Modellflugshow Hoch hinaus bis unter die Wolken

Klaus-Ulrich Hubert

Der Modell-Flugplatz am Osthang des Langen Berges bietet einen erhebenden Blick Richtung Schwarzatal, Böhlen und Großbreitenbach. Doch für 21 Modellflugzeug-Piloten bot er am Wochenende auch Gelegenheit zum Abheben.

„Ich habe über zwei Wochen an meinem ersten Modell gebaut, geklebt, bespannt und gemacht, aber nach weniger als zwei Minuten ungeschickter Flugzeit war der Spaß schon vorbei...“ Am Sonntag muss Günter Hildebrandt süßsauer über sein erstes Lehrgeld in Sachen Flugmodellbau schmunzeln. Und ermutigt dabei einen jungen Fluganfänger, es doch am besten mit der heute längst technisch machbaren Möglichkeit zu probieren: „Ich sitze sozusagen im Cockpit neben dir, wie bei der Fahrschule. Und wenn du einen gravierenden Fehler ohne Höhenreserve zur Bruchlandung machen könntest, schalte ich mich zur Sicherheit auf deine Funkfernsteuerung, okay?“

Hildebrandt ist Vorsitzender des Flugmodellsport-Vereins (FMSV) Großbreitenbach, nennt die aktuelle Mitgliederzahl „immerhin noch 27, Tendenz leicht abnehmend“. Im Vereinshaus neben Großbreitenbachs in den 1990er Jahren geschlossenen Bahnhof baut man auch auf die Nachwuchsabteilung.

Der steht hier ein Bastelzimmer direkt neben dem kleinen Modellbau- und Technikmuseum mit Themen aus DDR- bis in heutige Zeiten zur Verfügung. Und weil die Kids wissen, wie viel Mühe, Geduld und Arbeit in einem funktionierenden Flugzeugmodell steckt, nehmen sie gern das Angebot zum Schüler- und Lehrer-Fliegen an. Doppelt hält besser. Was auch auf die Fernsteuerungen und vor allem die Lebensdauer der filigranen Modelle zutrifft.

Fliegerasse am Start

Der vergangene Sonntag aber gehört nun überwiegend – wenn man so will – den langjährigen „Fliegerassen“. Und deren Familien, die in großer Zahl gespannt der Hitze am schattenlosen Osthang des Langen Berges trotzen. Und mitfiebernd gelegentlich sagen „...au au au, da hat der Papa aber gerade noch so die Kurve gekriegt!“ Immer dann, wenn die Papas aus sicherer Bodenposition per Joystick einen Wilga-Hochdecker, manch berühmte Kunstflieger-Nachbauten oder sogar Deltaflügler mit Düsenantrieb überm Flugplatzevent absolut gekonnt herumkurven lassen.

Man kommt heute aus dem gastgebenden Großbreitenbach selbst, aus dem benachbarten Rudolstädtischen, aus Pößnek, Crawinkel, Geschwenda. Überall, wo es mehr als das sprichwörtliche „Kind im Manne“ ist, wenn es gilt aerodynamische und andere physikalische Gesetzmäßigkeiten maßstabsgerecht in (zum Teil gerade noch so) transportablen Modellen zu berücksichtigen.

Und während ein einstrahliger Düsenjet mit immerhin 22 Kilopond Schub dezent pfeifend stolz eine Turbinenabgas-Rauchspur über dem Flugfestgelände ablässt, um vom Boden aus besser seinen Loopings, Hohen Türmen und sonstigen „Luftspiralen“ folgen zu können, fachsimpeln die Väter, brutzeln die Brätel und moderiert Flugleiter Alex Wieck mit Vorstand Hildebrand alles humorvoll: Was denn da gerade „über die Köpfe hinweg entschieden wird“ steuerungstechnisch und überhaupt...um wieder sanft runter zu kommen. Justus Huhn, Modellflieger aus Geschwenda, überprüft nochmal den Antrieb seiner „Wilga“. Akkuantrieb; E-Motor! Die steigt mit kurzer Startbahn am Langen Berg rasch bis dicht unter die Schönwetterwolken. Dass, frei nach Reinhard Mey, nicht nur über den Wolken die Freiheit grenzenlos sein müsse, steht für die Modellflieger fest. Und auch, dass die Strophe des Liedermachers von mehr als nur gestern scheint: „Bis hier hör ich die Motoren / Wie ein Pfeil zieht sie vorbei / Und es dröhnt in meinen Ohren...“

„Nix mehr von wegen Dröhnen“, lacht Vorsitzender Hildebrand: „Bei den heute so leistungsstarken, kleinen und leichten Akkus mit bis zu zwei Kilowatt haben die lauten Spritmotoren nahezu ausgedient. Die braucht es fast nur noch bei den ganz großen Modellen mit rund 220 Kubikzentimetern Hubraum.“

Noch lange, so zeigte sich übrigens, wird auch die Erinnerung an Manfred Koch über alledem schweben. Der im Frühjahr 2021 verstorbene Vereinsgründer und begeisterte Modellbauaktivist hatte in den 1990er Jahren, so erinnert Günter Hildebrand, mit „unserem Fluggelände hier den absolut besten Griff gemacht. Denn unten auf dem Pennewitzer Flugplatz wollte man uns nicht mehr auf potenziellem Kollisionskurs zur so genannten Mann-tragenden Fliegerei haben.“

 

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