Modellbau-Ausstellung Miniaturmatrosen auf dem Schlachtschiff

Berit Richter
Werner Siebert hat ein 2,80 Meter langes Modell eines US-Kriegsschiffes gebaut. Foto: Berit Richter

Historische und moderne Schiffe, Flugzeuge, Pferde und vieles mehr gibt es zur großen Modellbauausstellung in der Arnstädter Stadthalle zu bestaunen

Stramm stehen die Soldaten an der Reling, in Reih und Glied. „Die Figuren habe ich aus Zinn gießen lassen und dann selbst bemalt“, erzählt Werner Siebert aus der Nähe von Kassel. Sein Modell des Schlachtschiffs „USS New Jersey“ ist einer der Hinkuckern bei den Modellbautagen in der Stadthalle. 1760 solcher Miniaturmatrosen stehen auf Deck. „Das Schiff hatte etwa 1900 Mann Besatzung, einige sind natürlich unter Deck im Maschinenraum“, erklärt Siebert.

Das Original kämpfte ab 1944 im Zweiten Weltkrieg, war später auch im Korea-, Vietnam- und Golfkrieg im Einsatz. Heute dient es als Museumsschiff. Ist das Original rund 270 Meter lang, so bringt es Werner Sieberts Schiff auf stolze 2,80 Meter. 5000 Stunden hat der Modellbauer in fünf Jahren investiert. Das Besondere: Sein Schiff kann auch richtig auf dem Wasser schwimmen. „Aber das habe ich noch nie ausprobiert, da es aufgrund der Größe zwei Leute zum Einsetzen ins Wasser braucht“, erklärt Siebert.

Hansekoggen

Die Modelle von Gisbert Kords aus Kirchheim sind hingegen nur zum Bestaunen da. Seit seinem 17. Lebensjahr hat er sich der über tausendjährigen Geschichte der Segelkriegsschiffe verschrieben und seither 30 Modelle gebaut. Seine größten gewannen schon Titel. In die Stadthalle hat er diesmal eher kleinere mitgebracht. Hansekoggen und eine englische Galeone im Maßstab 1:100, in die Kords etwa 350 Stunden Arbeit investiert hat.

Denn fertige Bausätze gibt es für solche Schiffe nicht. „Das ist alles Handarbeit“, erklärt Gisbert Kords. Einzig historische Baupläne dienen ihm als Vorlage. Etwa 100 Stunden brauche er für den Rumpf, weitere 100 für den Aufbau und schließlich noch einmal so viel Zeit für die Details, erklärt Gisbert Kords.

Schiffsmodelle sind aber nur ein kleiner Teil dessen, was in den zwei Tagen zu bestaunen ist. Insgesamt kann der Plastik-Modellbau-Club (PMC) 40 Aussteller aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz präsentieren. Die Vielfalt der Modelle reicht von Trucks über Militärtechnik und Flugzeuge bis hin zu Pferden und Zinnfiguren. Auch ganze Dioramen oder Modelleisenbahnanlagen sind zu bestaunen.

„Wir wollen unser schönes Hobby vorstellen“, sagt Ausstellungsorganisator Knut Kern. Dass dieses auch längst moderne Züge trägt, zeigt Philipp Warstat, der gerade zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählt wurde. „Ich beschäftige mich vor allem mit 3D-Druck“, erzählt er. Mit Konstruktionsprogrammen am Computer und einem entsprechenden Drucker lassen sich nicht nur Ersatz- und Zubehörteile, sondern auch ganze Figuren ausdrucken. „Die Technik ist heute für jeden zugänglich und auch gut zu bedienen“, sagt Philipp Warstat.

Noch ganz klassisch bauen Leonard und Ilija ihre Flugzeug- und Automobil-Modelle unter Anleitung von Knut Kern. „Wir wollen mit unserer Ausstellung gern auch Kinder für unser schönes Hobby begeistern“, sagt Letzterer.

Und Gutes tun. Auch das gehört zu der Ausstellung, die zum achten Mal in Arnstadt stattfindet, dazu: Eine Tombola mit der Geld für die Kinderkrebshilfe gesammelt wird. „Etwa 300 bis 400 Euro werden wir bestimmt wieder übergeben können“, ist Knut Kern optimistisch.

 

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