aber, dass die beiden in einer Beziehung zueinander gestanden haben sollen. In welcher, ist jedoch nicht bekannt. Laut Anwohnern soll es sich bei dem Mann um den Freund oder Ex-Freund der Toten handeln.

Mutmaßungen, dass die junge Frau vor ihrem Auffinden bereits mehrere Tage lang in der Wohnung gelegen haben muss, waren schon am Donnerstag geäußert worden. Eine scheinbare Freundin hatte in den sozialen Medien einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie sehr deutliche Worte für das Geschehene fand: „Diesen kaltblütig ekelhaften Tod hat keiner verdient. Ermordet und dann wie Abfall Tage lang in ihrer Wohnung liegen lassen“, schreibt sie in dem Beitrag.

Zufällig entdeckt?

Nach Berichten von Anwohnern soll die Tote zudem bloß „durch Zufall“ gefunden worden sein. Weil der Hund der jungen Frau gebellt habe, hätten Bürger die Polizei informiert. Diese sei daraufhin gemeinsam mit der Feuerwehr zur Wohnung in Geraberg ausgerückt. Hannes Grünseisen kann diesen Hergang nicht bestätigen; über Details zum Auffinden habe er keine Kenntnis. Zumindest auszuschließen ist es aber nicht; berichtet doch die Feuerwehr Geratal selbst online: „In den frühen Morgenstunden wurde die Feuerwehr Geratal zur Amtshilfe für die Polizei alarmiert. Es galt eine Türöffnung zur Tierrettung vorzunehmen“. Als Einsatzort wird Geraberg genannt; die angegebene Zeit (um 4.13 Uhr) deckt sich bis auf Minuten mit der Fundzeit der Leiche. Und auch von offizieller Stelle in der Verwaltung wird zumindest die Sicherstellung des Tieres dort bestätigt. Der Hund sei derzeit im Ilmenauer Tierheim untergebracht.

Probleme in der Vergangenheit

„Für den Ort ist dieser Vorfall etwas ganz Schlimmes. Es ist nun schon der zweite Mordfall in dieser Legislatur. Das gibt einem tatsächlich zu denken“, sagt Ortschaftsbürgermeister Holger Frankenberg im Gespräch mit unserer Zeitung. „Mit dem Haus gab es in der Vergangenheit mehrfach Probleme wegen Sauberkeit“, fügt der Ortschaftsbürgermeister auf Nachfrage noch hinzu und meint damit Müllablagerungen am Gebäude. Ansonsten könne er zu den Bewohnern nicht viel sagen – ähnlich sieht es auf Nachfrage bei Bürgern des Ortes aus. „Die kennen wir nicht“, lautet die häufige Antwort.

Das unscheinbar wirkende Haus soll von zwei Mietparteien bewohnt sein. Die tote junge Frau wie auch ihr Mörder seien keine Geraberger, sondern in den letzten Jahren erst zugezogen. Wie es heißt, soll der Mann im Ort gearbeitet haben; die Frau habe früher eine Schule in Ilmenau besucht. Was sie beruflich macht, ist unserer Zeitung unbekannt.

Unter den Kommentaren im Internet finden sich zahlreiche Beileidsbekundungen – unter anderem von Menschen, die wohl mit dem Mordopfer zur Schule gegangen sind. „Mein Beileid ... ich kenne sie auch noch von früher ... so was hat sie nicht verdient“ oder „Ruhe in Frieden ***** (Name entfernt) waren zusammen in der Schule“ sind darunter zu lesen.

Bereits Mord Ende 2020

Geraberg ist mit dem Fall der toten jungen Frau nun zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren in den Fokus hiesiger Mordermittler gerückt und hat damit in der Öffentlichkeit traurige Bekanntheit erlangt. Erst im November 2020 war die Leiche einer 86-Jährigen aus Ilmenau in einer Gartenanlage in Geraberg entdeckt worden. Ein 58 Jahre alter Mann, ihr Gartennachbar, hatte versucht, die Frau zu küssen und sei abgewehrt worden. Weil die Rentnerin geschrien habe, sei ihr Verehrer in Panik geraten und habe der 86-Jährigen einen Lappen so lange auf ihre Nase und ihren Mund gepresst, bis sie erstickt ist.

Nachdem er sich sicher war, dass die Frau tot war, hat er den Leichnam laut Staatsanwaltschaft in einen Schuppen gebracht und ihn dort versteckt. Zudem hatte er die Geldbörse des Opfers an sich genommen. Auf die Spur gekommen war die Polizei dem Mann aufgrund von Spuren am Tatort. Fingerabdrücke und DNA-Spuren von ihm wurden dort gefunden.

Der Mann hatte, als die Polizei in der Nachbarschaft des Tatorts Vergleichsproben eingesammelt hatte, freiwillig eine Speichelprobe abgegeben.

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